Vom Lowtech-Zulieferer zum Hightech-Anbieter Der Kampf ums Cockpit in China

Von Henrik Bork* 3 min Lesedauer

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Quiz-Frage für Kenner des chinesischen Marktes: Was haben Volkswagen, NIO, GM und Xpeng in China gemein? Antwort: Viele ihrer Autos setzen im Cockpit auf Produkte der Hersteller Desay und Huayang. Die waren noch vor einigen Jahren völlig unbekannt.

Die Anzahl und Größe von Bildschirmen in modernen Automobilen hat deutlich zugelegt. In China haben sich ehemalige Lowtech-Zulieferer auf die Situation eingeschossen und bedrängen nun die ehemaligen Platzhirsche.(Bild:  Polestar)
Die Anzahl und Größe von Bildschirmen in modernen Automobilen hat deutlich zugelegt. In China haben sich ehemalige Lowtech-Zulieferer auf die Situation eingeschossen und bedrängen nun die ehemaligen Platzhirsche.
(Bild: Polestar)

Die zwei chinesischen Zulieferer waren vor wenigen Jahren noch so gut wie unbekannt. Jetzt schicken sie sich an, ihren Heimatmarkt für „Smart Cockpits“ zu erobern, mit ihren zentralen Kontrolleinheiten, LCD-Bildschirmen und Head-Up-Displays (HUD) den Tier-1-Zulieferern wie Bosch oder Continental dabei immer härter Konkurrenz machend.

Die rasche Digitalisierung der E-Autos in allen Bereichen und die Vorliebe chinesischer Autofahrer für große, moderne Bildschirme und viel High-Tech hinter dem Lenkrad haben den Markt explodieren lassen.

Früher Lowtech-Anbieter, jetzt Continental-Konkurrent

Zur selben Zeit sind die technologischen Einstiegs-Schranken für die Hersteller gesunken. Chinesische Firmen, die bis vor kurzem nur relativen „Low Tech“ wie CD-Player oder Autolautsprecher im Angebot hatten, sind quasi über Nacht zu formidablen Playern auf dem Markt der intelligenten Autos geworden.

Ein besonders auffälliges Beispiel dafür ist die Firma Desay SV, die sich seit Anfang dieses Jahres ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Continental um die Markführerschaft bei LCD-Instrumenten-Panels in der Volksrepublik liefert. Beide Firmen haben im Januar und Februar 2024 mehr als 36.000 Einheiten installiert. Continental lag mit einem Marktanteil von 12,8% nur noch ganz knapp auf Platz Eins der führenden Zulieferer in China, vor Desay SV mit 12,6%.

Noch vor rund fünf Jahren baute Desay vor allem traditionelle Autoteile und Audiosysteme für Autos mit Verbrennungsmotor. Doch als das „Smart Cockpit“ in China im Jahr 2018 plötzlich populär wurde und Elektroautos wie der ES8 von NIO im Rampenlicht erschienen, wetteten die Manager bei Desay beherzt auf den neuen Trend der Integration verschiedener Hightech-Komponenten im Cockpit.

Als „Smart Cockpit“-Anbieter neu geboren

Die Transformation weg vom traditionellen Zulieferer und hin zum Tech-Anbieter für „Smart Cars“ ist Desay auf beeeindruckende Art und Weise gelungen. Nicht nur zählen inzwischen so gut wie alle großen OEM in China zu den Kunden der als „Smart Cockpit“-Anbieter neu geborenen Firma, auch wuchs der Börsenwert des Unternehmens zwischenzeitlich bereits auf über 100 Milliarden Yuan (rund 13 Milliarden Euro).

Beim schnell wachsenden Bedarf nach immer mehr Rechenleistung, mit dem die verschiedenen Komponenten von Smart Cars wie Lidar, ADAS-Kameras, elektronische Rückspiegel oder HUD integriert werden können, haben noch immer die amerikanischen Chip-Hersteller Qualcomm und Nvidia mit ihren SoCs die Nase vorn.

Doch bei sämtlicher anderer Hardware und Software im Smart Cockpit holen chinesische Hersteller momentan schnell auf. „Die Intelligenz von Automobilen hat das traditionelle Kraftgefüge verändert. Die technischen Barrieren der ursprünglichen Tier-1-Zulieferer existieren nicht mehr und werden durch den Integrationseffekt von Technologie-Stacks ersetzt“, schreibt das chinesische Fachportal 36K über eine Industrie im Umbruch.

Smart Cockpit lässt sich leichter monetarisieren als autonomes Fahren

„Das Smart Cockpit ist als Industrie erkannt worden, die leichter zu kommerzialisieren ist als das autonome Fahren“, heißt es in der Analyse weiter. Das habe traditionellen Autozulieferern eine Chance geboten, ihre Transformation ins Zeitalter der E-Mobilität zu bewältigen.

Neben Desay SV ist die chinesische Huayang Group ein besonders interessantes Beispiel für so eine erfolgreiche Transformation. Dort hatte man früher gut von der Herstellung und dem Verkauf von CD-Playern gelebt. Zur gleichen Zeit, als der Markt für Autos mit Verbrennungsmotor allmählich zu schrumpfen begann, digitalisierte sich auch das Entertainment im Auto.

Konkurrenzdruck auf Bosch, Continental und andere steigt

Huayang gab genau wie Desay große Summen für Forschung und Entwicklung aus. „Die beiden Unternehmen sahen sich gezwungen, sehr eilig mit ihrer Transformation zu beginnen“, beschreibt 36K den Krisenmoment vor rund fünf Jahren.

Die Huayang Group stürzte sich entschlossen auf die neue Nische des Smart Cockpits. Auf dem chinesischen Markt für Domain-Controller etwa, aber auch bei HUD und den neuen AR-HUD spielt das Unternehmen nun schon eine beachtenswerte Rolle.

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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit diesem Jahr im Kampf und das Cockpit in China in eine neue, besonders intensive Phase begonnen hat. Chinesische Anbieter wie Desay, Huayang, oder Autolink machen den Tier-1-Anbietern wie Bosch oder Continental immer mehr Konkurrenz. Die Zeiten, in denen gute Beziehungen zu einzelnen OEM ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil waren, sind unwiderruflich vorbei. (me)

* * Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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