Das elektrische Gruselinstrument Das Theremin und sein unheimlich guter Klang

Von Antonio Funes 7 min Lesedauer

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Anlässlich von Halloween, das in den vergangenen Jahren auch bei uns in Deutschland immer populärer geworden ist und nicht mehr nur auf dem Bildschirm anhand von US-Filmen präsent ist, geht es um ein elektronisches Musikinstrument, dessen Klang nicht zuletzt wegen seines Einsatzes in Grusel- und Science-Fiction-Filmen vielen bekannt ist: das Theremin.

Leon Theremin an einem damals Termenvox genannten Theremin im Jahr 1927.(Bild:   / CC0)
Leon Theremin an einem damals Termenvox genannten Theremin im Jahr 1927.
(Bild: / CC0)

Wir befassen uns mit der Historie und Funktion des Musikinstrumentes sowie dem Leben ihres Erfinders Lew Termen, der sich später Leon Theremin nannte. Was vielleicht nicht jedem bewusst ist: Das Theremin wurde bereits im Jahr 1920 erfunden und ist somit mehr als 100 Jahre alt. Es erzeugt auf elektronische Art einen Sinuston, der aber wegen der ungewöhnlichen Bedienung einen heulend-säuselnden Charakter hat und dazu führte, dass die damit vorgeführte Musik rasch als „Geistermusik“ bezeichnet wurde.

Elektronisch erzeugte Musik war damals noch neu, und die Art und Weise, wie das Theremin sie erklingen ließ, war sicherlich für viele der Menschen eher befremdlich. Der Grund für den ungewöhnlichen Klang ist die Tatsache, dass man die Tonhöhe und die Lautstärke ohne Kontakt zum Theremin über Abstand und Position der Hände zum Theremin steuert. Die Töne verändern sich dabei fließend, und da man die Hand nie ideal bewegen kann, klangen die Tonübergänge in Verbindung mit der damaligen licht schwankenden Schalttechnik ohnehin zudem ein wenig schräg, was den unheimlichen Charakter der Melodien noch verstärkte. Auf das erste, noch sehr große Theremin folgten immer weiter verbesserte und auch kompaktere Formen, sodass es sich leichter verbreiten konnte.

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Musikalische Untermalung in Filmen und Serien

In Filmen kam das Theremin ab 1931 zum Einsatz, wobei es damals bislang nicht um Science-Fiction oder Spukgeschichten ging. Auch beim ersten King-Kong-Film aus dem Jahr 1933 waren Klänge des Theremin zu hören, allerdings nicht an vorderster Front. Als essenzieller und charakteristischer Klangerzeuger für die Musik in Grusel- oder auch Science-Fiction-Filmen mit unbehaglicher Storyline etablierte sich das Theremin erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ein in dieser Zeit bekannter und mit dem Album „Music out of the Moon“ auch kommerziell erfolgreicher Theremin-Spieler war der Arzt Samuel Hoffman, der bei vielen Filmen ab dem Jahr 1945 als Solist zum Einsatz kam. Die 1950er-Jahre brachten eine ganze Reihe von Science-Fiction- und Monster-Filmen hervor – bei vielen dieser Filme kam das Theremin zum Einsatz, um beispielsweise die Präsenz von Außerirdischen musikalisch zu manifestieren oder auch einfach nur, um ein Unbehagen beim Zuschauer zu erzeugen.

Bekannte Filme sind dabei unter anderem „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) oder „Gefahr aus dem Weltall“ (1953). In den 1960er-Jahren war das Theremin das Hauptinstrument beim Soundtrack der Serie Outer Limits, die fiktionale, unerklärliche Phänomene in Form von Geschichten thematisierte. Mittlerweile kommt der singend-heulende Sound des Theremin vor allem dann in Film und Fernsehen vor, wenn es eher mit einem Augenzwinkern verbunden um gruselige Inhalte aus den Bereichen Science-Fiction und Horror geht. Ein bekanntes Beispiel sind die Halloween-Specials der Cartoon-Serie „Die Simpsons“, bei denen die Titelmusik anstelle der orchestralen Version in einer Variante mit Theremin-Klängen gespielt wird.

Erfindung und Funktionsweise des Theremin

Als Lew Termen im Jahr 1920 das Theremin erfand, hieß es noch Aetherophon, was frei übersetzt so viel heißt wie „Der Klang des Äthers“. Zur damaligen Zeit war der Äther eine von Physikern vermutete, unsichtbare Substanz, durch die Licht oder Energie fließen kann, was der Erklärung für elektromagnetische Wellen und Magnetfelder diente. In der Esoterik wiederum gab und gibt es den ätherischen Körper, einen nicht sichtbaren Teil des menschlichen Wesens. Der ursprüngliche Name Aetherophon könnte darauf hindeuten, dass auch Termen selbst den Klang als ein wenig unheimlich empfand und zudem wegen der kontaktlosen Bedienung den Bezug zum Mysterium Äther herstellte, durch den die Energie der Handbewegungen floss.

Auftritte von Lew Termen in den 1920er-Jahren wurden nicht nur als Geistermusik, sondern auch als Ätherwellen-Musik beworben. Den Namen Theremin bekam das Musikinstrument erst, nachdem sich Lew Termen für seine Präsenz in westlichen Ländern in Leon Theremin umbenannt hat. Zwischenzeitlich hatte es auch andere Namen wie Termenvox.

Das erste Theremin hatte nur eine kontaktlose Tonhöhensteuerung – das Steuern der Lautstärke ohne Berührung des Instrumentes kam erst später dazu. Dabei erfasst in beiden Fällen eine Antenne über das Prinzip eines kapazitiven Abstandssensors die Handbewegungen – je nachdem, wie die Position der Hand in Bezug auf die Antenne ist, wird ein Oszillator mehr oder weniger stark zum Schwingen gebracht. Im Falle der für die Tonhöhe zuständigen Konstruktion werden die Schwingungen in Schallwellen umgesetzt. Allerdings war es nötig, als Grundfrequenz Werte 100 bis 1.000 Kilohertz zu wählen, da bei kleineren Werten die von den Handbewegungen erzeugten Kapazitätsänderungen nicht mehr adäquat erfasst werden können. Ein Ton, der aus einer Schwingung von 100 oder mehr Kilohertz entsteht, übersteigt aber bei Weitem das Hörvermögen des Menschen.

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Daher wird an den ersten Oszillator-Schwingkreis ein zweiter Oszillator mit einer festen, niedrigeren Frequenz angeschlossen. Es entsteht dadurch eine Frequenz, die dem Delta aus den beiden verwendeten Oszillatoren entspricht und im hörbaren Bereich liegt. Mit einem Verstärker wird die Schwingung schließlich auf einen Lautsprecher geleitet und in Schallwellen umgesetzt. Bei Termens ersten Theremin-Exemplaren kamen noch Röhrenoszillatoren zum Einsatz, bei später entstandenen Nachbauten oder verbesserten Varianten sind Transistoroszillatoren verbaut. Auf dem Prinzip des Theremin basieren auch Detektoren wie Minensuchgeräte oder Metalldetektoren.

Das Theremin als Vater der Synthesizer

Bevor wir zu Lew Termens Leben kommen, wollen wir auf das blicken, was die Erfindung des Theremins für die Entwicklung moderner Klangerzeuger bewirkt hat. Inzwischen gibt es neben etlichen Nachbauten des Theremins, die rein optisch gänzlich unterschiedlich ausfallen können, hochmoderne Formen des Theremins, die völlig andere Klänge als das ursprüngliche Theremin bieten und Klang-Presets sowie anpassbare Parameter für Klangfarben, verschiedene Oszillator-Typen, Filterfunktionen, eingebaute Hall- und Echoeffekte und mehr haben können.

Ein solches modernes Theremin ist das Moog Theremini – die Firma Moog Music wurde vom US-Amerikaner Robert Moog (1934–2005) gegründet, der wiederum schon als Teenager im Jahr 1949 das Theremin kennenlernte und sich ein eigenes Exemplar nachbaute. Er schrieb Artikel zu dem Musikinstrument und veröffentlichte Baupläne, damit andere Interessierte ein Theremin nachbauen konnten. Zudem sorgte die Faszination für das Theremin dafür, dass er sich intensiv mit der elektronischen Klangerzeugung beschäftigte und den allerersten praxistauglichen Synthesizer erfand, den er 1964 vorstellte.

Das damalige Gerät war noch ein Koloss von der Größe eines Schranks, der mehrere Module per Kabeln miteinander verband. 1970 gab es mit dem Mini-Moog erstmals ein deutlich kompakteres Modell inklusive Klaviatur, bei dem man nicht mehr umständlich Module mit Kabeln verbinden musste und das für den Bühneneinsatz problemlos geeignet war. Die Firma Moog Music ist auch heute noch einer der wichtigsten Hersteller von Synthesizern – viele Moog-Synthesizer gelten im Bereich der elektronischen Musik bereits als legendär.

Vor allem bestimmte Bass-Sounds sind dabei Moog-typisch und haben viele Genres der elektronischen Musik stark beeinflusst. Die typischen Moog-Sounds wurden schon häufig von anderen Herstellern kopiert oder stehen in Form von Software-Synthesizern zur Verfügung.

Das Leben von Lew Termen alias Leon Theremin

Lew oder auch Lev Termen, der sich später Leon Theremin nannte, wurde 1896 in Sankt Petersburg geboren und hatte familiär einen deutsch-französischen Hintergrund. In Sankt Petersburg studierte er zunächst das Musikinstrument Cello und danach Physik. Das Theremin erfand er in einem Labor in Petrograd, das der Erforschung elektrischer Schwingungen diente. Parallel dazu war er eng mit dem Institut für Musikwissenschaften in Moskau verbunden. Die erste offizielle Vorführung des damals noch Aetherophon benannten Instrumentes war im Jahr 1921.

Sechs Jahre später ging Lew Termen mit seiner Ätherwellen- oder auch Geistermusik auf eine weltweite Tournee. Er ließ sich 1928 vorerst in New York nieder. Zur damaligen Zeit änderte Lew Termen seinen Namen auch in Leon Theremin und lernte die aus Sankt Petersburg ausgewanderte gebürtige Litauerin Clara Rockmore kennen, die damals noch ein Kind war. Eigentlich war sie eine hochbegabte Violinistin – aus gesundheitlichen Gründen wandte sie sich aber dem Theremin zu, half auch bei Verbesserungen des Instrumentes und wurde ab etwa 1930 zu der weltweit bekanntesten und mit Abstand besten Theremin-Spielerin.

Im Jahr 1938 verschwand Leon Theremin plötzlich von der Bildfläche. Später wurde klar, dass er in die Sowjetunion gereist und dort wegen antisowjetischer Propaganda inhaftiert worden war. Im Westen gingen viele davon aus, dass Theremin bereits im Jahr 1938 verstorben war. Er wurde während seiner Haft vom KGB zum Arbeiten verpflichtet und entwickelte unter anderem Abhörwanzen. Dies alles geschah aber im Verborgenen. Öffentlich sah man Leon Theremin erst im Jahr 1964 wieder, Dokumente zu seiner erzwungenen KGB-Arbeit wurden vernichtet.

Nach seiner Haft arbeitete er erst zuerst im Bereich der Akustik am Moskauer Konservatorium und beschäftigte sich auch mit elektronischer Klangerzeugung und Musik. Er traf 1967 einen US-Musikkritiker für ein Gespräch. Dessen Artikel in der New York Times war der Beweis dafür, dass Theremin mit US-Vertretern Kontakt hatte, was zu seiner Entlassung führte. Ab 1968 arbeitete Theremin in der physikalischen Fakultät der Universität Moskau. Die Perestroika unter Gorbatschow Mitte der 1980er-Jahre bekam Theremin noch mit, obwohl er 1986 bereits 90 Jahre alt war. Anfang der 1990er-Jahre, nach Öffnung der Sowjetunion, wurde er mehrfach geehrt und führte das Theremin bei verschiedenen Auftritten vor. Leon Theremin wurde stolze 97 Jahre alt und verstarb am 3. November 1993 in Moskau.

Neben dem Theremin erfand er unter anderem auch Alarmanlagen und ein elektronisches Cello. Theremin war dreimal verheiratet, wobei aus einer Ehe die zwei Töchter Natalija und Jelena stammen. Leon Theremins 1991 geborener alter Urenkel Peter Theremin ist ein russischer Theremin-Spieler sowie Komponist und hält somit die Erfindung seines Urgroßvaters und dessen Liebe zur Musik weiterhin in Ehren.  (sb)

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