Recycling von Elektroschrott Das Gold liegt im Müll

Von Susanne Braun 4 min Lesedauer

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Je mehr wir uns von dem Gedanken des Recyclings alter Elektrotechnik entfernen und aus Bequemlichkeit neue Alltagshelfer kaufen, desto mehr problematischer Elektroschrott entsteht und desto knapper werden seltene Ressourcen. Dass sich aus dem Recycling von Elektroschrott mitunter Profit schlagen lässt, zeigt eine Reportage von Business Insider.

Die extrahierten Edelmetalle werden zu reinem Metall raffiniert und können sofort verkauft werden. Der Rohstofflieferant erhält eine Vergütung für alle recycelten Metalle.(Bild:  Mint Innovation)
Die extrahierten Edelmetalle werden zu reinem Metall raffiniert und können sofort verkauft werden. Der Rohstofflieferant erhält eine Vergütung für alle recycelten Metalle.
(Bild: Mint Innovation)

Am 14. Oktober wird seit einigen Jahren der E-Waste-Day „gefeiert“, ein Tag, an dem darauf aufmerksam gemacht wird, wie viel Elektroschrott weltweit entsteht und wie selten dieser Schrott richtig entsorgt wird. Wenn etwa ein Haushaltsgegenstand nicht mehr richtig funktioniert, dann ist es schon sehr reizvoll, diesen zu ersetzen, statt ihn zu reparieren oder ihn reparieren zu lassen. Die neuen Modelle sehen vielleicht besser aus, passen ins Farbkonzept des Raums oder bieten durch modernere Technologie eine bessere Ökobilanz.

Mit Blick auf die Schonung von Ressourcen und Vermeidung von Müll hat die EU das Recht auf Reparatur beschlossen. Das deckt zwar nicht alle elektronischen Geräte ab, jedoch immerhin viel weiße Ware, also Haushaltsgeräte und Alltagsgegenstände wie Smartphones.

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„Wir können es uns nicht mehr leisten, in einer Wegwerfgesellschaft zu leben“, wird etwa René Repasi von der SPD zitiert, der Baden-Württemberg im Europäischen Parlament vertritt. Ein genauer Text zum Recht auf Reparatur liegt bisher nicht vor, doch der TÜV Rheinland beschäftigt sich bereits intensiv mit dem Thema. Dass mit Blick auf die Vermeidung von Elektroschrott allerdings nicht erst auf die Gesetzgebung gewartet werden sollte, zeigen einige umtriebige Leute weltweit im Rahmen eines Berichts vom Business Insider.

Der Kampf gegen den Schrottberg

Die Materialien in den Elektronikgütern, die im Laufe eines Jahres weggeworfen werden, haben laut den Recherchen von Business Insider einen geschätzten Wert von 60 Milliarden US-Dollar. Sollte es dann nicht für jedermann reizvoll sein, diese Materialien aus dem Schrott herauszuholen und davon zu profitieren? So einfach ist es nicht, wie der Bericht zeigt.

Für die Entfernung der Materialien, etwa Gold, Kupfer, Palladium, Tantal, Zinn, Blei und Stahl, wird beispielsweise rohe Kraft oder ein Säurebad benötigt. Schützende Arbeitskleidung allerdings fehlt den meisten Menschen, die sich mit dem Recycling des Elektroschrotts befassen. Denn der Müll wird überwiegend in Entwicklungsländer exportiert. Länder wie Ghana, Nigeria, Indien, Pakistan und China sind bekannte Ziele für den Export von Elektroschrott aus Industrieländern. Diese Länder werden oft als Endziele für den Elektroschrott betrachtet, wo er recycelt, wiederverwendet oder auf anderweitige Weise verwertet wird.

Leider führt dieser Export oft zu Umweltverschmutzung und Gesundheitsproblemen für die Menschen vor Ort. Wie es anders gehen kann, indem Menschen aus Industrieländern Verantwortung für den von ihnen produzierten E-Schrott übernehmen, zeigt das Business-Insider-Video – und eines von den vorgestellten Unternehmen ist ganz besonders interessant.

Mit natürlicher Biomasse und intelligenter Chemie kommerziell die Ressourcen retten

Wer sich das Video anschaut, wird in den knapp 13 Minuten seiner Laufzeit realisieren, dass das Gold und andere wertvolle Materialien im E-Schrott liegen, aber nicht so einfach einzusammeln sind. Deswegen entsteht der Schrott ja vornehmlich: Die gängigen Methoden zum Recycling von Elektroschrott haben mehrere Nachteile, darunter Umweltverschmutzung, Gesundheitsrisiken durch gefährliche Materialien und ineffiziente Rückgewinnung wertvoller Ressourcen. Zudem erfordern einige Recyclingprozesse viel Energie und sind technisch komplex, was zu zusätzlichen Kosten und Umweltauswirkungen führt. Sprich: Recycling ist, auch in diesem Fall, wenig rentabel.

Die Verantwortlichen des Unternehmens Mint Innovation beabsichtigen, das nicht hinzunehmen. Unter dem Motto „From Trash to Treasure“ haben die Leute von Mint Prozesse entwickelt, die das Metall von Elektroschrott zurückgewinnen, und das zu niedrigen Kosten und mit Bioraffinerien, die möglichst wenig Einfluss auf die Umwelt nehmen. Und es handelt sich da nicht um unerhebliche Mengen an Metall: Aus einer Tonne im Elektroschrott entsorgten Leiterplatten lassen sich Gold im Wert von etwa 12.000 US-Dollar, Kupfer im Wert von etwa 2.000 US-Dollar sowie Silber im Wert von 1.400 US-Dollar zurückgewinnen.

Freilich gibt es an der Stelle bereits einen erkennbaren Nachteil: Es geht bei der Rückgewinnung von Mint genauso wie beim Recycling von Einzelpersonen vornehmlich um die Platinen, nicht aber um das Material drumherum. Das ist und bleibt Schrott, daran ändert sich auch nichts, wenn man sich ausschließlich die wertvollen Ressourcen aus dem E-Waste schnappen will.

Mit der Macht der Natur

Dennoch: die Vorgehensweise von Mint wird mit ihrer Kosteneffektivität, Modularität und Umweltfreundlichkeit beworben. Besser als gängige Wiederverwertungsmethoden scheint der Prozess also zu sein – und besser als ein Haufen unangetasteter Elektroschrott allemal. Was passiert also bei Mint?

Die angelieferten Platinen werden gewogen und dann zu einem feinen, sandähnlichen Granulat gemahlen. Über chemische Prozesse werden im Anschluss wertvolle Materialien wie Gold, Palladium und Platin aus dem Granulat gewonnen. Andere Ressourcen wie Kupfer werden über konventionelle elektrochemische Prozesse extrahiert. Durch den von Mint patentierten Biosorptions-Prozess werden die Metalle aus den Lösungen geholt. Dabei unbrauchbar gewordene Laugungsflüssigkeiten werden zur Wiederaufbereitung aufbewahrt. Und die extrahierten Edelmetalle wiederum werden zu reinem Metall raffiniert und können sofort verkauft werden. Bei der Rückgewinnung erhält der Rohstofflieferant eine Vergütung für alle recycelten Metalle.

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„Die Metalle werden mit natürlicher Biomasse recycelt und erzeugen geringere Kohlenstoffemissionen, um eine kreisförmige Lieferkette zu betreiben“, so die Verantwortlichen von Mint. Und sie machen Nägel mit Köpfen. Der Cleantech-Innovator, der sich auf kohlenstoffarme Technologien zur Herstellung zirkulärer grüner Metalle spezialisiert, hat im November 2023 die international anerkannten Zertifizierungen für das Qualitätsmanagement nach ISO 9001:2015, das Umweltmanagement nach ISO 14001:2015 und das Arbeitsschutzmanagement nach ISO 45001:2018 erlangt.

Die erste kommerzielle Bioraffinerieanlage von Mint wurde in Sydney, Australien, eröffnet. Die Methode des Unternehmens klingt auf dem Papier nach einem richtigen Schritt in eine Zukunft mit mehr Elektroschrott-Recycling. Vielleicht dauert es nicht mehr lang, bis es auch hierzulande eine Mint-Fabrik gibt. Mehr über Mint Innovation erfahren Sie auf der Webseite der Firma(sb)

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