TFT-Displays, Kameratechnik und E-Paper-Displays: Damit verdient Holitech hauptsächlich Geld. Neben China wird auch in Indien produziert. Von hier lassen sich viele europäische Kunden beliefern. Für 2022 ist ein mehrfarbiges EPD geplant.
Thomas de Laar, CEO Holitech Euorpe: Für 2022 ist ein vollfarbiges E-Paper-Display geplant.
(Bild: Holitech)
Seit gut zwei Jahren ist Thomas de Laar Geschäftsführer bei der europäischen Holitech-Niederlassung in Düsseldorf. Ende 2020 hatte ich Holitech schon einmal besucht und ich sprach mit de Laar unter anderem über die Pläne von Holitech in Europa. Denn der Display-Experte aus China setzt große Hoffnungen auf den europäischen Markt. Der Plan ist weiter aktuell. Doch seit zwei Jahren hat die Corona-Pandemie Einfluss auf die Geschäfte. Konkret geht es um die Mikrochips für die Touch-Steuerung bei den Displays.
Hinzu kommt oftmals noch ein zweites Phänomen: Für ein Touchdisplay benötigt man einen Treiber-IC und einen Touch-IC. Um diese ICs an die jeweiligen Funktionen innerhalb eines Displays anzupassen, müssen sie programmiert werden. Das ist zeitaufwendig und bindet Kapazitäten.
Immerhin, so erzählt de Laar, mache das Geschäft mit den TFTs in Europa rund 50 Prozent aus. Gefolgt von den E-Paper-Displays mit 30 Prozent und schließlich noch die Kameratechnik mit rund 10 Prozent.
Europäische Kunden lassen sich aus Indien beliefern
Doch Holitech fertigt nicht allein in China. Nahe der indischen Hauptstadt Neu-Delhi, am Standort Noida, betreiben die Chinesen vier Fabriken für Kameramodule, TFT-Displays und Fingerprint-Module, die sich unter anderem für eine Verifizierung einsetzen lassen. Dabei kaufen die Inder bei der chinesischen Mutter das notwendige Material ein und fertigen dann vor Ort.
Es sind vor allem die europäischen Kunden, welche direkt bei den indischen Fabriken einkaufen, weil es in den chinesischen Fabriken öfters zu Ausfällen kommt. De Laar nennt unter anderen Stromsperren, welche die Produktion eine längere Zeit lahmlegen. Hier sei der indische Markt zuverlässiger.
Die am indischen Holitech-Standort gebauten TFT-Displays werden beispielsweise in Smartphones und den etwas günstigeren Feature-Phones eingebaut. Bei den Fingerprint-Modulen gibt es drei unterschiedliche Varianten: zum Einbau auf die Geräterückseite, an der Seite oder als optisches Modul.
Ein Blick auf den Automobil- und Nutzfahrzeugmarkt
De Laar erzählt, dass sich Holitech über eine Ausschreibung bei einem Automobilhersteller beworben hatte. Es ging um einen Touch-Schalter mit integriertem Display. Außerdem sollte der Schalter Schutz vor Feuchtigkeit bieten und war dazu mit einem Coverglas komplett bedeckt. Mit dem entwickelten Prototypen hatte Holitech den dritten Platz erzielt. „Obwohl es nur für einen dritten Platz gereicht hatte, konnten wir während der Entwicklung des Touch-Schalters viel lernen. Diese Erkenntnisse fließen jetzt auch in andere Projekte mit ein“, erzählt de Laar.
In der Mobilitätsbranche werden zunehmend auch Kamera-Module verbaut. Diese kommen nicht nur in PKWs zum Einsatz, sondern auch in LKWs und Landmaschinen. So ist eine moderne Landmaschine beispielsweise mit 20 Kameras ausgerüstet. Bei den Baugrößen nicht verwunderlich.
Das Geschäft mit den E-Paper-Displays
Auf dem Markt der E-Paper-Displays (EPD) gibt es weltweit nur drei Hersteller, welche die E-Ink-Technik vermarkten dürfen. Die chinesische Fabrik für E-Paper-Displays erstreckt sich über eine Fläche von 35.000 Quadratmetern. „Hier erzielen wir eine monatliche Fertigungskapazität von fünf Millionen Stück an E-Paper-Produkten inkl. Modul, Frontlicht, CTP, Volllaminierung und Platine sowie weitere Serviceleistungen“, sagt de Laar.
Die von Holitech gefertigten E-Paper-Displays verfügen über eine Full-Refresh-Rate von zwei bis drei Sekunden. Derzeit bietet Holitech die EPDs in schwarz-weiß und dreifarbig in schwarz-weiß-rot und schwarz-weiß-gelb an. Im Vergleich zu TFT-Displays gibt es einen limitierenden Faktor: den Temperaturbereich. Hintergrund sind die physikalischen Eigenschaften der Mikrokapseln, die derzeit nur für Betriebstemperaturen zwischen 0 und 50 °C sowie –20 und 30 °C (speziell für Niedrigtemperatur-Produkte) ausgelegt sind.
Die E-Paper-Displays (EPD) bekommen Farbe
Ein mehrfarbiges E-Paper-Display.
(Bild: Holitech)
De Laar berichtet, dass die EPDs mit gelb teurer sind, da ihr Bedarf gestiegen ist. Hingegen sind die EPDs mit rot günstiger. Für Anfang 2022 kündigt das Unternehmen mehrfarbige EPDs an. Es sollen sich bis zu acht Farben technisch darstellen lassen. Neben dem begrenzenden Temperaturbereich kann eine direkte Einwirkung von UV-Licht die Farbkapseln austrocknen und führt zu irreparablen Schäden. Abhilfe verschaffen spezielle Folien, die das UV-Licht blockieren.
Stand: 08.12.2025
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Einen großen und weiterhin wachsenden Markt sieht de Laar bei ESL (Electronic Shelf Labels) zur Auszeichnung von Preisen in Supermärkten. „Hier sprechen wir von einem Volumen von 200 Millionen Stück im Jahr. Allein für den russischen Markt planen wir in diesem Jahr, 16 Millionen ESLs zu verkaufen“. Neben ESL sind Smart Home und Smart Building sowie messtechnische Anzeigen (Metering) prädestiniert für die E-Paper-Displays. Unter anderem finden sie sich in den Heizungsventilen von AVM.
Der Markt für die ESL bleibt spannend. Vor allem kann ein voll-farbiges E-Paper-Display noch einmal für einen Schub in diesem Segment sorgen.
Das Multicolor-E-Paper
Jede Mikrokapsel des EPD enthält weiße Partikel mit negativer Ladung, magentafarbene Partikel mit negativer Ladung, die gelben und cyanfarbene Partikel sind positiv geladen, die in einer transparenten Flüssigkeit schwimmen. Legt man unterschiedliche Spannungen an, wandern die verschiedenen Farben in die obere Schicht und werden für den Betrachter sichtbar. Gleichzeitig können die verschiedenen Farbpartikel nach dem Mischen unterschiedliche Farben darstellen und so eine vollständige Farbskala mit acht Grundfarben abbilden.