Infineon schließt mit Xiaomi eine Vereinbarung über die Lieferung von SiC-MCUs und anderen Chips. Möglicherweise ist es für Hersteller wie Infineon und ST höchste Eisenbahn, die Deals in trockene Tücher zu bringen. Denn die Konkurrenz in China schläft nicht.
Der Xiaomi-Stromer bei seiner Ankündigung.
(Bild: Xiaomi)
Das erste E-Auto eines marktführenden Handy-Herstellers, der SU7 von Xiaomi, war gerade die große Sensation auf der Beijing Autoshow. Nun hat Infineon bekannt gegeben, dass es SiC-Chips für das Auto liefert.
Der deutsche Halbleiter-Hersteller hat eigenen Angaben zufolge am 9. Mai 2024 einen langjährigen Liefervertrag für Autochips und -module mit Xiaomi unterzeichnet. Bis 2027 wird Infineon demnach Mikrocontroller und eine große Palette anderer Chips für den SU7 und andere Automodelle von Xiaomi liefern.
Die Vereinbarung ist ein weiteres Beispiel für den aktuellen Trend nicht-exklusiver, aber langjähriger Kooperationsvereinbarungen zwischen Chip-Herstellern und OEM in der Autoindustrie. Die schnelle Adaption von E-Autos, hauptsächlich in China, lässt den Bedarf nach den leistungsstarken, für hohe Voltzahlen und Temperaturen besonders gut geeigneten SiC-Chips ebenso so schnell wachsen.
Für die Halbleiter-Produzenten ist eine frühe Zusammenarbeit mit Autobauern in der Forschung und Entwicklung neuer Autochips relevant. Für die OEMs wiederum sichern solche Verträge den Zugang zu leistungsstarken SiC-Chips, die auf dem volatilen Weltmarkt in jüngster Zeit nicht immer selbstverständlich war.
Der Vertrag mit dem ambitionierten Quereinsteiger in die Autoindustrie werde Infineon helfen, seine „Position als globaler Marktführer bei automobilen Halbleitern zu bestätigen“, hieß es in einer Presseerklärung des Unternehmens.
SiC-Sicherheit für verlässliche Luxusautos
Zhenyu Huang, der bei Xiaomi für die Lieferketten zuständig ist, sagte der Deal mit Infineon werde seinem Unternehmen helfen, „das Angebot von Siliziumkarbid für Xiaomi EV zu stabilisieren, uns aber auch dabei helfen, leistungsstarke, sichere und verlässliche Luxusautos mit den modernsten Fähigkeiten für unsere Kunden zu bauen“.
In einem E-Auto in China werden derzeit bis zu 2.000 Chips verbaut. Besonders für die immer beliebteren 800-Volt-Plattformen gibt es einen großen und wachsenden Bedarf an SiC-Chips. Ausländische Hersteller wie das deutsche Infineon und STMicroelectronics, mit seinem Hauptsitz in der Schweiz, sind momentan mit Abstand die globalen Marktführer, wenn es um die leistungsstärksten Autochips geht.
Infineon beliefert eine große Zahl namhafter Autobauer, darunter etwa Stellantis (ab 2025), VW (in einem Zehn-Jahresvertrag), Hyundai, BMW und Renault. Nun hoffen die Münchener, auch immer mehr an dem Erfolg chinesischer Hersteller bei der Fertigung und dem Verkauf von E-Autos und Hybriden teilhaben zu können.
Knallen die Korken zu früh?
Allerdings waren auf der Beijing Autoshow in der Autoteilehalle Trends zu beobachten, die nahelegen, dass der Wettbewerb um den chinesischen Markt für Infineon, ST sowie andere ausländische SiC-Chip-Anbieter wie Rohm oder den Tier-1-Zulieferer Bosch bald deutlich härter werden dürfte.
Zum einen setzen immer mehr Hersteller, auch in China, auf selbst entwickelte SiC-Chips. NIO etwa zeigte auf der Pekinger Messe seinen neuen, inhouse entwickelten 1200-Volt-SiC-Chip, der für seine künftige 925-Volt-Plattform für E-Autos wie den neuen ET9 gedacht ist.
Die Fertigung der bei NIO entwickelten Chips übernimmt einer Vereinbarung vom Januar dieses Jahres zufolge die chinesische Foundry United Nova Technology, die 2008 gegründet worden ist und schon die MEMS-Foundry mit den größten Kapazitäten für automobile Chips in der Volksrepublik ist.
Auch BYD und andere führende E-Auto-Hersteller haben begonnen, ihre eigenen SiC-Chips zu entwickeln und zu bauen. Gemeinsam mit dem schnellen Wachstum der heimischen, chinesischen Foundrys deutet sich bereits eine wesentliche Neuausrichtung des Marktes an. Er wird vermutlich schon in wenigen Jahren nicht wiederzuerkennen sein.
Chinesische OEMs im Vorteil
Während momentan noch rund zwei Drittel aller SiC-Chips in China von ausländischen Herstellern wie Infineon und Co. geliefert werden, wird das Bild der Agentur McKinsey zufolge schon im Jahr 2030 viel ausgewogener aussehen. „Chinesische OEM signalisieren ein vermehrtes lokales Sourcing“ von SiC-Chips in der Autoproduktion, schreibt McKinsey in einer aktuellen Marktanalyse.
Stand: 08.12.2025
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„Unsere Analyse zeigt, dass chinesische OEMs aus geopolitischen Gründen und aus Überlegungen zur Sicherung ihrer Lieferketten zunehmend heimische Anbieter favorisieren“, schreibt McKinsey. Der Marktanteil lokaler, chinesischer SiC-Anbieter werde vermutlich von derzeit rund 15 Prozent auf rund 60 Prozent im Jahr 2023 wachsen, so die Marktforscher.
Das bedeutet, dass Infineon, STMicroelectronics und andere ausländische Hersteller von SiC-Chips am besten so viele strategische Lieferverträge mit chinesischen E-Auto-Herstellern abschließen sollten, wie sie nur können. Denn wie lange ihnen die „Position des globalen Marktführers“ noch erhalten bleibt, ist ungewiss. (sb)
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.