Messtechnikmarkt Chinesische Messtechnik für USA und Europa

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Ist Messtechnik made in China eine ernstzunehmende Konkurrenz? Die chinesische Ingenieurskunst scheint zu überzeugen: Rigol erobert die USA und Europa, die Wachstumsraten sind vielversprechend.

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Elektronik aus Fernost – und vor allem aus China – genießt in Europa oder auf anderen westlichen Märkten nicht immer den besten Ruf. Es sind gerade Klischees wie „alles nur kopiert“ oder „minderwertige Qualität“, die in den Köpfen der Leute verankert sind. Zur recht? Glaubt man einer Studie des chinesischen Sportartikel-Herstellers Li-Ning, sind gerade Konsumenten in den USA vermehrt bereit, Produkte aus China zu kaufen. Doch wenn ein chinesischer Hersteller in Europa Fuß fassen will, hat er es nicht leicht. Und gerade in einem Segment wie der Messtechnik ist der Markt fest in den Händen der bereits etablierten Hersteller. Das musste sogar Rohde & Schwarz feststellen, als sie Mitte 2010 mit der Oszilloskop-Familie RTO auf den Markt kamen. Doch ein allgemein gültiges Rezept, wie man sich die Gunst der Käufer erwirbt, gibt es leider nicht.

So hat auch der chinesische Messtechnikanbieter Rigol keine leichte Startposition. Seit Herbst 2011 ist der neue Player aus Fernost auch in Europa vertreten. Und bereits seit drei Jahren haben die Chinesen Erfahrungen in den USA sammeln können. Sie setzen auf Qualität zu einem günstigen Preis. Denn vor allem im unteren und mittleren Segment sollen noch Marktanteile zu holen sein.

Bei Rigol arbeiten mehr als 100 Ingenieure

Und schaut man sich die Produktpalette an, dann gibt es bereits ab 300 Euro Oszilloskope, die für semiprofessionelle Messanwendungen interessant sein dürften. Doch wer steckt hinter Rigol? Seit 13 Jahren ist der chinesische Messtechnikhersteller in Peking aktiv und beschäftigt dort aktuell 400 Mitarbeiter. Allein mehr als 100 Ingenieure sind in Forschung und Entwicklung beschäftigt. Außerdem ist Rigol Mitglied der China Electronic Instrument Industry Association und Mitglied des LXI-Konsortiums.

Das Unternehmen verfügt über eine sehr junge Unternehmenskultur, die sich sehr positiv auf das Geschäft auswirkt. Auf Messen haben die Entwickler von Rigol die Möglichkeit, vor Ort dabei zu sein und mit potenziellen Kunden direkt ins Gespräch zu kommen. Doch worin sieht Rigol seinen Hauptfokus? Das ist der Mid-High-Range-Bereich mit Bandbreiten von 200 MHz bis zu Geräten mit 1 GHz. So bestätigt es Wolfgang Bartels, europäischer General Manager für alle europäischen Aktivitäten bei Rigol. Bartels verfügt über viele Jahre Erfahrung in der Messtechnikbranche.

Die Hardware bei Rigol wird komplett selbst entwickelt

Was unterscheidet die Geräte von etablierter Messtechnik? „Rigol entwickelt beispielsweise seine Hardware komplett selber. Mit verschiedenen Patenten will das Unternehmen die Marktdurchdringung verbessern: Das Analogteil bietet eine Eingangssignalgröße von 500 µV/Div. So etwas wurde bisher nicht adressiert“, bestätigt Bartels. Auch bei der Speichertiefe will man sich abheben. „140 Mio. bis 180 Mio. Punkte lassen sich mit unseren Geräten aufzeichnen. Damit sollen sich gerade bei Bussystemen große Segmente aufzeichnen lassen.“ Neben Oszilloskopen bietet Rigol Multimeter, Arbritärgeneratoren, Spektrumanalysatoren und Stromversorgungen. „Sehr attraktiv ist das Preis-Leistungsverhältnis des DSA815-TG, ein Spektrumanalysator für 1221 Euro netto.“

Universitäten und Forschungseinrichtungen als mögliche Abnehmer

Mögen die Qualität und die Leistungsdaten der Geräte auch überzeugen, so müssen sie doch an den Mann oder die Frau gebracht werden. Das Stichwort Image ist bereits zu Beginn gefallen. Einen möglichen Abnehmer sieht Rigol vor allem bei den Universitäten und Forschungseinrichtungen. Denn dort, wo der zukünftige Ingenieursnachwuchs ausgebildet wird, will man mit seinen Geräten präsent sein. Was in der Ausbildung gut war und womit die Leute ihre erste Erfahrungen gesammelt haben, kann im späteren Berufsleben nicht schlecht sein.

So zumindest ist die Taktik von Rigol. Aber das ist kein einfacher Weg. Eine weitere Option sind Seminare direkt in den Firmen oder bei Partnern. Auch hier ist sich Bartels sicher, dass künftige Käufer über das Hobby zum Gerät kommen. Wer privat mit einem preiswertem Scope von Rigol arbeitet, wird auch für seine Arbeit die Präferenzen auf eine bekannte Umgebung legen.

Zweistelliges Wachstum in den USA und Europa

Stichwort Vertriebspartner. Rigol vertreibt seine Produkte beispielsweise über Batronix Elektronik, Meilhaus oder Alexander Meier Elektronik sowie Partner-Ingenieurbüros. Partner werden immer gesucht. Und einen großen Vorteil verspricht Bartels noch, wenn sich Unternehmen als Vertriebspartner mit Rigol verbünden: Er garantiert eine langfristige Partnerschaft sowohl für den Distributoren als auch für den Kunden.

Abschließend wirft Bartels noch einen Blick auf den US-amerikanischen und europäischen Markt. In den USA kann Rigol seit drei Jahren auf einen zweistelligen Zuwachs bauen. Das sind die größten Zuwächse außerhalb Asiens. Auch in Europa erreicht Rigol deutlich zweistellige Wachstumsraten, was Bartels als General Manager besonders stolz macht. //heh

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