Steuerzentrale, Entertainment und mehr: Immer mehr Autos werden mit immer größeren Displays ausgestattet. Bei den Automotive-LCDs haben chinesische Hersteller mittlerweile einen großen Marktanteil erobert. Bei OLED haben bislang andere Länder die Nase vorn.
Mehr und größer: Das ist der Trend für den Einsatz von Displays in modernen Autos. Im Bild das Interieur eines Polestar 4 mit großem Zentralbildschirm.
(Bild: Polestar)
In den letzten zehn Jahren konnten chinesische LCD-Hersteller ihren Marktanteil bei Automotive-Displays um gut 40 Prozent steigern.
(Bild: Asia Waypoint)
Chinesische Hersteller sind auf dem Weg, den globalen Markt für Autobildschirme zu vereinnahmen. Damit wiederholt sich ein Muster, das schon in den Industrien für TV- und Smartphone-Displays zu beobachten war. Mit ihren großen Produktionskapazitäten, die niedrige Kosten und Verkaufspreise ermöglichen, dominieren Hersteller aus der Volksrepublik nun auch zunehmend den Weltmarkt für automobile Displays.
Im ersten Halbjahr 2023 ist der Anteil chinesischer Display-Hersteller in der globalen Autoindustrie auf 45,3 Prozent gestiegen, zeigen Statistiken der Marktforschungsagentur Omdia. Dies sei „ein signifikanter Anstieg ihres Anteiles von 7,1 Prozent vor einem Jahrzehnt“, schreibt Omdia.
Zwei chinesische Unternehmen, BOE und Tianma, sind dabei führend. Zusammengenommen beherrschten sie in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres bereits 30,7 Prozent des Weltmarktes. BOE hat dabei mehr als 15 Prozent Anteil am Weltmarkt, Tianma 13,8 Prozent.
Die parallelen Trends zu E-Autos und immer intelligenteren, digital hochgerüsteten Autos mit ihren „smarten Cockpits“ lassen die automobile Display-Industrie momentan noch schneller wachsen als zuvor erwartet wurde.
Nicht nur billig, auch innovativ
Doch nicht nur der Preis macht chinesische Produkte attraktiv. Die Hersteller investieren auch massiv in Forschung & Entwicklung und bringen immer neue Produkte auf den Markt, die die Evolution des guten alten Bildschirms zu einer Art interaktiven Touch-Screen-Schaltzentrale vorantreiben, in der immer mehr Fahrfunktionen digitalisiert und über den Bildschirm gesteuert werden.
Ein Beispiel ist der neue „8K Borderless Smart Screen“ von BOE mit der beeindruckenden Breite von 45 Zoll – das sind über 114 Zentimeter! Das erste Automodell, das damit ausgerüstet wird, sei der „Galaxy E8“ von Geely, berichtet das chinesische Fachportal Gaogong Zhineng Qiche.
Dieser neue Mega-Bildschirm integriert viele Instrumente, die zentrale Kontrolleinheit und einen Beifahrer-Bildschirm in einem Gerät. All das ist mit 9,8 Millimetern sehr dünn und wiegt etwa ein Kilogramm weniger als vergleichbare Komponenten. Gewicht ist relevant für die Reichweite von E-Autos.
Neben der Größe wächst auch die Auflösung der Bildschirme
Überhaupt zwingt der harte Wettbewerb auf dem chinesischen Automarkt die Hersteller dazu, sehr innovativ zu sein. Einerseits breiten sich die Bildschirme vom Blickfeld des Fahrers über die Zone des Beifahrers immer weiter auch bis ins Blickfeld der Passagiere auf den hinteren Sitzen aus. Andererseits werden sie immer größer und beeindrucken durch hohe Auflösungen.
Der Markt für Autobildschirme wächst daher in China momentan noch schneller als die Autoindustrie selbst. Von Januar bis November 2023 seien in China mehr als 31 Millionen Einheiten von Auto-Displays verbaut worden, was einem Anstieg von mehr als 22 Prozent im Jahresvergleich entspricht, schreibt das „Gaogong Intelligent Automobile Research Institute” in einem Bericht.
Im Durchschnitt ist momentan schon jedes Auto mit 1,67 Displays ausgestattet –Tendenz steigend. Schon 10 Prozent aller für die Statistik erfassten Fahrzeuge, 700.000 Stück, haben bereits eigene Bildschirme für den Beifahrer. Das war ein Wachstum von mehr als 174 Prozent im Jahresvergleich.
Bei OLED sind andere Länder führend
Während die chinesischen Hersteller – außer BOE und Tianma sind vor allem noch IVO, CSOT, Hisense und der Aufsteiger China Star zu nennen – dabei sind, den Markt für automobile LCD-Displays zu dominieren, hinken sie bei den neuen OLED-Bildschirmen der ausländischen Konkurrenz noch immer ein wenig hinterher. Der technologische Vorsprung vor allem der Südkoreaner wird von Experten hier auf ungefähr zwei Jahre geschätzt.
LG Display hatte hier zuletzt einen Anteil am automobilen OLED-Weltmarkt von mehr als 50 Prozent, dicht gefolgt von Samsung mit seinen 42,7 Prozent. Doch auch hier holen die Chinesen auf. BOE ist bereits zum drittgrößten Hersteller von automobilen OLED-Schirmen aufgestiegen (7,3 Prozent). Insgesamt hielten chinesische Anbieter bis Ende 2022 bereits einen Anteil von 17,8 Prozent am Weltmarkt – und auch hier gilt wieder „Tendenz steigend“. (me)
Stand: 08.12.2025
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