Foundry-Konsolidierungen Chinas Chiphersteller festigen ihre Marktmacht durch Fusionen und Übernahmen

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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China antwortet auf die andauernden Chiprestriktionen aus Washington mit einer Welle der Konsolidierung der größten Foundries. Damit sollen Kapazitäten und Kapital besser gebündelt werden, um das Ziel der nationalen Selbstversorgung mit Halbleitern schneller zu erreichen, heißt es in Analysen.

SMICs Verantwortliche haben sich dazu entschlossen, den Konsolidierungs-Anforderungen des MIIT nachzukommen.(Bild:  SMIC)
SMICs Verantwortliche haben sich dazu entschlossen, den Konsolidierungs-Anforderungen des MIIT nachzukommen.
(Bild: SMIC)

Der größte Chiphersteller der Volksrepublik China, Semiconductor Manufacturing International Corporation oder SMIC, hat angekündigt, eine Tochtergesellschaft komplett für umgerechnet 4,9 Milliarden Euro zu übernehmen, schreibt die Finanzzeitung Shanghai Zhengquan Bao.

Der in Shanghai beheimatete Großkonzern SMIC wird die genannte Milliardensumme für die existierende Tochter „SMIC Jingcheng“ in Peking zahlen. Während es sich auf den ersten Blick nur um eine Verschiebung in den Bilanzen des Konzerns handelt, stecken dahinter eine Reihe strategischer Erwägungen.

Fast zeitgleich kam rund um den Jahreswechsel 2025 die Nachricht, dass der zweitgrößte Halbleiterkonzern des Landes, Hua Hong Semiconductor, knapp eine Milliarde Euro für die Übernahme von 97,5 Prozent einer „Schwester-Foundry“ im heimatlichen Shanghai bezahlt.

Konsolidierung zur Stärkung der Marktposition

„Die Werke in Peking gehören bereits mehrheitlich SMIC, doch ihre vollständige Überführung in die Bilanz der Muttergesellschaft vereinfacht die Unternehmensführung, die Bereitstellung von Kapital und die Planung künftiger Expansionen“, kommentierte die South China Morning Post in Hongkong. Der Konkurrent Hua Hong machte einen gleichwertigen Schachzug und übernahm das Unternehmen Shanghai Huali, mit dem es zuvor schon eng verbunden war.

Alle genannten Chipwerke produzieren nur relativ reife Prozess-Nodes von mehr als sieben Nanometern, also keine der Prestige-Chips im Zwei-Nanometer-Bereich wie etwa TSMC in Taiwan. Der Großteil der Produktion der nun vereinten Hersteller konzentriert sich sogar auf sogenannte Legacy-Chips in Bereichen von 28, 40, 55 und 65 Nanometern, berichten chinesische Medien.

Diese reiferen Chipgenerationen erfreuen sich nach wie vor einer starken Nachfrage als Controller- und Power-Management-Chips in der Autoindustrie, als Display-Treiber, Konnektivitäts-Chips und in unzähligen Anwendungen in der Elektronikindustrie. Globale Engpässe während der Covid-19-Krise und erst kürzlich wieder im Zuge des Streits um Nexperia haben deutlich gezeigt, wie fragil die Versorgung mit solchen „Legacy-Nodes“ sein kann.

Chinas Industrieministerium MIIT hatte im September vergangenen Jahres „rationale Fusionen und Übernahmen“ in der heimischen Halbleiterindustrie ausdrücklich als Marschbefehl an heimische Foundries ausgegeben. Ein erklärtes Ziel dabei ist die Sicherung der Lieferketten mit diesen Chips, auf die fast die gesamte chinesische Fertigungsindustrie angewiesen ist.

Es geht auch um fortgeschrittene Nodes

Wer jedoch meint, es ginge nur um Legacy-Chips, täuscht sich. Wenn einfachere Konzernstrukturen unter den Marktführern geschaffen und Vermögenswerte konsolidiert werden, schafft das auch eine bessere Grundlage für Investitionen in Forschung und Entwicklung und die staatlich geförderte Anschaffung von möglichst modernen Lithografiemaschinen zur Produktion von fortgeschrittenen Halbleitern.

Der Bau solcher Produktionslinien für Top-Halbleiter ist exorbitant teuer. Durch diese Konsolidierung in der Industrie werden in China parallele F&E-Anstrengungen für Chips aller Prozess-Generationen zunehmend kanalisiert. Das so eingesparte Kapital kann dann für andere Ziele eingesetzt werden, als für den Wettbewerb unter Schwesterfirmen. Diesen Wettbewerb hatte Peking jahrelang ermutigt, verfolgt derzeit aber eindeutig andere Ziele.

Es sei ein „typischer Weg“, um kapitalintensiven Sektoren der Fertigungsindustrie unter die Arme zu greifen, schreibt die Finanzzeitung aus Shanghai über die von Peking aus angeschobene Konsolidierung. „Die Produktion von Wafern erfordert enorme Anfangsinvestitionen, die börsennotierte Unternehmen oft nicht alleine tragen können“, so das Blatt. Vor diesem Hintergrund gilt eine stärkere Rolle des Staates bei künftigen Investitionen als wahrscheinlichster nächster Schritt im industriepolitischen Gegenkurs zu den US-Restriktionen. (sb)

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