Nach verdächtigem TSMC-Vorfall Neue Handelsbremse: Taiwan verbietet Chip-Exporte an SMIC und Huawei

Von Susanne Braun 2 min Lesedauer

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Dass die US-Regierung Exporte an Huawei seit Jahren verbietet, ist hinlänglich bekannt. Taiwan hat im Juni 2025 die Unternehmen SMIC und Huawei mit einem Chipexportverbot belegt. Das könnte mit den Gerüchten zu tun haben, dass TSMC mittels Strohleuten dazu gebracht wurde, an Huawei zu liefern.

Der Handel von Hightech wird global vielerorts eingeschränkt.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Der Handel von Hightech wird global vielerorts eingeschränkt.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Chinas Halbleiterei und KI-Expertise schreitet stets voran, doch es wird angenommen, dass die technologischen Fortschritte noch nicht an das Know-how anderer Staaten heranreichen; etwa an die der USA und Taiwan, je nachdem, welchen Sektor man in Augenschein nimmt.

Dass chinesische KI-Unternehmen auf die Technologie von Nvidia angewiesen sind, zeigte unter anderem der Wirbel um KI-Wunderkind DeepSeek. Zwar wurde das System eigenen Angaben zufolge kostengünstig und effizient aufgebaut, am Ende kam aber dennoch Hardware von Nvidia zum Einsatz.

Das KI-Modell DeepSeek‑R1 wird als NIM‑Microservice angeboten, der speziell auf Nvidia H200/H800-GPUs optimiert ist. Das bedeutet nicht unbedingt, dass die neuesten oder leistungsstärksten Nvidia-GPUs verwendet werden. Stattdessen wirken Softwarearchitektur und Hardware clever zusammen.

Nach den Handelsbeschränkungen vonseiten der US-Regierung im Jahr 2020 scheint künftig auch ein weiterer Hardware-Strom für den chinesischen Konzern Huawei zu versiegen, nämlich der über die Taiwanstraße. Berichten zufolge untersagt es die taiwanische Regierung, Chips an SMIC und Huawei zu liefern.

Folge auf Strohmann-Bestellungen?

Ob Parallelen bestehen oder die Erweiterung der taiwanischen „Hightech Commodities Entity List“ rein zufällig im Juni 2025 geschah, ist nicht offiziell bekannt. Fakt ist allerdings, dass diese Nachricht auch im Fahrwasser der Tatsachen kommt, dass Huawei angeblich Scheinfirmen benutzt habe, um TSMC zur Herstellung von Produkten mit fortschrittlicher Architektur zu verleiten, deren Weitergabe an Huawei untersagt gewesen wäre. „Strengere staatliche Kontrollen sollten ähnliche Fehler in Zukunft verhindern“, schreibt Mark Tyson von Tom's Hardware.

Im November 2024 hatte sich Auftragsfertiger TSMC beim US-Handelsministerium gemeldet, nachdem entdeckt worden ist, dass KI-Beschleuniger von Huawei Technologie beinhalteten, die der von TSMC sehr stark ähnelt. Es gab viele mögliche Erklärungen für diesen Vorfall. Man vermutete TSMC-Chips, die noch aus dem Vorratslager von Huawei kamen. Man spekulierte, ob SMIC inzwischen fähig sei, bestimmte TSMC-Technologien nachzubilden oder ob es sich um Hardware handelte, die Chipdesigner Sophgo bei TSMC bestellt habe, die dann über diesem Wege in den Huawei-Chips gelandet ist. Man nahm zumindest an, die TSMC-Technologie könnte über Strohleute ins Land geschmuggelt worden sein. Letzteres ist niemals von der Hand zu weisen, denke man mal an kreative KI-Chip-„Schmuggelrouten“ über Indien nach Russland und Belarus.

Für TSMC jedoch ist die ganze Sache unangenehm, denn dem Unternehmen ist laut US-Handelsrestriktionen seit September 2020 untersagt, an Huawei zu liefern. Als der Fund der TSMC-Hardware in Huawei-KI-Beschleunigern bekannt geworden ist, haben beide Unternehmen jegliche aktuelle Handelsbeziehungen bestritten.

Strafzahlungen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar drohen

Im April 2025 meldete Reuters, dass das US-Handelsministerium wegen des Vorfalls tatsächlich gegen TSMC ermittelt. Die Reporter von Reuters beriefen sich mit dem Bericht auf zwei Insider, die verlauten ließen, dass TSMC Strafzahlungen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar oder mehr drohten. Ein offizielles Verfahren oder Bußgeldbescheid wurde bislang nicht veröffentlicht.

„TSMC hat in den vergangenen Jahren fast drei Millionen Chips hergestellt, die dem von Sophgo bestellten Design entsprachen und wahrscheinlich bei Huawei gelandet sind“, zitiert Reuters den Forscher Lennart Heim vom RAND Technology and Security and Policy Centre, der die chinesischen Entwicklungen im KI-Bereich verfolgt. (sb)

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