Chinesischer Smartphonemarkt Huawei überholt Apple: Mate XT stiehlt dem iPhone 16 die Show

Von Henrik Bork 5 min Lesedauer

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Chinesen lieben chinesische Technologie. So lassen sich die aktuellen Verkaufszahlen von Smartphones zusammenfassen. Während das iPhone 16 mit Rabatt verkauft wird, kommt Huwaei mit der Produktion seines faltbaren Flaggschiffs Mate XT nicht hinterher.

Das dreifach faltbare Smartphone Mate XT von Huawei verkauft sich auf dem chinesischen Markt besser als das aktuelle iPhone 16 von Apple.(Bild:  Huawei)
Das dreifach faltbare Smartphone Mate XT von Huawei verkauft sich auf dem chinesischen Markt besser als das aktuelle iPhone 16 von Apple.
(Bild: Huawei)

Ein doppelt faltbares Smartphone von Huawei hat dem neuen iPhone die Show gestohlen. Das „Huawei Mate XT“ ist das weltweit erste Handy eines großen Herstellers, das sich von rechts und links, also doppelt, aufklappen lässt. In China war es kurz nach der Markteinführung vorübergehend ausverkauft, während das neue iPhone 16 mit Rabatten angeboten wurde.

Die beiden neuen Spitzenmodelle von Apple und Huawei kamen am vergangenen Freitag gleichzeitig auf den Markt. Doch während das iPhone 16 von Apple bereits in den Tagen zuvor von chinesischen Händlern mit Rabatten verkauft wurde, boten begeisterte Kunden für das Mate XT von Huawei mit seinem dreiteiligen Display ein Vielfaches des offiziellen Preises, um möglichst schnell in den Besitz des neuen Modells zu kommen.

Smartphone von Huawei schnell ausverkauft

Ecommerce-Plattformen in der Volksrepublik hätten „Preisnachlasse von bis zu 11 Prozent für das neueste Smartphone von Apple“ angeboten, berichtete die South China Morning Post. Huawei habe Apple diesmal „am Markt die Schau gestohlen“, schrieb die Zeitung aus Hongkong. „Sobald das Huawei Mate XT auf den Markt kam war es sofort wieder ausverkauft,“ berichtete der staatliche chinesische Radiosender CNR. Mehr als sechs Millionen Kunden hatten es bereits vorbestellt, als es am 7. September in den Vorverkauf ging, so der Radiosender.

Huawei setzt damit sein beeindruckendes Comeback als Handy-Hersteller fort, das bereits im August vergangenen Jahres mit seinem Modell „Mate 60 Pro“ begonnen hatte. Das war mit einem von dem chinesischen Technologie-Unternehmen selbst entwickelten Chip aus der Serie Kirin 9000 ausgerüstet, der 5G-Konnektivität erlaubt.

Schon dieser Launch hatte bei Marktbeobachtern weltweit einiges Aufsehen erregt, weil Huaweis Geschäft mit Smartphones zuvor unter den Chip-Boykotten aus den USA gelitten hatte. Washington verbietet den Verkauf leistungsfähiger Halbleiter aus US-Produktion an Huawei.

Huwaei ist ohne US-Halbleiter erfolgreich

Huawei-Gründer Ren Zhengfei soll vor zwei Jahren in internen Sitzungen davon gesprochen haben, es gehe für sein Unternehmen „ums Überleben“. Diese Phase ist nun endgültig wieder vorbei. Stattdessen hat sich Huawei im Endkundengeschäft mit Smartphones innerhalb kurzer Zeit zu einem gefährlichen Konkurrenten von Apple entwickelt – ganz ohne Halbleiter „Made in USA“.

Das neue, faltbare Huawei Mate XT sieht auf den ersten Blick ähnlich aus wie ein marktübliches Smartphone. Doch es lässt sich von links und rechts aufklappen und hat dann eine Bildschirmgröße von 25,9 Zentimetern (10,2 Zoll) vergleichbar dem jüngsten iPad-Modell von Apple (10,9 Zoll). Dabei ist es nur 3,6 Millimeter dick. Chinesische Huawei-Fans standen am Tag des offiziellen Verkaufs-Starts vor den Läden des Herstellers in China Schlange. Solche Szenen hatten sich noch vor wenigen Jahren nur vor den Apple Stores in China abgespielt.

Preise bis über 3.000 Euro für Huawei-Smartphone

Das neue Smartphone verkaufte sich sofort sehr gut, obwohl es von Huawei mit stattlichen Preisen deutlich im oberen Marktsegment positioniert worden ist. Chinesische Käufer seien besonders empfänglich für neues, innovatives Design, schrieben mehrere Analysten. Das aktuelle iPhone habe in diesem Wettbewerb gegenüber dem neuen Mate diesmal klar verloren, heißt es in direkten Vergleichen.

Die 16-GByte-plus-256-GByte-Version des Huawei Mate XT kostet 19.999 Yuan (rund 2.540 Euro), die Version mit 512 GByte kostet 21.999 Yuan (rund 2.790 Euro) und schließlich die Version mit 16 GByte + 1TByte RAM wird für 23.999 Yuan (rund 3.050 Euro) verkauft. Das ist in China ein stolzer Preis, wo ein Smartphone sonst so etwa 2.000 Yuan (etwas mehr als 250 Euro) kostet.

Alle Erwartungen wurden übertroffen

Die Verkäufe hätten dennoch „die Erwartungen übertroffen“, zitierte der Radiosender CNR Yu Chengdong, einen Spitzenmanager von Huawei. Man werde jetzt „alles geben und Überstunden machen, um die Produktionskapazität auszuweiten”. Der neuartige, faltbare Bildschirm wird zwar nicht sofort alle Handynutzer überzeugen, auch unabhängig vom Preis des Telefons. Gerade einmal 3,6 Prozent aller in China in der ersten Hälfte dieses Jahres verkauften Smartphones hatten einen faltbaren Bildschirm, nachdem schon mehrere kleinere Hersteller mit faltbaren Designs experimentiert hatten, zeigen Zahlen des Marktforschungs-Instituts CINNO Research.

Doch die 4,98 Mio. Einheiten mit faltbaren Bildschirmen, die von Januar bis Juli 2024 in China verkauft worden sind, hatten bereits ein Wachstum von 121 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet. Und Huawei hat nun innerhalb weniger Tage noch einmal so viele Smartphones mit „Ziehharmonika-Bildschirm“ verkauft wie alle anderen Hersteller zusammen im ersten Halbjahr 2024.

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Chinesen kaufen chinesische Technik

Bis 2028 prognostiziert IDC ein Wachstum des Marktes für faltbare Handys in China von derzeit zehn auf mehr als 17 Mio. Einheiten voraus. Auch wenn die verkauften Stückzahlen dieser sogenannten Foldables vorerst nicht an die von konventionellen Smartphones heranreichen, sind solche Zuwachsraten Musik in den Ohren der Anleger an der Börse. Diese Dynamik wirkt nun zugunsten von Huawei, während der Aktienkurs von Apple nach seinem jüngsten iPhone-Launch gesunken ist. Mit dazu beigetragen haben außer dem Fehlen von wirklich bahnbrechenden neuen Details beim neuen iPhone 16 auch das seit Monaten zu beobachtende Einbrechen der Verkaufszahlen von Apple-Handys in China, einem seiner wichtigsten Auslandsmärkte.

In den jüngsten Quartals-Vergleichen ist Apple erstmals aus den Top 5 der Herstellern mit den meisten Smartphone-Verkäufen in China herausgefallen. Das Unternehmen aus Kalifornien fand sich nur noch auf Platz 6 wieder, während alle fünf Spitzenplätze neuerdings von chinesischen Herstellern eingenommen werden, zeigen Statistiken von IDC – von Vivo, Huawei, Oppo, Honor und Xiaomi – und zwar in dieser Reihenfolge.

Der in China ohnehin wachsende Nationalstolz spielt dabei eine gewisse Rolle, seit die USA China und insbesondere Huawei direkt mit ihren Halbleiter-Boykotten angegriffen haben. Vor allem gut verdienende Chinesen tauschen immer häufiger ihr iPhone gegen ein Smartphone von Huawei ein, um demonstrativ ihre patriotische Gesinnung zu Schau zu stellen. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Huawei sei nun auch „führend in puncto faltbarer Technologie”, zitierte das Fortune-Magazin den IDC-Analysten Will Wong. Die Chinesen seien momentan einfach innovativer als Apple, denken viele Beobachter. „Marken wie Xiaomi, Huawei und Honor verschlingen Marktanteile von Apple in China,“ schreibt auch das Fortune-Magazin. (heh)

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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