Krisenmanagement bei ZF Bis Ende 2028 werden bei ZF mindestens 11.000 Mitarbeiter gehen

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Der große Durchbruch der Elektromobilität im Individualverkehr lässt weiterhin auf sich warten. Das macht sich auch in den Zukunftsplänen von Autozulieferer ZF Friedrichshafen bemerkbar. Das Unternehmen soll umstrukturiert, Standorte sollen konsolidiert werden. Auf dem Spiel stehen bis Ende 2028 11.000 bis 14.000 Arbeitsplätze.

Die Verantwortlichen von ZF haben die Umstrukturierungsmaßnahmen für die kommenden Jahre konkretisiert.(Bild:  ZF)
Die Verantwortlichen von ZF haben die Umstrukturierungsmaßnahmen für die kommenden Jahre konkretisiert.
(Bild: ZF)

Die Elektromobilität im Individualverkehr gilt hierzulande als einer der Bausteine für einen erfolgreichen Klimawandel. In dessen Rahmen soll unter anderem der CO₂-Ausstoß eingeschränkt werden, um die Erderwärmung in Schach zu halten. Der große Durchbruch der E-Autos im Straßenverkehr lässt allerdings weiter auf sich warten - und das bringt Unternehmen, die sich früh auf den Erfolg der Zukunftstechnologie verlassen haben, in eine unangenehme Lage. Sowohl bei den Herstellern von Akkus für E-Autos als auch bei den Autozulieferern stellt sich eine gewisse Ernüchterung ein. Zulieferer Continental etwa geriet in die Schlagzeilen, weil auch im Automotive-Bereich stark gespart werden muss.

Bei ZF Friedrichshafen sieht es nicht anders aus. Bereits aus dem Betriebsrat des Unternehmens kamen in den vergangenen Wochen Informationen, dass man in den kommenden Jahren zwischen 12.000 und 18.000 Stellen einsparen wolle. Die Bestätigung von offizieller Seite, die am 26. Juli 2024 veröffentlicht wurde, fällt da nicht ganz so dramatisch aus. Die Rede ist von 11.000 bis 14.000 Beschäftigten, die bis Ende 2028 in Deutschland keinen Job mehr bei ZF haben werden.

Natürlich soll das weitestgehend sozialverträglich umgesetzt werden, wie ZF mitteilt: „Die Reduzierung soll soweit möglich sozialverträglich geschehen, indem ZF die demografische Struktur der Belegschaft und die Fluktuation nutzt. Dies soll beispielsweise über umfangreiche Altersteilzeitangebote geschehen; auch Abfindungsprogramme sind denkbar. Ein noch höherer Automatisierungsgrad und die konsequente Nutzung der Digitalisierung sollen ebenfalls zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen.“ Wie bei vielen anderen deutschen Unternehmen bedeutet das auch in diesem Fall, dass Stellen, die frei werden, vornehmlich nicht neu besetzt werden. Damit würde sich die Mitarbeiterzahl bei ZF in Deutschland bis Ende 2028 von aktuell rund 54.000 auf mindestens 43.000, wenn nicht gar 40.000, reduzieren.

Standortkonsolidierungen für schlankere Strukturen

Dass der Antreiber hinter den Plänen der Umstrukturierung insbesondere die Aussichten auf dem Markt der Elektromobilität stecken, erklären die Verantwortlichen von ZF deutlich. Die Unternehmensinvestitionen sollen sich im Rahmen der Leitidee „Stärken stärken“ auf die Bereiche Nutzfahrzeugtechnik, Chassis Solutions, Industrietechnik und Aftermarket konzentrieren. Um die Unternehmensstruktur effizienter aufzustellen, werden deswegen deutsche Standorte zu Verbünden zusammengeführt. Diese Strategie lässt erahnen, dass auch die Verwaltung verschlankt wird. „Ein besonderer Fokus der Neustrukturierung liegt angesichts des hohen Wettbewerbs- und Kostendrucks und der schwachen Marktentwicklung für E-Autos auf der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien“, erklären die Verantwortlichen.

Im Rahmen der Standortkonsolidierungen kann es demnach auch zu Restrukturierungen oder Schließungen kommen. Das wird daran gemessen, ob sich für einen Standort langfristige Perspektiven oder eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit finden lässt oder nicht.

Hoffnungen für E-Mobilität

Dass sich der Markt für Autobauer und Zulieferer in einer schwierigen Lage befindet, erkennen freilich auch die Leute von ZF. Denn mit Produktionskapazitäten hinsichtlich der E-Mobilität wird in die Zukunft investiert, während Antriebstechnologien für konventionelle und Hybridfahrzeuge künftig weniger häufig gefragt sein werden. Nachfolgend die Erklärung des ZF-Vorstandsvorsitzenden Dr. Holger Klein.

„Trotz der aktuellen Marktsituation ist klar: Der Elektromobilität gehört die Zukunft. Wir sind hier in Vorleistung gegangen und werden in diesen Bereich auch weiterhin stark investieren.“ Die veränderte Marktperspektive und der hohe Wettbewerbsdruck für elektrifizierte Antriebstechnologien erfordern jedoch auch die Offenheit für Kooperationen und starke Partnerschaften. „Zusätzlich zu unserem eigenen Engagement – weiter in der E-Mobilität vorankommen – gilt es auch diese Optionen zu prüfen.“

„Der Ernst der Lage verlangt nach entschiedenem Handeln, um das Unternehmen an das verschärfte Markt- und Wettbewerbsumfeld anzupassen und dem Stiftungsauftrag der Zukunftssicherung nachzukommen. Den robusten Kern von ZF wollen wir weiter stärken. Auch deshalb arbeiten wir an einer agileren Aufstellung des Unternehmens, um besser auf die schnellen Marktveränderungen reagieren zu können. Mit den nun beschlossenen Maßnahmen wollen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken und unsere Position als eines der weltweit führenden Zulieferunternehmen festigen.“ (sb)

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