Ein mittelständisches Familienunternehmen aus Donauwörth zeigt, wie Kundennähe, Nachhaltigkeit und technischer Fortschritt Hand in Hand gehen – und stellt zugleich die Weichen für die nächste Unternehmergeneration.
Geschäftsführer Markus Bicker (re.) wird künftig von seinem Sohn Tom unterstützt, der bereits wesentliche Aufgaben in Personal- und Materialwirtschaft übernimmt.
(Bild: Bicker Elektronik GmbH)
Was vor knapp 30 Jahren im Keller eines Elternhauses begann, hat sich zu einem Familienunternehmen entwickelt, das mit seinen Stromversorgungslösungen Maßstäbe setzt. Rund 50 Mitarbeiter sorgen heute bei Bicker Elektronik GmbH in Donauwörth dafür, dass Nachhaltigkeit nicht nur auf der Website steht, sondern in der Produktion gelebt wird. Kundenspezifische Entwicklungen, regionale Wertschöpfung und eine Innovationskultur, die ohne abgehobene Ideologien auskommt – so schreibt man Erfolgsgeschichten.
Im Jahr 2022 wurde die Geschäftsführung erweitert: Geschäftsführer Markus Bicker (MB) wird künftig von Tom Bicker (TB) verstärkt, der bereits wesentliche Aufgaben in Personal- und Materialwirtschaft übernimmt und damit Schritt für Schritt auf den Generationswechsel hinarbeitet. Im Gespräch erläutern die beiden, wie sie globale Herausforderungen meistern, warum Nachhaltigkeit im Zentrum ihrer Strategie steht und weshalb ihnen eine lebendige Innovationskultur wichtiger ist als kurzfristige Profitmaximierung.
Markus Bicker wagte vor drei Jahrzehnten den Sprung ins kalte Wasser und gründete die Bicker Elektronik GmbH. Seine Erfahrungen in einem englischen Unternehmen halfen ihm, ein eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln. Heute ist Bicker Elektronik ein angesehener Anbieter von Stromversorgungslösungen, unterbrechungsfreien Stromversorgungen (USV) und DC/DC-Netzteilen.
Ein entscheidender Wendepunkt kam 2012 mit dem Umzug in ein modernes Firmengebäude, das später um eine Halle für Entwicklung und Fertigung erweitert wurde – ein klares Bekenntnis zur Weiterentwicklung am Standort Donauwörth. 2019 wagte das Unternehmen mit einem Onlineshop den Schritt ins internationale Geschäft, wodurch Produkte nun weltweit Abnehmer finden.
(Bild: Bicker Elektronik GmbH)
Nachhaltigkeit als Erfolgsfaktor
„Nachhaltigkeit zieht sich durch alle Entwicklungsprozesse“, betont Tom Bicker. So werden digitale Simulationen intensiv genutzt, um den Material- und Energieaufwand bei Prototypen zu reduzieren. Lokale Partner spielen eine ebenso wichtige Rolle: Kurze Transportwege, effiziente Fertigungsprozesse und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen sind dem Unternehmen ein echtes Anliegen.
„Wir achten darauf, möglichst wenig Kunststoffe einzusetzen, setzen auf Photovoltaik und energieeffiziente Gebäude“, ergänzt Markus Bicker. Nachhaltigkeit endet für ihn nicht bei der eigenen Stromrechnung: Produkte mit hohem Wirkungsgrad bedeuten weniger Primärenergieverbrauch beim Kunden und somit einen positiven Beitrag zum Klimaschutz.
Interview: Technologietrends, Lieferketten und Unternehmenskultur
ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Bicker, welche technologischen Entwicklungen sind bei Bicker Elektronik derzeit wegweisend?
Markus Bicker (MB): Unser wachsendes Team aus jungen, innovativen Ingenieuren arbeitet intensiv daran, Lösungen im Bereich der Stromversorgung zu schaffen – insbesondere bei DC/DC-Netzteilen und unterbrechungsfreien Stromversorgungen. Wir haben uns ein umfassendes Know-how in der Speichertechnologie angeeignet, etwa bei Superkondensatoren oder Lithium-Eisenphosphat-Zellen. Das verschafft uns einen klaren Wettbewerbsvorteil.“
(Bild: Bicker Elektronik GmbH)
Wie integrieren Sie Nachhaltigkeit konkret in Ihre Prozesse?
Tom Bicker (TB): Wir nutzen Simulationen, um Ressourcen zu schonen, und fertigen zunächst kleinere Serien, die wir akribisch testen, bevor wir in die Großserienfertigung gehen. Das spart Material, Energie und vermeidet teure Rückrufe. Außerdem arbeiten wir, wo immer möglich, mit regionalen Partnern zusammen – das stärkt die regionale Wertschöpfung und reduziert Transportwege.
MB: Hinzu kommt, dass wir bei allen Produkten auf einen hohen Wirkungsgrad achten. Jedes Watt, das wir einsparen, bedeutet weniger Primärenergieverbrauch beim Endkunden.
Die globale Lieferkettenkrise ist derzeit ein Dauerthema. Wie gehen Sie damit um?
MB: Wir haben erkannt, dass wir eine strategische Reserve anlegen müssen. Früher waren Lieferzeiten relativ zuverlässig, heute können bestimmte Bauteile über ein Jahr nicht verfügbar sein. Durch unsere Vorräte sind wir relativ unabhängig geworden. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Lieferketten geografisch zu diversifizieren und uns stärker in Europa zu verankern.
Stand: 08.12.2025
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TB: Die geopolitischen Spannungen erhöhen auch den Kommunikationsaufwand. Kunden wollen genau wissen, woher unsere Materialien stammen – wir sind da sehr transparent und setzen auf strenge Kontrollen bei den Vorlieferanten. Zugleich prüfen wir verstärkt Alternativen, um nicht zu sehr von asiatischen Lieferanten abhängig zu sein.
Ist die Globalisierung Ihrer Meinung nach in der Elektronikindustrie an ein Ende gekommen?
MB: Nein, das glaube ich nicht. Wir beziehen Komponenten aus aller Welt, weil es oft nur dort die entsprechende Spezialisierung gibt. Allerdings überdenken wir derzeit die Abhängigkeit von einzelnen Regionen. Eine gewisse Redundanz in der Lieferkette ist essenziell. Wir arbeiten also mit mehreren Partnern und prüfen, wo wir Vorräte anlegen können, um auf Engpässe reagieren zu können.
TB: Manche Regionen – insbesondere in Asien – haben sich auf bestimmte Technologien spezialisiert, das kann man nicht einfach ersetzen. Die Globalisierung bleibt ein Schlüsselfaktor, solange die Versorgung sichergestellt ist. Unser Ziel ist es jedoch, so viele wichtige Bauteile wie möglich in Europa zu sourcen, um unsere Flexibilität zu erhöhen.
Wie steht es um Automatisierung und Digitalisierung in Ihrer Produktion?
(Bild: Bicker Elektronik GmbH)
TB: Wir stellen gerade unser Warenwirtschaftssystem um, damit wir jederzeit nachvollziehen können, wo sich welche Komponente im Prozess befindet. Barcodes und QR-Codes ermöglichen eine lückenlose Rückverfolgung. Dadurch wird nicht nur die Qualitätssicherung schneller und präziser, auch die Durchlaufzeiten können wir verkürzen. Das ist ein Gewinn für uns und unsere Kunden.
Innovation lebt von Kooperationen. Wie gestaltet sich das bei Bicker Elektronik?
MB: Unsere Entwicklungsabteilung arbeitet eng mit der Hochschule Augsburg zusammen. Studenten können hier Bachelor- und Masterarbeiten schreiben, was beiden Seiten frische Impulse liefert. Bei den Vorlieferanten pflegen wir partnerschaftliche Beziehungen. Gemeinsam erarbeiten wir Lasten- und Pflichtenhefte und entwickeln maßgeschneiderte Lösungen für unsere Kunden.
TB: Auch intern sorgen wir für eine offene, kreative Atmosphäre. Junge Ingenieure haben viel Freiraum, um Ideen zu entwickeln und Fehler machen zu dürfen. Daraus lernen wir und können Prototypen schnell anpassen.
Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig. Wie schaffen Sie es, Nachwuchstalente zu gewinnen?
(Bild: Bicker Elektronik GmbH)
MB: Wir bieten eine moderne Unternehmenskultur, die stark sozial geprägt ist. Unsere Mitarbeiter übernehmen Verantwortung in unterschiedlichen Bereichen und sind nicht auf eine Nische beschränkt. Das ist für viele hochattraktiv. Außerdem organisieren wir soziale Events und fördern den Austausch zwischen allen Abteilungen.
TB: Transparenz ist uns wichtig. Bei uns gibt es Schnuppertage, an denen Bewerber das Team und ihren zukünftigen Arbeitsplatz kennenlernen. Diese Vorgehensweise sorgt für eine hohe Zufriedenheit – und eine ebenso hohe Bindung an das Unternehmen.
Wohin soll sich Bicker Elektronik langfristig entwickeln?
TB: Wir möchten uns weiter als Hersteller etablieren und das Portfolio an Eigenentwicklungen ausbauen. In Zukunft wollen wir eigene Kleinserien und langfristig auch größere Fertigungslinien betreiben – das ist allerdings noch ein Stück Arbeit. Aber genau das motiviert uns.
MB: Unser Fokus liegt auf mehr Unabhängigkeit in der Fertigung. Zwar bleiben Handelswaren ein Teil des Geschäfts, doch unsere Eigenentwicklungen bilden das Herzstück. Wir werden Schritt für Schritt in Richtung eigener Produktionslinien gehen, um Qualität und Lieferzeiten noch besser im Griff zu haben.
Generationenwechsel in den Startlöchern
Ein spannender Aspekt bei Bicker Elektronik ist der laufende Generationenwechsel: Während Markus Bicker das Unternehmen einst gründete, rückt sein Sohn Tom in die Führungsrolle nach. „Meine Tochter hat sich für den Medizinbereich entschieden, Tom hingegen hat sich bewusst für das Familienunternehmen entschieden“, erzählt Markus Bicker. Diese Aufgabenteilung wird so lange beibehalten, bis „irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo ich sage: ‚Jetzt ist Schluss für mich.‘“
Dass Vater und Sohn ein gutes Verhältnis pflegen, wird im Gespräch deutlich. Während Markus weiterhin die Bereiche Entwicklung, Marketing und Vertrieb verantwortet, kümmert sich Tom um Personal, Materialwirtschaft und Fertigung. Die Weichen für den vollständigen Generationswechsel sind gestellt.
Die Zukunft des Familienunternehmens
Mit strategischer Lagerhaltung, regionalen Partnerschaften und konsequenter Digitalisierung zeigt Bicker Elektronik, wie man sich in einem komplexen Markt behauptet. Das Unternehmen setzt auf kundenspezifische Entwicklungen, lokale Wertschöpfung und klare Nachhaltigkeitsziele.
Tom Bicker formuliert die Vision: „Unser Ziel ist es, das Portfolio an Eigenentwicklungen auszubauen und langfristig eigene Fertigungslinien zu betreiben. Das ist ein ambitioniertes Vorhaben, aber genau das motiviert uns.“
Markus Bicker fasst zusammen: „Erfolg ist keine Frage der Unternehmensgröße, sondern der Haltung. Mit der nächsten Generation in den Startlöchern blicken wir zuversichtlich in die Zukunft.“ (mbf)