Jetzt ist es raus: Analog Devices hat offiziell die Übernahme von Konkurrent Maxim bestätigt. Das kombinierte Unternehmen hätte aktuell einen Börsenwert von 68 Mrd. US-Dollar – und nähert sich Hauptkonkurrent Texas Instruments an. Im Sommer 2021 soll der Kauf abgeschlossen sein.
Essenziell: Maxim ist besonders stark bei Mixed-Signal- und Power-Management-Komponenten – Produkte, die zum Beispiel im Wearable-Markt immer stärker nachgefragt werden.
(Bild: Maxim Integrated)
So schnell kann es gehen: Erst vor wenigen Wochen stimmte der deutsche Motorsteuerungsspezialist Trinamic einer Übernahme durch Maxim Integrated zu. Nun landet er voraussichtlich bereits unter dem Dach einer neuen Muttergesellschaft: Nach ersten Übernahme-Meldungen am Montagmorgen hat Analog Devices (ADI) mittlerweile bestätigt, Konkurrent Maxim Integrated (Maxim) kaufen zu wollen. Beide Unternehmen hätten eine endgültige Vereinbarung zur Akquise getroffen.
Die Übernahme soll durch eine reine Aktientransaktion in Höhe von ca. 21 Mrd. US-Dollar erfolgen. An der Börse ist Maxim derzeit mit ca. 17 Mrd. US-Dollar notiert, der Kurs zog mit Bekanntwerden der Übernahme um über 18% an. Das kombinierte Unternehmen wird laut ADI basierend auf dem Aktienkurs vom 10. Juli 2020 einen Börsenwert von über 68 Mrd. US-Dollar haben – ausgewiesene Schulden mit eingerechnet. Zum Vergleich: Analog-Gigant Texas Instruments (TI) ist aktuell mit knapp 120 Mrd. US-Dollar bewertet.
Laut Vereinbarung erhalten die Maxim-Aktionäre 0,63 Anteile einer ADI-Stammaktie für jede Aktie der Maxim-Stammaktie, die sie beim Abschluss der Transaktion halten. Gegenüber dem Schlusskurs von Freitag ist das ein Aufschlag von gut 22%. Nach Abschluss der Transaktion werden die derzeitigen ADI-Aktionäre etwa 69% des kombinierten Unternehmens besitzen, die Maxim-Aktionäre etwa 31%. Nach Angaben von ADI soll die Übernahme als steuerfreie Reorganisation für US-Bundeseinkommensteuerzwecke qualifiziert werden.
ADI hat Texas Instruments im Visier
Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten der Akquisition bereits einstimmig zugestimmt. ADI will mit dem Kauf seine Position im Markt der analogen Halbleiter stärken – und deutlich näher an den großen Rivalen TI heranrücken. TI hatte im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von knapp 14,4 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet. Mit einem erwarteten gemeinsamen Umsatz von rund 8,2 Mrd. US-Dollar wären ADI und Maxim immerhin bereits mehr als halb so groß.
Alle drei Unternehmen – ADI, Maxim und TI – sind auf analoge und Embedded-Halbleiter spezialisiert. Analoge Chips wandeln physikalische Ereignisse wie Schall und Druck in elektronische Signale um. Lange lag dieser wichtige Bereich im Schatten der omnipräsenten Digitaltechnik. Doch mit zunehmender Automatisierung von Fabriken, Gebäuden, Autos und vielen anderen Anwendungen ist die Nachfrage nach passenden Halbleiterlösungen massiv gestiegen.
Brückenschlag von der analogen in die digitale Welt
„Unsere Vision ist es, eine Brücke zu schlagen zwischen der physischen und der digitalen Welt“, sagt Vincent Roche, Präsident und CEO von ADI. Die Übernahme von Maxim sei der nächste Schritt, die Vision zu realisieren. Mit dem erweiterten Angebotsspektrum – sowohl an Chips als auch Dienstleistungen – werden ADI in der Lage sein, „vollständigere und wegweisende Lösungen für die komplexesten Problemstellungen unserer Kunden anzubieten.“
Mit dem kombinierten Portfolio will man sich breiter aufstellen und wichtige Schlüsselmärkte der Zukunft noch besser adressieren. Maxims ist stark in den Bereichen Mixed-Signal-Signalverarbeitung und Power-Management-Lösungen. Das Unternehmen ist mit seinen Lösungen gut etabliert bei Automobilherstellern und Anbietern von Rechenzentren. ADI hingegen ist breit in den Märkten Industrie, Kommunikation und Medizintechnik aufgestellt. Laut Roche ergänzen sich die Portfolios beider Unternehmen sehr gut.
„Gemeinsam mit ADI werden wir die Grenzen verschieben von dem, was möglich ist“, schwärmt Tunç Doluca, President und CEO von Maxim Integrated. Beide Unternehmen hätten herausragendes Technologie- und Entwicklungs-Knowhow und starken Innovationsgeist. „Wenn wir zusammenarbeiten, können wir unsere starke Position ausbauen.“ Doluca wird nach Abschluss der Übernahme als einer von zwei Direktoren in den Verwaltungsrat von ADI aufgenommen.
Über 50.000 Produkte, mehr Komplettlösungen
Das gemeinsame Portfolio wird nach Angaben von ADI mit 50.000 Produkten ein breites Spektrum für Anwendungen von Gleichspannung bis 100 GHz, Nanowatt bis Kilowatt sowie vom Sensor bis in die Cloud abdecken. Dies werde das kombinierte Unternehmen in die Lage versetzen, mehr Komplettlösungen anzubieten, mehr als 125.000 Kunden zu bedienen und einen größeren Anteil an einem adressierbaren Gesamtmarkt von 60 Milliarden US-Dollar zu erobern (Quelle: WSTS Semiconductor Forecast for Analog in 2023).
Zusammen verfügen ADI und Maxim über einen Exzellenz-Pool von weltweit mehr als 10.000 Ingenieuren. Die jährlichen Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen belaufen sich nach eigenen Angaben auf etwa 1,5 Mrd. US-Dollar.
Stand: 08.12.2025
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Kostensynergien aus optimierter Halbleiterfertigung
Ein wichtiges Ziel der Übernahme ist es, neben Ertragssteigerungen auch Kosteneinsparungen zu realisieren: ADI erwartet, dass diese Transaktion innerhalb von 18 Monaten nach dem Abschluss zu einem bereinigten Gewinn pro Aktie führen wird. Gleichzeitig erwartet man Kostensynergien in Höhe von 275 Mio. US-Dollar bis zum Ende des zweiten Jahres. Diese sollen sich in erster Linie durch niedrigere Betriebsausgaben und verkaufte Güter ergeben. Zusätzliche Kostensynergien will man aus optimierten Halbleiterfertigungen bis zum Ende des dritten Jahres nach dem Abschluss realisieren.
Das kombinierte Unternehmen wird nach Erwartungen von ADI finanziell stark sein und einen Proforma-Nettoverschuldungsgrad von etwa 1,2x erreichen. Als Basis für diese Annahmen verweist ADI auf die letzten Quartalsergebnisse von Anfang Mai (ADI) beziehungsweise Ende März (Maxim). Schließlich soll die Transaktion bei Abschluss auch noch den Cash-Flow erhöhen.
Im Sommer 2021 soll die Übernahme abgeschlossen sein – sofern alle Genehmigungen seitens der USA und bestimmter nichtamerikanischer Länder erteilt werden. Auch müssen noch die Aktionäre beider Unternehmen zustimmen.