Fachkräfte im Jahr 2040 Babyboomer im Rentenalter: Können wir das schaffen?

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Bis zum Jahr 2040 erreichen mehr als 13 Millionen Erwerbstätige das Rentenalter. Bedeutet: Ab dann fehlt dem Arbeitsmarkt theoretisch fast ein Drittel der derzeitigen Erwerbstätigen. Lässt sich das irgendwie schaffen?

Erwerbstätigenquoten nach Altersgruppen.(Bild:  Destatis)
Erwerbstätigenquoten nach Altersgruppen.
(Bild: Destatis)

Innerhalb der nächsten 15 Jahre, also bis zum Jahr 2040, erreicht die Generation der Babyboomer das Renteneintrittsalter. In der Zeit werden die zahlenmäßig stärksten Jahrgänge in den Ruhestand gehen oder zumindest damit liebäugeln, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt.

In Zahlen sind das, basierend auf dem Mikrozensus 2024, rund 13,4 Millionen Menschen, die bis dahin das gesetzliche Renteneintrittsalter von 67 Jahren überschritten haben werden. „Das entspricht knapp einem Drittel (31 %) aller Erwerbspersonen, die dem Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr zur Verfügung standen“, so das Fazit von Destatis.

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Jüngere Altersgruppen können das nicht abfangen

Den von Destatis analysierten Daten zufolge bleiben die Babyboomer trotz Übergang in den Ruhestand eine der größten Gruppen am Arbeitsmarkt.

  • 60–64 Jahre: 4,4 Millionen Erwerbspersonen, mit einer Erwerbsquote von 68 Prozent.
  • 55–59 Jahre (jüngere Babyboomer): 5,6 Millionen Erwerbspersonen, mit einer Erwerbsquote von 85 Prozent.

Beide Gruppen zusammen bilden die stärkste Altersgruppe am Arbeitsmarkt – rund 10 Millionen Erwerbstätige.

  • 45–54 Jahre: 9,3 Millionen Erwerbspersonen, mit einer Erwerbsquote von 90 Prozent.
  • 35–44 Jahre: 9,8 Millionen Erwerbspersonen, mit einer Erwerbsquote von 89 Prozent.
  • 25–34 Jahre: 9,0 Millionen Erwerbspersonen.
  • Unter 25 Jahre: Deutlich weniger, da sich viele dieser Gruppe noch in Ausbildung befinden.

Lösung: Länger oder wieder arbeiten?

Oft wird darüber diskutiert, dass unser aktuelles Rentenkonzept spätestens mit dem Renteneintritt der Babyboomer nicht mehr aufgehen wird. Ebenfalls problematisch: Wenn Arbeitskräfte schlichtweg fehlen, denn wir sind noch weit davon entfernt, dass die Automatisierung jede menschliche Arbeitskraft ersetzen kann.

Analysen haben gezeigt, dass uns mit Renteneintritt der Babyboomer Busfahrer, Berufskraftfahrer, Fleischwarenverkäufer, Gartenbauer und selbst Arbeitende in der Elektrotechnik ausgehen könnten. Wie soll dann etwa eine Verkehrswende zu mehr ÖPNV gelingen, wenn wir niemanden haben, der den Bus steuert, und wir uns auf autonome Fahrdienste bislang nicht richtig verlassen können oder wollen?

Manch einer glaubt, dass die Reaktivierung älterer Menschen zumindest kurzfristig eine Lösung darstellen kann. Die Erwerbstätigkeit Älterer rückt seit Jahren stärker in den Fokus. Besonders die 55- bis 64-Jährigen haben in den vergangenen zehn Jahren aufgeholt:

  • 55–64 Jahre: 2014 waren 65 Prozent erwerbstätig, 2024 waren es 75 Prozent (+10 Prozent).
  • 25–54 Jahre: 2014 waren 83 Prozent erwerbstätig, 2024 waren es 85 Prozent (+2 Prozent).
  • 15–24 Jahre: 2014 waren 46 Prozent erwerbstätig, 2024 waren es 51 Prozent (+5 Prozent).

Trotz steigender Erwerbstätigkeit Älterer zeigt sich weiterhin ein deutlicher Trend zum vorzeitigen Ruhestand. Die Gründe sind vielfältig – von gesundheitlichen Einschränkungen über versicherungsrechtliche Regelungen bis zum Wunsch nach mehr Freizeit. Während im Jahr 2023 noch 82 Prozent der 58-Jährigen erwerbstätig waren, sank die Quote bei den 60-Jährigen bereits auf 79 Prozent. Ab 62 Jahren verstärkt sich der Rückgang: In diesem Alter gingen noch 70 Prozent einer Erwerbstätigkeit nach, bei den 64-Jährigen lag der Anteil bei 46 Prozent (2014: 33 %). Mit 66 Jahren war die Quote auf 22 Prozent gefallen, mit 68 Jahren sogar auf 16 Prozent.

Wie geht’s denn weiter?

Es gibt ein Aber beim vorzeitigen Ruhestand, denn 2014 lagen die Prozentwerte durchgehend deutlich niedriger. Das bedeutet: Die Erwerbstätigen arbeiten heute im Schnitt länger. Dass sie sich nach mehr Freizeit sehnen, ist nicht verwunderlich. Die meisten Rentner haben schließlich wenigstens 40 Jahre lang gearbeitet. Einen Bürojob mag man verlängern, einen körperlich anstrengenden sicher nicht.

Das Problem bleibt: Der Arbeitskräftemangel wird Deutschland spätestens ab 2040 stark treffen; damit auch die Wirtschaft, die ohne ausreichend Fachkräfte an Innovationskraft und Wachstum verliert. Um gegenzusteuern, braucht es einen Mix an Lösungen, denn das goldene Ticket gibt es nicht.

Ein Baustein wäre gezielte Fachkräftezuwanderung, ermöglicht durch schnellere Visaverfahren, die Anerkennung von Abschlüssen und die aktive Ansprache von Mangelberufen. Gleichzeitig muss das inländische Potenzial besser genutzt werden. Nicht nur muss es für Ältere attraktiv sein, länger im Arbeitsleben zu verbleiben, auch Frauen sollten stärker unterstützt werden, Vollzeit-nahe Jobs aufzunehmen. Teilzeitkräfte sollten leichter ihre Stundenzahlen aufstocken können.

Entscheidend ist die Automatisierung und Qualifizierung: Durch Robotik, KI und effizientere Prozesse lässt sich die Produktivität steigern, während Weiterbildung und Umschulung dafür sorgen, dass Beschäftigte die Kompetenzen für die Arbeitswelt von morgen mitbringen. Keine dieser Maßnahmen reicht allein – doch in Kombination können sie dafür sorgen, dass die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt. (sb)

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