Wollen Unternehmen ihre Lieferkette optimieren, konzentrieren sie sich auf die Automatisierung samt Künstlicher Intelligenz – und vergessen dabei die menschliche Intelligenz.
Blick in Avnets Warenlager: Jede Änderung, die ein Unternehmen an seiner Lieferkette vornimmt, ist mit Risiken verbunden.
(Bild: Avnet)
Jahrelang haben wir uns auf Wirksamkeit, MRP und Kosteneffizienz konzentriert. Auch ist es selbstverständlich, dass alle Unternehmen ein ERP haben, das Aufgaben automatisiert und Bestellungen erstellt. In Anbetracht der Komplexität des Marktes ist es jedoch ein Risiko, sich ausschließlich auf die Automatisierung zu verlassen. Selbst mit der neuesten und besten Technologie sind Automatisierung und Künstliche Intelligenz noch nicht genug ausgereift.
Auch wenn es ungewöhnlich klingen mag, fügen wir bei Avnet Silica über die Konsensplanung immer menschliche Intelligenz in den Mix zurück. Angenommen, ein OEM ändert seine Bestellung, damit ändert sich der Bedarf und unser System nutzt MRP-Parameter (Vorlaufzeit, Bestandsziel, Transportzeiten, usw.), um Änderungen in der Bestellkette vorzuschlagen. Auf der Grundlage dieses automatisierten Systems könnten wir z. B. den Lieferanten informieren, dass wir diese 10.000 Stück nicht diese Woche, sondern erst nächste Woche benötigen.
Unvorhergesehenes überfordert selbst die ausgeklügeltsten Systeme
Für unsere Kunden können die automatischen Prognosen jedoch von Woche zu Woche stark schwanken. Und selbst die ausgeklügeltsten Systeme sind nicht fortschrittlich genug, um zu berücksichtigen, wie die Lieferanten reagieren werden.
Sie können jedoch die Disposition so konfigurieren, dass sie auch Dinge wie die historische Prognosegenauigkeit berücksichtigt. Wenn wir z. B. wissen, dass ein Kunde in der Regel nur etwa 80 Prozent der prognostizierten Menge verbraucht, können wir dies bei unseren Anfragen an den Lieferanten berücksichtigen.
Die Herausforderung ist, dass der Markt im Moment sehr unbeständig ist. Aktuell ist es schwierig, Annahmen und Aussagen für die Zukunft basierend auf die Vergangenheit zu treffen.
Wir müssen andere Faktoren berücksichtigen, bevor wir die Aufträge an die Lieferanten weitergeben. Bevor wir Bestellungen weiterleiten, werden diese entsprechend geprüft, analysiert und gegebenfalls angepasst und begrenzt.
Es kann erhebliche Auswirkungen haben, besonders in der gegenwärtigen Situation, wenn Aufträge storniert werden. Möchte man diese dann später doch wieder platzieren, kann es sein, dass man sich am Ende der Warteschlange wiederfindet. Unser automatisiertes System könnte zwar das Gros dieser Aufgaben selbstständig erledigen, dennoch setzen wir hier auf den menschlichen Faktor, unsere Mitarbeiter:innen, und bringen so den Kontext in den Sachverhalt.
Bedarfsermittlung: ein unverbindlicher Blick in die Zukunft
Die Bedarfsermittlung ist umfassender als ein Bedarfssignal, und lässt sich daher nicht so schnell ausführen, wie ein Kaufauftrag.
Bei einer Bedarfsermittlung gilt es den breiteren Kontext des Kunden in Betracht zu ziehen und Entscheidungen zu treffen, um Voraus planen zu können. Zum Beispiel die Entwicklung eines neuen Produkts: Wenn wir wissen, dass ein Kunde an einem neuen Projekt arbeitet, werden sicherlich auch neue Bauteile notwendig und es wird auch sicherlich einige Prototypenerstellungen geben. Das heißt es gibt eine Sampling-Phase, also eine Erstellung von Prototyp A, dann B, etc.
Das Produkt muss qualifiziert werden. Im Anschluss wird der Kunde eine Vorserienproduktion starten, welche in der Regel mit sehr geringen Stückzahlen läuft. Nehmen wir an, ein Autohersteller möchte nur ein paar Infotainment-Systeme, um sie vor der Serienproduktion ausgiebig zu testen. Wenn alles nach Plan läuft, wird die Produktion dann in der Regel über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren hochgefahren.
Ein Beispiel für die Bedarfsermittlung wäre, dass wir, wenn wir wissen, dass sich der Kunde in der Prototypenphase befindet, evaluieren, wann er von der Vorserie zur Serienproduktion übergehen könnte. Systematisch gesehen wird das über Nacht geschehen. Das bedeutet, dass der Kunde in kürzester Zeit von einer kleinen Anzahl von Teilen auf Hunderttausende umsteigen kann.
Die Nachfragesensierung generiert einen Mehrwert in der Zukunft
Bei der Nachfragesensierung geht es darum, über die üblichen Signale hinaus zu schauen. Wo können wir noch einen Mehrwert schaffen? Wenn wir wissen, dass die Serienproduktion in sechs Monaten ansteht und wir die aktuellen Vorlaufzeiten kennen, können wir damit beginnen, das Angebot vorzubereiten, um auf diese Weise sicherzustellen, dass unsere Kunden die benötigten Teile erhalten.
Stand: 08.12.2025
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Einer der Gründe, warum es 'Sensing' genannt wird, ist, dass es ein riskantes Spiel ist. Denn der Kunde könnte den Prototyp C fertigstellen und ein Qualitätsproblem haben, was das Projekt zum Scheitern bringen könnte. Hier können beispielsweise Gespräche mit den Ingenieurteams beim Kunden und Hersteller helfen, um entsprechende Erfolgschancen zu messen.
Und in manchen Fällen braucht der Zulieferer uns, um eine Pipeline zu füllen, damit er sich die Kapazitäten seiner Zulieferer für diese Projekte sichern kann. Wir können als Distributor auftreten und entsprechende Bedarfe vormerken.
Eine erfolgreiche Lieferkette eint automatisierte Systeme und den Menschen
Natürlich ist die Automatisierung in unserer Welt wichtig. Aber leider ist das derzeitige Umfeld instabil. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein plötzlicher und starker Anstieg oder Rückgang der Aufträge zu verzeichnen ist, nur um in der darauf folgenden Woche wieder zu steigen. Und wenn Kunden ihre Aufträge zurückgehen lassen, möchten sie sich nicht am Ende einer langen Warteschlange wiederfinden. Es gilt daher: Wenn man sich nur auf automatisierte Prozesse verlässt, kann es gegebenenfalls die Sicherstellung, dass die Ware verfügbar ist, beeinträchtigen. Die Automatisierungstechnologie ist noch nicht so weit. Bis dahin empfehlen wir Kunden dringend, ihre automatisierten Systeme durch menschliche Intelligenz zu ergänzen, um ihre Lieferkette zu optimieren.
Wir wissen, dass jede Änderung, die ein Unternehmen an seiner Lieferkette vornimmt, mit Risiken verbunden ist. Und wir wissen, dass es keine Einheitslösung für alle gibt. Sollten Sie jedoch fachkundige Unterstützung bei Ihren Herausforderungen rund um die Lieferkette benötigen, hilft Ihnen Avnet Silica gerne weiter. (MK)
* * Mathew Ransom ist Director Supply Chain Programs bei Avnet EMEA