Meilensteine der Elektronik

Aus einem Waschsalon zu einem Technologieführer

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Verbesserte Messpräzision bei der Serie 9400

Kurze Zeit später kam das Modell 9430 mit echten 10-Bit A/D-Wandlern dazu, was die Messpräzision nochmals deutlich erhöhte. In der 9400-Serie kamen erstmals SMART-Trigger zum Einsatz, die die Erzeugung eines Triggers zusätzlichen Qualifikationen unterwarfen und verschiedene Bedingungen zum Triggern auf Störspitzen, Intervalle, abnorme Signale, TV-Signale, status- oder flankenabhängige Ereignisse, Dropouts und Muster boten. Wer solche Geräte verkaufen will, muss seine Kunden gut kennen. Anfangs war der Kundenstamm sehr überschaubar. Es handelte sich meist um Universitäten und Hochschulen, die Physik lehrten oder Forschungslabore.

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Die 46 Verkäufer bei LeCroy mussten sich an ihre Kunden anpassen: Ein sehr mühseliges Geschäft, was so auf Dauer nicht funktionieren konnte, denn Geschäfte müssen in einem schnelleren Tempo erledigt werden. Mit Hilfe von Verkaufstrainings sollten die Verkäufer nicht nur vorbereitet, sondern auch motiviert werden. Das stieß allerdings nicht immer auf Verständnis und einige verließen das Unternehmen. Zwar lag weiterhin der Fokus auf dem Ingenieur als Anwender der hochkomplexen Messtechnik, doch konzentrierten sich die Verkäufer von LeCroy auch auf die Entscheider und Einkäufer in den jeweiligen Bildungseinrichtungen oder Firmen und Instituten. Heute kann die Firma mit Stolz berichten, dass viele Vertriebsmitarbeiter schon seit mehr als 20 Jahre bei der Firma aktiv sind und die Kunden sehr gut kennen.

Der Kampf mit den Etablierten in der Messtechnik

Hinzu kam ein weiteres Problem: LeCroy war bisher noch nicht gleichermaßen am Markt etabliert wie beispielsweise Hewlett-Packard oder Tektronix. Einfach nur ein leistungsstarkes Produkt zu verkaufen reichte allein nicht aus. 1985 erzielte LeCroy mit seinen Oszilloskopen einen Umsatz von 20 Mio. US-Dollar. Fünf Jahre später kletterte der Jahresumsatz auf 55 Mio. US-Dollar. Mit dieser Marke tauchte ein relativ kleiner Messgerätehersteller wie LeCroy auf den Radarschirmen der großen Konkurrenz auf. Bis zum Jahresende 1993 machten die digitalen Oszilloskope einen Anteil von 70 Prozent an den Unternehmenserlösen aus. Gleichzeitig sank der Anteil und die Bedeutung der Messinstrumente für die Hochenergie-Physik.

Erste modulare Modellreihe 7200 im Jahr 1989

Doch schauen wir noch einmal zurück und auf eine Produktfamilie, die für den Erfolg von LeCroy nicht unerheblich war. Im Jahr 1989 kam die erste modulare Modellreihe 7200 auf den Markt mit einer Bandbreite von 400 MHz bei einer Abtastrate von 1 GS/s. Der 7200 war bereits mit einer Festplatte und extrem schneller und umfassender Signalanalyse ausgerüstet. Eine wesentliche Neuerung bei dieser Oszilloskop-Geräteklasse waren die verbauten IC-Bausteine und die verwendete Dickschicht-Hybridtechnik. Bei letzterer verwendet der Hersteller sowohl integrierte als auch diskrete Bauelemente. Die HSH610-Bausteine sind für die Sample-Hold-Funktion zuständig. Ziel von LeCroy war es, ein kompaktes Gerätedesign zu ermöglichen. Die Widerstände wurden per Siebdruckverfahren auf die Keramik aufgetragen. Dank des kompakten Aufbaus, der für die Messgeschwindigkeit von Bedeutung war, konnte der Hersteller eine gleichmäßige thermische Umgebung garantieren.

1991 wurde mit der Serie 9300 der Nachfolger der 9400 Serie präsentiert, die in den 1990er-Jahren zum Verkaufsschlager wurde und erstmals mit bis zu 8 MByte Speicher und noch umfassenderen Analyseeigenschaften ausgestattet war. Die Modelle 9361 und 9362 setzten hierbei neue Maßstäbe mit der höchsten Abtastrate im Markt von 5 bzw. 10 GS/s. In dieser Serie kam erstmals der „Sequence Mode“ zum Einsatz, noch heute ein Unterscheidungskriterium von Teledyne LeCroy, das viele Vorteile bietet. Hierbei wird der Erfassungsspeicher in Tausende von Segmenten aufgeteilt. Damit können Daten auf allen Kanälen parallel erfasst werden und die Totzeit bei der Erfassung wird minimiert. Der Anwender kann den „Sequence Mode“ mit Triggern kombinieren, auf einzelne Segmente zugreifen und alle Erfassungen sind mit einem Zeitstempel markiert.

Tektronix war nicht nur ein großer Mitbewerber von LeCroy, der den kleineren Oszilloskop-Hersteller wenig Beachtung schenkte. Es kam noch schlimmer: Im Jahr 1992 verklagte Tektronix LeCroy, weil Patente verletzt worden waren. Beide Unternehmen einigten sich schließlich. Durch eine Zahlung von mehreren Millionen US-Dollar konnte LeCroy seine Produkte weiter vermarkten. Um zusätzliches Kapital für die Technologieentwicklung zu generieren, kam LeCroy 1995 an die Börse und wurde am NASDAQ-Markt unter LCRY gehandelt.

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