Automotive Aus 3D wird 4D beim Millimeterwellen-Radar in China

Von Henrik Bork * 3 min Lesedauer

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In China geht der Trend zum 4D-Millimeterwellen-Radar, das neben Entfernung, Geschwindigkeit und Azimut auch die Höhe erkennt. Bringen chinesische Hersteller in der Automobilbranche Tier-1-Zulieferer wie Bosch und ZF in Bedrängnis?

4D-Millimeterwellen-Radartechnologie soll sich wesentlich günstiger als Lidar-Technologie umsetzen lassen. Deswegen stürzt sich der chinesische Markt auf das Thema.(Bild:  AMS Osram)
4D-Millimeterwellen-Radartechnologie soll sich wesentlich günstiger als Lidar-Technologie umsetzen lassen. Deswegen stürzt sich der chinesische Markt auf das Thema.
(Bild: AMS Osram)

Der Trend vom 3D- zum 4D-Millimeterwellen-Radar in China beschleunigt sich. In kurzer Folge haben Autohersteller wie SAIC, BYD, Li Auto und Geely neue Automodelle mit 4D-MW auf den Markt gebracht.

Insgesamt gibt es in China jetzt rund 100 verschiedene 4D-MW-Produkte, die von internationalen Tier-1-Zulieferern oder chinesischen Start-ups produziert werden. Bei einigen Herstellern habe sich der Absatz der Geräte innerhalb eines Jahres um 500 % erhöht, berichtet die chinesische Autozeitung Zhongguo Qiche Bao.

Auch die Vorstellung eines Hochpräzisions-Gerätes dieser Art durch Huawei Qiankun, der „Smart-Car“-Marke des chinesischen Technologiekonzerns, hat kürzlich während der Beijing Autoshow das Interesse an der Technologie neu belebt.

Insgesamt können 3D-MW-Radargeräte die derzeitigen Anforderungen der chinesischen Industrie allerdings noch hinreichend befriedigen, wo autonome Fahrfunktionen der Stufen 1 und 2 gerade zum Standard werden. 4D-MW gilt derzeit noch als eine „nette Zusatzoption“ und ist bisher nicht wirklich im Massenmarkt angekommen – findet jedoch langsam aber sicher immer mehr Anhänger.

Entfernung, Geschwindigkeit, Azimut, Höhe

Während sich der Wettbewerb im chinesischen Automarkt, besonders in dem der E-Mobilität, immer weiter verschärft, werden intelligente Fahrfunktionen und die dafür nötige Sensorik immer mehr zu einem Alleinstellungsmerkmal. Auch sinken die Preise für die 4D-Geräte immer weiter.

Technisch hat die Aufrüstung klare Vorteile. Die vierte, neue Dimension im Vergleich zu 3D ist die Höhenerkennung der Objekte, zusätzlich zu den bisherigen Dimensionen Entfernung, Geschwindigkeit und Azimut. Gleichzeitig erhöht sich bei 4D die Präzision der gesamten Umgebungswahrnehmung.

Besonders bei Dunkelheit und schlechtem Wetter kann ein mit 4D-MW ausgestattetes System Objekte zuverlässiger und schneller erkennen, damit die Sicherheit für Fahrer und Autoinsassen erhöht wird.

„4D-Millimeterwellen-Imaging hat klare Vorteile gegenüber Lidar und die Kosten sind relativ gering“, zitiert die chinesische Autozeitung Lin Sen, einen Experten vom „Guangdong New Energy Vehicle Development and Research Center“.

Geringere Kosten als Lidar

Der letzte Punkt, der mit den Kosten, wird in jüngster Zeit immer wichtiger. Eine Möglichkeit, in dem harten Preiskampf auf dem chinesischen Automarkt zu bestehen, ist die sogenannte „Hardware-Reduktion“.

Ein 4D-MW-Radar kostet nur ungefähr ein Zehntel dessen, was ein Lidar-Gerät kostet. Das macht die Technologie jetzt für immer mehr OEM attraktiver. Momentan kostet ein typisches 4D-MW-Radar um die 1.000 Yuan (rund 130 Euro), berichtet das Fachmedium Bandaoti Chanye Zongheng. Die billigsten Geräte von Start-ups sind ab 690 Yuan zu haben (etwa 90 Euro), während Geräte von Tier-1-Zulieferern wie Continental oder ZF momentan zwischen 1.036 und 1.381 Yuan kosten (134 bis 178 Euro), schreibt das Fachportal. Das ist rund ein Zehntel dessen, was ein typisches Lidar kostet.

Chinas Investition in 4D-MW

In der chinesischen Industrie setzt sich aus all diesen Gründen der Trend großer Investitionen in neue Hersteller von 4D-MW-Radargeräten fort. Vergangenes Jahr haben NIO und Xiaomi gemeinsam mehr als 100 Millionen Yuan (etwa 13 Mio. Euro) in SINPRO investiert.

Hesai Technology hat in das 4D-Start-up Altos Radar investiert. Das Technologie-Unternehmen Baidu hat sich an dem Start-up G-PAL beteiligt. Insgesamt haben innerhalb der vergangenen zwölf Monate ungefähr ein Dutzend Unternehmen in der Volksrepublik neue Investorengelder erhalten, um 4D-MW-Radar-Produkte zu entwickeln.

Einige der umtriebigen chinesischen Start-ups in dem neuen Marktsegment sind WHST, Oculii, Muniu Tech, Chengtai Technology, Zongmu Technology, Xingyidao und das bereits erwähnte SINPRO.

Gemeinsam mit dem neuen Interesse von Huawei in China und auch Mobileye an 4D-MW bedeutet das eine deutlich verstärkte Konkurrenz für die traditionellen Tier-1-Zulieferer wie Bosch, Continental, Aptiv und ZF, die schon früh in diese Technologie investiert haben. (sb)

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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