Medizinische Studie Ärzte warnen vor Bleivergiftung durch Elektro-Recycling
Die Entsorgung und das Recycling von Elektroschrott führen zu einem erhöhten Kontakt mit Blei und anderen Giften. Wer mit den Stoffen in Berührung kommt, trägt diese auch am Körper mit nach Hause und kann dort auch andere Personen belasten.
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Dr. Nick Newman vom Cincinnati-Kinderhospital war zunächst ratlos, als er zwei Kinder im Alter von ein und zwei Jahren untersuchte, deren Bleiwerte im Blut bei 18 bzw. 14 Mikrogramm pro Deziliter lagen. Obwohl es in den USA keine offiziellen Bleigrenzwerte für Kinder gibt, werden schon ab einem Level von 5 Mikrogramm/Deziliter erste Maßnahmen zur Reduzierung eingeleitet.
Zu hohe Bleiwerte belasten das sich noch entwickelnde Nervensystem der Kinder und werden mit Hyperaktivität, Verhaltensstörungen, Lernschwächen und Aufmerksamkeits-Defiziten in Verbindung gebracht. Früher war vor allem Blei in Wandfarben dafür verantwortlich. Heute sind die Quellen vielfältiger, auch elektrische Geräte zählen dazu.
Wie sich herausstellte, arbeitete der Vater der Kinder zu diesem Zeitpunkt in einer Recycling-Firma, wo er alte Kathodenröhren aus Fernsehern und Monitoren entsorgte. Die aus Bleiglas gefertigten Röhren werden beim Recycling komplett zerstört. Bei diesem Vorgang entweichen auch die Giftstoffe.
Nachdem der Vater seinen Job wechselte, sanken auch die Bleiwerte bei den Kindern innerhalb von drei Monaten auf 8,7 bzw. 7,9 Mikrogramm.
Das National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) fand heraus, dass das mit nach Hause tragen von gefährlichen Stoffen ein weit verbreitetes Problem ist.
Nur wenn am (belasteten) Arbeitsplatz folgende Regeln eingehalten werden, lässt sich die Kontaminierung verhindern:
- Beim Verlassen der Arbeitstelle Kleidung und Schuhe wechseln und die Arbeitskleidung am Arbeitsplatz waschen
- Straßenkleidung nicht zusammen mit Arbeitskleidung lagern
- Noch am Arbeitsplatz duschen
- Keine belasteten Dinge aus der Arbeit mit nach Hause nehmen (alte Geräte etc.)
Dr. Newman erklärt, dass es der beste Schutz ist, kontaminierte Kleidung oder Geräte gar nicht erst nach Hause zu bringen, da die normale Haus- oder Wäschereinigung kaum gegen die Giftstoffe wirke. Auch alte E-Geräte sollten entsorgt werden, obwohl in der Regel aus intakten Geräten keine Giftstoffe entweichen.
In den USA wurden in 2013 rund 1.87 Millionen Tonnen an Elektroschrott entsorgt, davon wurden rund 40 Prozent recycelt. In Deutschland lag die Recycling-Quote von Werkstoffen im Jahr 2011 bei rund 45 Prozent.
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