Während der 5G-Ausbau noch nicht flächendeckend abgeschlossen ist, steht Deutschland bereits bei der nächsten Mobilfunkgeneration vor großen Herausforderungen. Es fehlt eine klare Strategie und auch die Investitionsbereitschaft hält sich in Grenzen.
6G: Wie Deutschland den technologischen Vorsprung sichern kann
(Bild: KI-generiert)
War die EU vor 20 Jahren bei der Einführung des Mobilfunkstandards 3G noch führend in Forschung und Entwicklung, sind es heute Nationen wie China und Südkorea oder auch die USA und Japan, die massiv in die 6G-Forschung investieren und eine Vorreiterrolle einnehmen. Vor diesem Hintergrund hat Deutschland als führender Innovations- und Technologiestandort die Chance, eine Schlüsselrolle bei der globalen 6G-Entwicklung einzunehmen und damit den Wirtschaftsstandort langfristig zu stärken.
Meilenstein in der digitalen Vernetzung
6G erweitert die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation durch deutlich höhere Datenraten, geringere Latenzzeiten und eine verbesserte Netzkapazitäten. Damit ermöglicht es, erhebliche Effizienzsteigerungen und innovative Anwendungsfelder zu erschließen, die sogar weit über die Möglichkeiten von 5G Advanced hinausgehen. So verwundert es nicht, dass die weltweite Forschung derzeit auf Hochtouren läuft. Erste Pilotprojekte, Rollouts und die weltweite Standardisierung für das neue Netz sind bereits in den nächsten Jahren zu erwarten.
Während das volle Potenzial von 5G noch nicht ausgeschöpft ist, erschließt die Industrie parallel neue Frequenzbereiche wie Zentimeterwellen und Sub-Terahertz (THz), um die Leistungsfähigkeit des künftigen Netzes zu maximieren. Diese ergänzen die bestehenden Sub-6-GHz- und mmWave-Spektren und erhöhen die Netzkapazität erheblich. Mit dieser zusätzlichen Bandbreite lassen sich Datenraten von bis zu einem Terabit pro Sekunde realisieren: eine Geschwindigkeit, die hundertmal höher liegt als bei 5G. Insbesondere Anwendungen wie das Internet der Dinge, digitale Zwillinge und Quantencomputer profitieren von dieser Entwicklung.
Internationale Gremien, darunter 3GPP und ITU-R, treiben die Standardisierung mit Hochdruck voran, um 6G schnell einsatzfähig zu machen. Gleichzeitig legen Forschungsinitiativen wie die Next G Alliance in den USA und das europäische 6G-Flagship-Programm die Basis für eine globale 6G-Infrastruktur. Auch in Deutschland ist der Fahrplan ambitioniert: Bis 2029 sollen die Regulierungsbehörden die notwendigen Frequenzen vergeben, damit ab 2030 die ersten kommerziellen Netze starten können. Damit der Rollout reibungslos gelingt, müssen Wirtschaft, Politik und Forschung gezielt zusammenarbeiten.
Weichen stellen für den 6G-Rollout
Die Einführung der 6G-Technologie ist eine technologische und wirtschaftliche Herausforderung. Expertinnen und Experten prognostizieren für den globalen 6G-Markt ein Volumen von über einer Billion Dollar bis 2035. Für deutsche Unternehmen eröffnet dies gleichermaßen Chancen und Risiken. Denn auch wenn die Entwicklungskosten hoch sind, bietet ein frühzeitiger Einstieg die Möglichkeit, sich langfristig Wettbewerbsvorteile zu sichern – vor allem in Schlüsselbranchen wie der Automobilindustrie und dem Maschinenbau.
Der Rückblick auf den 5G-Rollout zeigt, wie wichtig ein durchdachtes Kostenmanagement ist: Die Einführung war teurer als erwartet, und die Betriebskosten deutlich höher als bei den 4G-Netzen. Um ähnliche Fallstricke bei 6G zu vermeiden, müssen die Netzbetreiber frühzeitig Strategien entwickeln, die Investitionen und Ertragspotenziale in Einklang bringen. Insbesondere die geringen Margen im B2C-Markt machen es erforderlich, neue Wege zu gehen. Wachstumschancen bieten margenstarke Branchen wie Logistik, Produktion und Telemedizin. Hier ermöglichen softwaregesteuerte, flexible und automatisierte Lösungen eine genaue Anpassung an die branchenspezifischen Anforderungen und steigern gleichzeitig die Profitabilität der Netze.
Zudem wird Nachhaltigkeit zu einem immer wichtigeren Entscheidungskriterium für den Erfolg von 6G: Die Technologie optimiert den Ressourcenverbrauch durch moderne Energieeffizienzkonzepte und intelligente Stromnetze, wobei die Integration erneuerbarer Energien die Nachhaltigkeit der Netzinfrastruktur zusätzlich stärkt. Die Kombination mit erneuerbaren Energien stärkt die Nachhaltigkeit der Netzinfrastruktur. Zukunftsorientierte Mobilfunknetze setzen außerdem auf die Disaggregation des Radio Access Network (RAN), wodurch eine flexiblere, kosteneffiziente und nachhaltige Infrastruktur entsteht.
Warum 6G die Zukunft der Konnektivität ist
Die Entwicklung von 6G weckt großes Interesse – zu Recht. Die Technologie wird die mobile Kommunikation grundlegend verändern und die Leistungsfähigkeit gegenüber 5G deutlich steigern. Besonders in Gebäuden, Produktionsstätten und öffentlichen Einrichtungen wie Stadien oder Einkaufszentren verbessert das neue Netz die Gigabit-Versorgung erheblich.
Stand: 08.12.2025
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Ein zentraler Fortschritt ist die integrierte Erfassung und Kommunikation (Integrated Sensing and Communications, ISAC). Diese Technologie nutzt Funksignale nicht nur zur Datenübertragung, sondern auch zur präzisen Positionsbestimmung – mit deutlich höherer Genauigkeit als heutige GPS-Systeme, vor allem in Innenräumen.
Künstliche Intelligenz (KI) macht 6G-Netze lern- und anpassungsfähig. Selbstoptimierende Netze steigern die Effizienz und setzen in der Industrie 4.0 neue Maßstäbe. Doch 6G bedeutet mehr als schnellere Verbindungen. Deutschland hat eine starke Innovations- und Industrialisierungstradition, die mit 6G neuen Auftrieb erhalten könnte. Die Telekommunikation könnte schwächelnden Branchen wie der Automobilindustrie technologisch neuen Schwung geben – oder sie als treibende Kraft der deutschen Wirtschaft ablösen.
Die digitale Kluft schließen
Konstantinos Pentikousis ist Senior Manager für Mobilnetze und 5G-Campus-Netzwerke bei Detecon. Er unterstützt Unternehmen in den Branchen Telekommunikation, Fertigung, Automobil und Energie dabei, die Digitalisierung und Innovation im 5G-Zeitalter zu beschleunigen. Seit 2020 hat er an mehr als 18 Kundenprojekten mitgewirkt, wobei seine Rollen von der Projektleitung bis zum Fachexperten und Lösungsberater reichten. Er verfügt über eine langjährige technische Erfahrung in Forschung und Entwicklung, Innovation und Standardisierung sowie über umfangreiche Erfahrungen der Softwareentwicklung, sowie Projektmanagement. Kostas hat einen PhD in Informatik und zwei Patente im Bereich der mobilen Netzwerktechnologie. Er ist Mitautor von 7 IETF RFCs und seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurden laut Google Scholar mehr als 5300 Mal zitiert (h-index: 31). Er war als Gutachter für Vorschläge und Projektüberwachung für die Europäische Kommission tätig.
(Bild: Karsten Schilling)
Eine zentrale Herausforderung bleibt die lückenlose Netzabdeckung. 6G wird eine nahtlose Kommunikation zwischen terrestrischen und nicht-terrestrischen Netzen ermöglichen. Die Kombination von Mobilfunkmasten, Satelliten und stratosphärischen Plattformen wird dazu beitragen, auch entlegene Regionen mit schnellem Internet zu versorgen.
Gerade für den ländlichen Raum bedeutet dies eine enorme Verbesserung. 6G könnte die zahlreichen „weißen Flecken" in Deutschland, in denen bisher kaum oder gar kein Mobilfunkempfang möglich ist, endgültig erschließen. Das ist nicht nur ein technologischer Fortschritt, sondern auch ein gesellschaftlicher Meilenstein: Smart-City-Konzepte, digitale Bildungsangebote und innovative Geschäftsmodelle im ländlichen Raum werden dadurch erst möglich.
Deutschland muss jetzt handeln
Das Rennen um 6G hat längst begonnen. Internationale Konkurrenten investieren bereits massiv in die neue Technologie. Auch Deutschland hat jetzt die Chance, seine Position als Technologie- und Wirtschaftsstandort zu stärken. Dies ist wichtiger denn je – nicht nur national, sondern auch für Europa.
Die geopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre und die daraus resultierenden Lieferkettenstörungen zeigen: Europa braucht eine stärkere, unabhängige Wertschöpfung. Als wirtschaftliches Kernland der EU trägt Deutschland hier besondere Verantwortung. Doch um diese Rolle auszufüllen, müssen schnell die richtigen Entscheidungen fallen. (mc)
* Konstantinos Pentikousis ist Senior Manager für Mobilnetze und 5G-Campus-Netzwerke bei Detecon.