Entkoppelt von 6G-Standardisierungsbemühungen westlicher Länder will China mit der nächsten Mobilfunkgeneration hoch hinaus. In mehrfacher Hinsicht: Gerade hat das Land einen 6G-Testsatelliten ins All geschossen.
In rund 500 km Höhe schwebt Chinas 6G-Testsatellit „Xing He Verification Satellite“. Die nächste Mobilfunkgeneration wird voraussichtlich terrestrischen Mobilfunk und Satellitenfunk kombinieren.
Ein neues Wettrennen im Weltall hat begonnen – und diesmal geht es um 6G. China hat Anfang Februar den weltweit ersten 6G-Satelliten ins All geschossen, berichten chinesische Staatsmedien. Das kommunistisch regierte Land untermauert damit seinen Anspruch, bei der nächsten Telekom-Generation genauso in Führung zu gehen wie zuvor bei 5G.
Bei dem „Xing He“ oder auf Englisch „Star Core“ genannten Satelliten des chinesischen Telekommunikationsbetreibers „China Mobile“ handele es sich erst einmal um einen Forschungssatelliten, berichtete der chinesische Staatssender CGTN. Er habe „autonome Architekturen für 6G“ an Bord. Sowohl die Hardware als auch die Software seien in der Volksrepublik selbst entwickelt worden.
Bis zur Kommerzialisierung und weitflächigen Verbreitung der neuen Technologie wird es nach Einschätzung von Experten noch mehrere Jahre dauern. Oft wird das Zieljahr 2033 genannt. Allerdings ist China bekannt dafür, solche High-Tech-Ziele oft schon früher zu erreichen als anfangs erwartet.
50-mal höhere Datenraten als 5G
Die sechste Generation der drahtlosen Kommunikation verspricht Datenübertragungs-Geschwindigkeiten, die 50-mal oder noch weiter über denen von 5G liegen. An der Formulierung von Standards wird sowohl bei der „International Telecommunication Union (ITU)“, aber auch in Chinas Ministerien derzeit noch gearbeitet.
Egal wie die Details am Ende aussehen werden, wird 6G in Zukunft mit Sicherheit wesentlich höhere Bandbreiten, möglicherweise auch eine um den Faktor 10 reduzierte Latenz und Download-Geschwindigkeiten im Bereich „Terabits pro Sekunde“ ermöglichen.
Für eine ganze Reihe von Industrien könnte das 6G-Zeitalter daher disruptive Veränderungen bringen. Beispiele sind die weitflächige Verbreitung des autonomen Fahrens, von Mixed Reality (XR), von Robotern und „Cobots” oder auch von vielen Anwendungen des digitalen und personalisierten Gesundheitswesens.
Digital Twins: 6G-Einsatz in der Fertigungsindustrie
Für China, das mit ehrgeizigen Programmen an der Modernisierung seiner Fertigungsindustrie arbeitet, sind auch die neuen Möglichkeiten für „Digital Twins“ hochinteressant, die 6G verspricht. Mit Hilfe von Sensor-Daten, Künstlicher Intelligenz, Edge-Computing und 6G werden virtuelle Kopien physischer Objekte, Systeme oder Prozesse viel einfacher zu nutzen sein, was wiederum die Entwicklung und Produktion in einer ganzen Reihe von Fertigungsindustrien revolutionieren könnte.
Vor dem Hintergrund der geopolitischen Spannungen zwischen den USA, Europa und China zeichnet sich aufgrund solcher Aussichten gerade eine neues Technologie-Rennen um die Einführung von 6G ab. So haben die USA und eine Reihe von Partnerländern vor wenigen Tagen, am 26. Februar, im Weisen Haus in Washington eine eigene Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung von 6G veröffentlicht.
Westliche Länder entwickeln 6G gemeinsam – ohne China
Gemeinsam mit den Regierungen von Kanada, Australien, Großbritannien, Finnland, Frankreich, Japan, Südkorea, Schweden und der Tschechischen Republik hat Washington eine weitreichende Zusammenarbeit bei 6G vereinbart, „um eine offene, freie, globale, interoperable, verlässliche, resiliente und sicherere Konnektivität“ zu unterstützen, berichtete das Nachrichtenportal Axios. Allerdings ist China nicht Teil dieser „globalen“ Initiative.
Die Erklärung in Washington erfolgte nur wenige Tage nachdem China seinen ersten 6G-Satelliten ins All geschossen hat. „Eine Schlacht um die Beeinflussung der Standards von 6G hat begonnen und der Hintergrund sind Sorgen in westlichen Ländern und ihren Alliierten, autoritäre Regime könnten eine noch größere Kontrolle über das Internet in ihren Ländern erringen“, schreibt Axios.
Telekommunikation kritisches Asset für autoritären Staat
China sehe „die Telekommunikation als zentral für seine geopolitischen und strategischen Ziele an“, schreibt auch der Think-Tank „Center for a New American Security“ in einer Analyse. „China zielt darauf, die Entwicklung und den Rollout der 6G-Infrastruktur zu dominieren, genau wie es das bereits mit 5G getan hat, wo chinesische Firmen 70 Prozent aller Basisstationen der Erde und 80 Prozent aller 5G-vernetzten Geräte unterhalten“, so die US-Experten.
In der Tat hat China sowohl die USA als auch Europa bei der Installation von 5G-Basis-Stationen abgehängt. Bis Ende 2023 sind in der Volksrepublik 3,38 Millionen 5G-Basis-Stationen aufgestellt. Mehr als 800 Millionen Handy-Nutzer haben in China schon 5G – das entspricht rund 90 Prozent der Mobilfunknutzer und somit eine sehr hohe Penetration. Deutschland etwa hat bislang rund 90.000 5G-Basisstationen aufgestellt und viele Nutzer warten bisher vergeblich auf 5G. Nur rund 40 Prozent aller Deutschen haben bislang 5G genutzt, heißt es in einer Umfrage der „Innofact AG” aus dem vergangenen Jahr. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass 4G für die meisten Consumer-Anwendungen völlig ausreicht.
Stand: 08.12.2025
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6G: Kombi aus Satellitenfunk und terrestrischem Funk
Während es sich bei 5G-Netzen um eine terrestrische Technologie handelt, steht bei der Entwicklung von 6G nun die Integration der Satelliten-Kommunikation mit Basisstationen auf der Erde im Mittelpunkt. Auch da hat China seit Februar nun also die Nase vorn.
Peking, das sich von den 6G-Initiativen in den USA und Europa ausgeschlossen sieht, geht lieber eigene Wege. Der gerade gestartete Satellit solle den Einfluss der Teilchenbestrahlung, Vakuum und Ionisation in der niederen Erdumlaufbahn („Low Earth Orbit“ oder LEO) erforschen, berichten chinesische Staatsmedien. Der „Xing He Verification Satellite“ sei in eine Höhe von rund 500 Kilometern im Orbit geschossen worden, hieß es.
Man werde zwar noch Geduld haben müssen, bis die Technologie ausgereift sei, aber China werde ohne Zweifel ein „Early Adopter von 6G“, schreibt auch das Institut „Market Research Future“ aus New York in einer Studie. (me)
* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.