Computer-Geschichte

30 Jahre Acorn Archimedes: Der vergessene Traumcomputer

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Wegweisend bei der 3-D-Grafik

Ein Emulator sorgte dafür, dass Programme, die für den originalen BBC Micro geschrieben worden sind, auch auf dem Archimedes liefen. Das Betriebssystem hieß zunächst Arthur und wurde später in RISC OS umbenannt. Es wird immer noch gepflegt; die aktuelle Version von RISC OS ist zum Beispiel auf dem Raspberry Pi lauffähig, einem fernen Urenkel des ARM Archimedes.

Ein interessantes Detail: Das RISC OS besaß kooperatives Multitasking und erlaubte den Anwendern, mit Hilfe einer Taskleiste zwischen den einzelnen Programmen zu wechseln. Microsoft lizenzierte dieses Konzept für sein Betriebssystem Windows 95.

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Trotz der eindrucksvollen Multimedia-Spezifikationen (hochauflösende Grafik mit 640 mal 512 Pixeln bei 256 Farben, Achtkanal-Stereosound) avancierte der Archimedes zunächst nicht zum Favoriten für die breite Spiele-Gemeinde. Dazu war er zunächst einmal zu teuer. Dazu kam, dass Sprites wie beim Vorgänger hardwareseitig praktisch nicht unterstützt werden.

Dennoch war der Archimedes gerade Bereich der 3-D-Grafik wegweisend. Denn er war einer der ersten Computer aus dem Heimsegment, der in der Lage war, solide animierte 3-D-Objekte darzustellen. Ein erstes Beispiel dafür war im Jahr 1987 das Spiel Zarch von David Braben, einem der Entwickler des legendären Weltraumspiels Elite.

In diesem Spiel flog der Spieler über eine animierte 3-D-Polygonlandschaft und verteidigt diese gegen diverse Eindringlinge aus dem All. Die realistisch simulierte Physik machte es für den Spieler enorm schwierig, das Gefährt unter Kontrolle zu bekommen, da ihm nur eine nach unten weisende Steuerdüse zur Verfügung stand, ähnlich wie bei der Mondlandefähre. Das Spiel wurde später unter dem Namen Virus in vereinfachter Form für die 16-Bit-Rechner der damaligen Zeit umgesetzt.

Als legendär galt auch die Elite-Umsetzung für den Archimedes, die 1991 erschien. Anstelle von 3-D-Objekten, die nur durch ihre Umrisse angedeutet wurden, wartete das Weltraumspiel mit differenzierten und mit Farben ausgefüllten Polygon-Objekten auf.

Trotz der überzeugenden Systemausstattung gelang es Acorn nicht, den Rechner außerhalb Großbritanniens erfolgreich zu vermarkten. Insgesamt wurden zwischen 1987 und Mitte der neunziger Jahre wohl eine halbe Million „Archies“ aller Modellreihen verkauft.

Der A5000, der im September 1991 erschien, wartete sogar mit einem mit 33 Megahertz getakteten ARM3-Prozessor auf. Der 1989 erschienene A3000 (siehe Aufmacherbild) ímitierte die damals populären Tastaturcomputer wie den Amiga 500 oder den Atari ST, erreichte aber nicht deren Verbreitung.

Dennoch war dem Archimedes ein Nachleben wie kaum einer anderen Computing-Plattform jener Jahre vergönnt. Hermann Hauser, ein gebürtiger Wiener und Mitbegründer von Acorn Computers, rief nämlich im Jahr 1990 die Firma Advanced RISC Machines Limited, kurz ARM ins Leben. An dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligten sich neben Acorn auch Apple und VLSI Technologies. Ziel war es, die ARM-RISC-Architektur auch für andere Geräte verfügbar zu machen. Apple war damals daran interessiert, den ARM-Prozessor für den Handheld-Computer Newton zu nutzen. 1993 steckte denn auch im Apple Newton ein mit 20 Megahertz getakteter Prozessor des Typs ARM610.

1998 änderte die Firma ihren Namen schließlich in ARM Holdings. Die für den Acorn Archimedes entwickelte RISC-Architektur steckt heute in Milliarden von Smartphones und Embedded-Geräten.

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