Computer-Geschichte

30 Jahre Acorn Archimedes: Der vergessene Traumcomputer

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Zudem besaß der BBC Micro (anders als beispielsweise der C64) keine Hardware-Unterstützung für Sprites, also bewegliche Grafikobjekte, die über den Bildschirmhintergrund huschen konnten. Die Entwicklung von Computerspielen gestaltete sich also schwieriger als bei der Konkurrenz.

Acorn setzt voll auf RISC

Mitte der achtziger Jahre zeichnete sich allerdings ab, dass die Leistungsfähigkeit der Acht-Bit-Heimcomputer ausgeschöpft war. Die Zukunft lag im 16/32-Bit Prozessor Motorola 68000, den der Apple Macintosh, der Atari ST und der Commodore Amiga verwendeten. Anstatt jedoch ebenfalls einen weiteren 68000er auf den Markt zu bringen, entschied sich Acorn für eine im Nachhinein betrachtet kühne Lösung.

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Für die Nachfolge-Generation des BBC Micro setzte Acorn nämlich auf eine komplett neue Prozessorarchitektur auf Basis der RISC-Technik (Reduced Instruction Set Computer). Das bedeutete zweierlei: Zum einen verfügt der Prozessor über einen reduzierten Befehlssatz, zum zweiten sind diese Prozessorbefehle vergleichsweise einfach zu dekodieren und auszuführen.

Damit trat Acorn einem Trend entgegen, der sich bei der Prozessorentwicklung in den 80-er Jahren immer stärker bemerkbar gemacht hatte: Die Prozessorhersteller verwendeten immer umfangreichere Befehlssätze: Neue Anweisungen kamen hinzu, alte blieben drin. Darüber hinaus wurden die Befehle selbst immer komplexer, da sie mehrere Operationen kombinierten, zum Beispiel eine arithmetische Operation mit einem Speicherzugriff.

Mit der RISC-Architektur ließ sich auch der Prozessor besser auslasten. Denn die vereinfachte Befehlsstruktur ließ es zu, dass idealerweise jeweils eine Anweisung pro Prozessortakt abgearbeitet wurde – im Gegensatz zu komplexeren Befehlen, die zwei oder noch mehr Prozessortakte beanspruchten.

Den ersten Prozessor mit dem Namen Acorn-RISC-Machine (kurz ARM) produzierte Acorn noch als Koprozessor für den BBC Micro, dessen Erweiterungsbus für zahlreiche andere Prozessoren ausgelegt war. So ließ sich der BBC-Rechner zum Beispiel mit dem Zilog-Chip Z80 und dem Betriebssystem CP/M verwenden.

Der zweite ARM-Prozessor wurde dann schon als Herz des Nachfolgers des BBC Micro ausgelegt. Dieser Rechner sollte den Ataris und Amigas nicht nur Paroli bieten, er sollte sie übertreffen.

Im Juni 1987, vor genau 30 Jahren, kam dann die ersten eigenständigen Acorn-RISC-Computer unter dem Namen BBC Archimedes auf den Markt. Die Geräte trugen die Typenbezeichnungen 305, 310, 410 und 440 und unterschieden sich hauptsächlich durch ihre RAM-Ausstattung voneinander.

Das Einstiegsmodell zum Preis von 799 britischen Pfund wartete mit 512 KB Hauptspeicher auf, das Topmodell für knapp 2300 Pfund verfügte über vier Megabyte Hauptspeicher und eine 20-Megabyte-Festplatte.

Schnell zeigten Benchmark-Tests, dass die ARM-Prozessoren über wesentlich mehr Rechenpower verfügen als die vergleichbar getakteten 68000er-Chips aus dem Hause Motorola. Während ein 68000er mit acht Megahertz im 16-Bit-Betrieb auf etwa eine Million Instruktionen pro Sekunde (MIPS) kam und im 32-Bit-Modus etwa eine halbe Million Instruktionen pro Sekunde leistete, erreichte der vollwertige 32-Bitter ARM2 mit acht Megahertz zwischen 4,5 und 4,8 MIPS.

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