Videotelefonie 1980: Bewegte Bilder verursachen den Hype vor Skype

Ein Gastbeitrag von Reinhard Kluger* 2 min Lesedauer

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Als die ersten Bilder in den 1980er-Jahren per Telefon laufen lernten, waren Videokonferenzen nur wenigen vorbehalten. Noch sehr sperrig war das erforderliche Equipment, die Bilder ruckelten und saftig waren die Gebühren. Doch das änderte sich 2003 mit Skype.

Skype war ein kostenloser Dienst für Video- und Sprachanrufe über das Internet, der auch Textnachrichten und Dateiübertragungen ermöglichte. (Bild:  Anthony-X auf Pixabay /  Pixabay)
Skype war ein kostenloser Dienst für Video- und Sprachanrufe über das Internet, der auch Textnachrichten und Dateiübertragungen ermöglichte.
(Bild: Anthony-X auf Pixabay / Pixabay)

In den Zeiten vor Skype galt Videotelefonieren als ganz großes Kino, zelebriert in eigens geschaffenen Räumen, vollgestopft mit voluminösen Kisten und Geräten. Bewegte Bilder übertragen per Telefon hatte Event-Charakter, man traf sich „vor dem Bildschirm", um miteinander zu kommunizieren. Heute klappt man dazu den Laptop auf oder schaut sich per Smartphone an.

Damit das Telefon mehr leisten konnte, als nur Sprache übertragen, musste es sich erst einmal neu erfinden. ISDN hieß in den 1980er-Jahren das Zauberwort: Integrated Service Digital Network ersetzte sukzessive das analoge Fernsprechen, ermöglichte das Übertragen von Sprache, Daten, Bildern oder Texten über ein Netz.

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Die Technik dahinter: Pulsamplitudenmodulation, kurz PAM. Dabei werden die Amplituden der Sprachschwingungen in jeder 1/8000stel Sekunde erfasst und die Werte in 256 verschiedenen Signalfolgen mit 64 kBit/s übertragen.

Lichtwellenleiter statt Koax-Kabel

Die beginnende Digitaltechnik wirkte sich zudem in den Vermittlungsstellen aus. Die bisher analog arbeitenden EMD (Edelmetall-Motor-Drehzähler)-Vermittlungsstellen wurden auf Digitaltechnik umgestellt, gleichzeitig trieb die Telekom als öffentlicher Netzbetreiber das Digitalisieren der Übertragungswege voran.

Anstatt der bisher üblichen Koaxialkabel kamen jetzt Lichtwellenleiter (LWL) in die Erde. Ein teurer Spaß. Zwar waren die Kosten pro verlegtem Kilometer wesentlich höher, doch sollten die technischen Vorteile dies wettmachen: die geringe Dämpfung sowie die große Bandbreite. Zusätzliche Dienste sollten die Sprachübertragung ergänzen.

Digitale Autobahn der frühen Jahre

Bei aller technischen Euphorie, ISDN stieß schnell an seine Grenzen, nämlich bei der Übertragungsgeschwindigkeit. Erste Bildtelefone übertrugen erste bewegte Bilder dank aufwändiger Bildkodier- und Datenkompressions-Verfahren.

Aufgrund der begrenzten Übertragungsgeschwindigkeit von 64 kBit/s entsprachen sie bei weitem nicht der Qualität, die man damals vom Fernsehen gewohnt war. Doch dafür hatte die Bundesrepublik bald ein digitales Breitband-Übertragungsnetz mit 140 MBit/s, das alle großen Städte untereinander verband, tituliert als die „digitale Autobahn" für den deutschen Telekommunikations-Fernverkehr.

Damit war Bildtelefonie möglich. War man doch zum Übertragen von bewegten Bildern in hoher Qualität auf Datenraten von 2 MBit/s angewiesen, ein Durchsatz, der sich so realisieren ließ. Die Bildtelefonie konnte beginnen: Videokonferenzen sollten teure Dienstreisen ersetzen und hochauflösende Bilder sollten die Telemedizin unterstützen. Die Bilder lernten laufen per Telefon. An Internet und Skype dachte damals noch keiner.

Aufstieg und Fall von Skype

Der internetbasierte Instant-Messaging-Dienst Skype wurde 2003 eingeführt und war ab 2011 im Besitz von Microsoft. Skype bot Bildtelefonie, Videokonferenzen, IP-Telefonie, Instant-Messaging, Dateiübertragung und Screen-Sharing. Konkurrenz bildeten Dienste wie Whats App oder Zoom, die erheblich populärer wurden.

Das Aus kam am 5. Mai 2025. Microsoft stellte seinen Messaging-Dienst Skype ein, auch um sich auf die Plattform Teams zu konzentrieren. Der Hype, der 2003 begann, war somit Geschichte. Es bleibt: Skypen ebnete der Videotelefonie den Einzug in den Alltag. (kr)

* Reinhard Kluger ist freier Journalist in Höchberg.

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