Firmenjubiläum 115 Jahre Emil Otto – Eine deutsche Industriegeschichte

Redakteur: Dr. Anna-Lena Gutberlet

Im Jahr 2016 feiert die Emil Otto Flux- u. Oberflächentechnik GmbH ihr 115. Jubiläum. Der Rheingauer Flussmittelhersteller kann dabei auf eine bewegte Firmengeschichte zurückblicken, die die deutsche Geschichte in all ihren Facetten widerspiegelt.

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Das Labor in Magdeburg
Das Labor in Magdeburg
(Bild: Emil Otto)

„Es wird wahrscheinlich nur wenige mittelständische Unternehmen geben, die eine Geschichte haben die so eng mit den politischen Veränderungen der letzten 100 Jahre in Deutschland verbunden ist, wie die der Emil Otto GmbH“, resümiert Markus Geßner, Prokurist der Emil Otto GmbH beim Durchblättern der Unternehmenschronik.

Im Jahre 1901 wurde das Unternehmen Emil Otto in Magdeburg gegründet. Magdeburg entwickelte sich zur Jahrhundertwende zum Mittelpunkt des deutschen Schwermaschinen- und Anlagenbaus. Unternehmen wie Krupp-Gruson oder Buckau Wolf benötigten für die industrielle Metallverarbeitung chemische Hilfsstoffe.

Bohröle, Beiz- und Poliermittel sowie Flussmittel zum Weich- und Hartlöten von Eisenwerkstoffen sowie von Kupfer und Messing kamen zum Einsatz. Chemische Hilfsstoffe als Prozessunterstützung für die metallverarbeitende Industrie wurden immer wichtiger, um effizient und schnell zu fertigen. Das Unternehmen Emil Otto verschrieb sich der Herstellung dieser Verbrauchsstoffe und entwickelte und produzierte eine Vielzahl dieser Chemikalien. Dabei bildeten die Flussmittel den Schwerpunkt.

Das Unternehmen entwickelte sich stetig weiter und überstand die Wirren des ersten und zweiten Weltkrieges. Bei einem Bombenangriff am 16.Januar 1945 wurden die Produktionsgebäude schwer getroffen, sodass die Fertigung in den Kellerräumen provisorisch fortgesetzt werden musste. Nach dem Krieg wurden die Fertigungsstätten neu aufgebaut, die Produktion konnte schnell wieder aufgenommen werden.

Im Jahre 1957 wurde das Unternehmen per Gesetz in eine halbstaatliche Kommanditgesellschaft umgewandelt. Dieser Schritt traf fast alle Unternehmen in der damaligen DDR. Im Zuge dessen, beschloss die Geschäftsführung eine Außenstelle in Hamburg zu gründen.

Mit dem Mauerbau 1961 wurde dann auch die Teilung des Unternehmens zementiert. Die aus der Gründerfamilie hervorgegangenen persönlichen Gesellschafter des Unternehmens verließen zuvor endgültig die damalige DDR und gingen nach Hamburg.

Im Jahre 1961 erwarben die Gesellschafter den jetzigen Standort in Erbach (Eltville) und bauten die zuvor als Konservenfabrik genutzten Räumlichkeiten in eine chemische Fertigung um. Somit hatte das Unternehmen Emil Otto seinen neuen Standort gefunden und belieferte den deutschen Markt mit chemischen Produkten. In der DDR arbeitete die Emil Otto KG am Standort in Magdeburg mit je 50% privatem und 50% staatlichem Kapital weiter.

Im Jahre 1972 wurde in der DDR per Gesetz die Umwandlung der mittelständischen Industrie in Volkseigene Betriebe (VEB) beschlossen. Die privaten Gesellschafter wurden ausbezahlt und verloren ihre Anteile. Aus der Emil Otto KG wurde der VEB Löt- und Poliermittelwerk.

Neben dem Hauptstandort in der Magdeburger Maxim-Gorki-Straße wurde ein zweiter Standort in der Berliner Chaussee aufgebaut. Der VEB Löt- und Poliermittelwerk wurde in einigen zentralen Aufgaben, wie Anwendungsforschung, Qualitätssicherung, Zentralbibliothek u. a. vom Fachgruppenleitbetrieb, dem VEB Härtol, betreut.

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