Digitale Souveränität ZVEI: Glasfaserkabel? Aber bitte „made in EU“!

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Digitale Infrastrukturen müssen resilient aufgebaut werden, das gilt auch für den Glasfaserausbau, der im Sommer 2025 in Deutschland erstmals mehr als 50 Prozent erreicht hat. Für ein Glasfasernetz werden Kabel benötigt – und der ZVEI betont, wie wichtig es ist, dass diese für digitale Souveränität in der EU hergestellt werden.

Die Glasfaserausbauquote wächst, entsprechend werden auch Glasfaserkabel benötigt.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Die Glasfaserausbauquote wächst, entsprechend werden auch Glasfaserkabel benötigt.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Der Glasfaserausbau schreitet in Deutschland voran, auch wenn das manch eine Privatperson oder gar ein Unternehmen nicht so ganz glauben mag. Laut einer aktuellen Analyse des Breko, des Bundesverbands Breitbandkommunikation e. V. mit mehr als 500 Mitgliedern, ist die Glasfaserausbauquote im Sommer 2025 bei 52,8 Prozent – ein Plus von knapp 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Theoretisch bedeutet dieser „Homes Passed“-Wert, dass an über 50 Prozent der Haushalte erschlossen und Kabel daran vorbeigeführt wurden. Die „Homes Connected“-Rate, die Glasfaseranschlussrate, gibt da einen besseren Einblick, und die liegt im Sommer 2025 bei 27,3 Prozent. Insbesondere die Wettbewerber von der Telekom tragen laut Breko-Studie zum rasanten Ausbau bei.

„Laut Prognose der Marktanalyse wird die Glasfaserausbauquote bis 2030 auf einen Wert zwischen 82 Prozent und 92 Prozent steigen. Bei den tatsächlich ans Glasfasernetz angeschlossenen Gebäuden wird ein Anstieg auf 54 Prozent bis 64 Prozent prognostiziert“, wird im Bericht des Verbandes festgehalten.

Ein derartig voranschreitender Ausbau verlangt nicht nur nach verfügbaren Arbeitskräften, sondern auch nach verfügbarem Arbeitsmaterial. In diesem Fall geht es um Glasfaserkabel, bei deren Herstellung Deutschland und Europa laut ZVEI e. V., dem Verband der deutschen Elektronik- und Digitalindustrie, einst führend waren. Mittlerweile jedoch, bedauert ZVEI-Geschäftsführerin Sarah Bäumchen, ist die Produktion in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland laut Destatis-Daten um über 43 Prozent zurückgegangen. Die EU hält noch 15 Prozent an der weltweiten Produktion; wie in so vielen Bereichen ist mittlerweile China führend. Das ist angesichts wachsender Sicherheitsanforderungen und geopolitischer Entwicklungen ein Problem, so Bäumchen.

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„Ein Faustpfand nicht aus der Hand geben.“

„Eine starke industrielle Basis ist entscheidend für die Resilienz unserer Kommunikationsnetze. Wenn die Fertigung ins Ausland abwandert, geraten wir in gefährliche Abhängigkeiten“, argumentiert Bäumchen. Entsprechend sei es wichtig, dass Produktions- und F&E-Standorte nicht nur in Deutschland, sondern in Europa gesichert und ausgebaut werden. „Wir dürfen unsere technologische Führerschaft und damit ein Faustpfand nicht aus der Hand geben.“

Der ZVEI positioniert sich deswegen mit einem Papier für die Stärkung der Resilienz digitaler Infrastrukturen. Glasfaserkabel sollen nicht nur zuverlässig funktionieren, sondern auch aus sicheren und nachhaltigen Prozessen stammen, um stabile Lieferketten zu sichern. Der ZVEI fordert daher von der EU-Kommission eine enge Marktbeobachtung mit möglichen handelspolitischen Eingriffen sowie Local-Content-Anforderungen, um heimische Hersteller im Bereich kritischer Infrastruktur zu stärken.

Deutsche Hersteller von Glasfaserkabeln stehen aktuell stark unter Druck, so die ZVEI-Analysen. Hohe Energiepreise, Arbeitskosten und bürokratische Hürden schwächen die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber europäischen Regionen mit günstigeren Rahmenbedingungen. Insbesondere kleinere Netzbetreiber verlieren deswegen an Flexibilität, zusätzlich droht ein Know-how-Abfluss. Gleichzeitig belasten strenge ESG-Vorgaben wie CO₂-Footprint, REACH oder RoHS die Kostenstruktur und verschärfen die Wettbewerbsverzerrung gegenüber außereuropäischen Anbietern. Parallel dazu hat die geopolitische Lage, verschärft seit dem Ukrainekrieg, die Sicherheit von Seekabel-Infrastrukturen in den Fokus der EU gerückt; seit 2025 gibt es dafür einen eigenen Action Plan zur Kabelsicherheit. (sb)

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