Schwerpunkte für 2023 sind bei Data Modul Touch und OLED. Das Problem der Lieferketten umgeht das Unternehmen, indem es in Europa, USA und Asien vor Ort für die Märkte produziert. Ein Highlight ist eine Haptik-Demo-Einheit.
Dr. Florian Pesahl, Data Modul: „Auf der Embedded World im Frühjahr 2023 präsentieren wir ein neues Produktportfolio. Darunter sind Touch und OLED.“
(Bild: Data Modul / Jan Greune)
In diesem Jahr feiert der Display- und Embedded-Spezialist Data Modul seinen 50. Geburtstag. Zeit zum Ausruhen bleibt nicht, denn das Thema Lieferketten beschäftigt auch Data Modul. Wie das Unternehmen damit umgeht und was für das Jahr 2023 geplant ist, verrät Geschäftsführer Dr. Florian Pesahl.
Herr Dr. Pesahl, was plant Data Modul in diesem Jahr noch für konkrete Neuerungen bei Displays und Embedded Boards?
Das laufende Jahr steht kurz vor dem Ende und wir richten unseren Blick für konkrete Neuerungen für 2023. Nach zwei Jahren der Pandemie sind – zum Glück – Messen wieder möglich. Deshalb planen wir, unser neues Produktportfolio anlässlich der Embedded World im März 2023 zu präsentieren. So viel sei aber bereits verraten: Unserer Themen sind dabei unter anderem Touch und OLED.
Wie ist die aktuelle Auslastung im Werk in Weikersheim in Anbetracht der Lieferkettenproblematik?
Aufgrund der hohen Nachfrage und des erfreulichen Geschäftsverlaufs arbeiten wir im Werk Weikersheim seit Frühjahr 2022 größtenteils im Drei-Schicht-Betrieb. Gleiches gilt für unseren Produktions-Standort in Lublin. Gemeinsam haben wir so die Weichen auf weiteres Wachstum gestellt. Der Lieferkettenproblematik konnten wir durch frühzeitige, ausreichende Bevorratung mit Komponenten entgegenwirken. Zugute kam uns die in den Vorjahren aufgebaute finanzielle Stärke.
Welche Strategien hat Data Modul, um in Zukunft Probleme mit der Lieferkette zu umgehen?
Eine unserer Strategien, die sich aktuell bewährt, heißt „Local for Local“: Wir produzieren vor Ort in unseren relevanten Absatzmärkten Europa, USA und Asien. Damit sind wir gegenüber unseren Kunden flexibel aufgestellt, auch in global herausfordernden Zeiten.
50 Jahre Data Modul – geben Sie uns bitte einen Ausblick auf die kommenden Jahre. Welche Strategie verfolgen Sie für den europäischen und den weltweiten Markt?
Zunächst ist das 50-jährige Jubiläum für uns ein wichtiger Meilenstein. Data Modul hat sich seit dem Jahr 1972 von einer kleinen Vertriebsgesellschaft zu einem marktführenden Display- und Systemanbieter entwickelt. Das Jahr 2022 ist gleichzeitig das erfolgreichste der Firmengeschichte. Da galt es zunächst auch einmal innezuhalten und zu feiern. Doch dann richtet sich der Blick in der Tat gleich wieder nach vorne in die Zukunft. In ihr wollen wir konsequent die modernen, industriellen Megatrends begleiten und – gemeinsam mit unseren Lieferanten und Kunden – weiter profitabel und nachhaltig wachsen.
Wir wollen uns dabei in Zukunft auf unsere Kernkompetenzen Display, Touch und Embedded fokussieren und unsere Internationalisierung weiter vorantreiben.
Haptik-Demo-Einheit vereint zwei verschiedene Technologien
Neben der Strategie gibt es bei Data Modul auch auf technischer Seite einiges zu berichten. Hier gibt Alexander Trica Auskunft. Er ist Head of Research & Development bei Data Modul.
Herr Trica, Sie haben eine neue Demo-Einheit vorgestellt, mit der Entwickler haptisches Feedback in Projekte implementieren können. Können Sie uns das Demo-Kit bitte vorstellen und einige technische Details mit unseren Lesern teilen.
Unsere neue Haptik-Demo-Einheit vereint zwei verschiedene Technologien, die das Haptik-Erlebnis von insgesamt fünf verschiedenen Beispielanwendungen mithilfe unterschiedlicher Aktuatoren realisiert: Im oberen Bereich der Demo-Einheit befindet sich ein Touchscreen, der mit einem elektrostatischen Aktuator ausgerüstet ist. Diese Haptik-Technologie zeichnet sich besonders durch einen Hub von bis zu 0,8 mm aus, was ein tastenähnliches Feedback ermöglicht.
Im unteren Bereich ist ein Touchscreen mit einem speziellen Piezo-Scheibenaktuator integriert. Diese Technologie liefert ein stärkeres und präzises Haptik-Event. Im Gegensatz zu elektrostatischen Aktuatoren ist die Auslenkung bei Piezo-Scheibenaktuatoren deutlich kleiner und bewegt sich in einem Rahmen von bis zu 0,3 mm. Um ungewollte Eingaben zu vermeiden, arbeiten beide Technologien mit der sogenannten Force-Sense. Hierbei wird das gewünschte Touch-Event erst ausgelöst, wenn ein vorher definierter Schwellenwert mittels Kraftmessung überschritten wird.
Welche neuen Geschäftsfelder können Sie sich in Zukunft vorstellen oder haben Sie bereits konkrete Pläne für eine Ausweitung der Geschäftsfelder?
Auch in den kommenden Jahren wollen wir uns weiterhin auf unsere Kernmärkte fokussieren und unser Produktportfolio bestehend aus hochwertigen sowie modernen Display-, Touch- und Embedded-Komponenten kontinuierlich weiter ausbauen und an aktuelle Trends und Entwicklungen anpassen. Industrietaugliche OLED-Displays könnten in den nächsten Jahren mehr und mehr Einzug in verschiedenste Märkte halten und auch die Nachfrage nach energiesparenden Displaytechnologien wie E-Paper oder MIP-Displays könnte angesichts steigender Energiekosten branchenübergreifend weiter wachsen.
Bei den alternativen Bedienmethoden sehen wir großes Potenzial in Haptik und Force-Touch, die potenziellen Fehlauslösungen durch den Bediener effizient vorbeugen und damit die Bediensicherheit von Anwendungen, wie der Medizintechnik, erhöhen. Auf dem eher konservativen HMI-Markt gewinnen Themen wie optimierte grafische Oberflächen (GUI), Konnektivität und cloudbasierte Anwendungen nach und nach an Bedeutung. Auf diese Aspekte wollen wir uns künftig stärker konzentrieren, um unseren Kunden nachhaltige und hoch-performante Systemlösungen anzubieten.
Stand: 08.12.2025
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