Messdaten aufnehmen Wie sich der Tastkopf-Flaschenhals bei einem Oszilloskop umgehen lässt

Autor / Redakteur: Brig Asay und Markus Stocklas * / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Bei einem Messsystem aus mehreren Komponenten sind die Tastköpfe und Messadapter die schwächsten Glieder. Abhilfe schafft die Frequenzgang- und Frequenzgangkompensation.

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Ordentliche Bandbreite: Das Agilent DSAX96204Q bietet eine Bandbreite von 63 GHz. Allerdings sind die Oszilloskope nicht der Flaschenhals, sondern die Tastköpfe
Ordentliche Bandbreite: Das Agilent DSAX96204Q bietet eine Bandbreite von 63 GHz. Allerdings sind die Oszilloskope nicht der Flaschenhals, sondern die Tastköpfe
(Agilent)

Jedes Messsystem ist nur so gut wir sein schwächstes Glied. Die Bandbreite eines Oszilloskops ist eine wesentliche Spezifikation, aber ein Messsystem besteht aus mehr als dem Oszilloskop und das schwächste Glied ist oft nicht das Oszilloskop.

Ein Messsystem besteht aus Tastköpfen, Kabeln, Verbindern und Messadaptern – und alle können die Bandbreite mehr einschränken als das Oszilloskop. Kabel und Verbinder haben zwar typischerweise nur eine sehr geringe Dämpfung, Tastköpfe und Messadapter aber oft eine ganz erhebliche. Die Oszilloskophersteller tun sich schwer damit, dass das Zubehör mit der Bandbreite der Oszilloskope mithält. Echtzeitoszilloskope sind mittlerweile bei einer Bandbreite von 63 GHz angekommen, die Tastköpfe sind erst bei 30 GHz.

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Ein weiteres Problem mit der Bandbreite von Tastköpfen ergibt sich dadurch, dass verschiedene Hersteller unterschiedliche Methoden zur Frequenzgangkompensation einsetzen. Eine solche Kompensation ist schlicht ein Filter, das ein Oszilloskop zur Laufzeit anwendet und das den Frequenzgang eines Tastkopfes glättet. Ein flacherer Frequenzgang bedeutet genauere und besser reproduzierbare Messungen.

Weil es so schwierig ist, breitbandige Tastköpfe zu bauen, und weil es mehrere Methoden zur Frequenzgangkompensation gibt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Tastköpfe das schwächste Glied des Messsystems darstellen. Hat man die Genauigkeit seiner Messung im Blick, reicht es daher nicht, sich auf die Bandbreite des Oszilloskops zu verlassen. Man muss vielmehr den Einfluss von Bandbreite und Frequenzgang der Tastköpfe auf die Messung kennen und richtig einschätzen.

Den Frequenzgang eines Tastkopfes ermitteln

Zur Messung des Frequenzgangs eines Tastkopfes arbeiten die Oszilloskophersteller typischerweise mit zwei Methoden, die man Vin/Vout und Vsrc/Vout nennt. Hierbei ist:

  • Vin: Die Spannung am Eingang des Tastkopfes, wobei der Tastkopf das Messsignal belastet
  • Vout: Die Spannung, wie sie das Oszilloskop am Ausgang des Tastkopfes sieht
  • Vsrc: Die Spannung am Eingang eines idealen Tastkopfes oder auch das ursprüngliche Messsignal ohne Belastung durch einen Abgriff

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PrecisoinProbe als Alternative zur Frequenzgangkorrektur

Mit der PrecisionProbe ist eine Alternative zur Frequenzgangkorrektur von Tastköpfen. Sie gibt dem Anwender eine gewisse Kontrolle über den Frequenzgang eines Tastkopfes. Die Entwicklungszeit auf das Design von Tastköpfen ist gewaltig, damit Tastköpfe eine hohe Bandbreite und eine hohe Genauigkeit erzielen. Leider bringt reines Hardwaredesign keine ausreichend guten Ergebnisse, für die notwendige Genauigkeit brauchen diese Tastköpfe eine Frequenzgangkorrektur über digitale Signalprozessoren.

Um zu erkennen, ob diese im Messsystem des Anwenders ein Problem darstellt, muss der Messtechniker den Frequenzgang eines Tastkopfes messen können und wissen, welche Frequenzgangkompensation bei seinem Tastkopf angewendet wurde.

Werkzeuge wie die Software Agilent PrecisionProbe N2809A messen den Frequenzgang eines Tastkopfes.

Ziel einer Frequenzgangkorrektur ist ein ideal glatter Frequenzgang des Tastkopfes über die gesamte Bandbreite hinweg. Dazu korrigiert man Vout so, dass Vout = Vin (bzw. Vsrc) ist. Der Hauptunterschied zwischen beiden Verfahren liegt darin, dass Vin/Vout die Belastung des Messsignals durch den Tastkopf berücksichtigt, während dieser Effekt bei der Kompensation nach dem Verfahren bei Vsrc/Vout vernachlässigt wird.

Das Verfahren Vsrc/Vout funktioniert gut in einer 50-Ohm-Umgebung oder dann, wenn die Impedanz am betreffenden Messpunkt bei der Kompensation bekannt ist. Weicht die Impedanz des Messpunkts von 50 Ohm ab, werden die Ergebnisse mit wachsender Abweichung immer ungenauer, wenn man die Kompensation nicht nachführt.

Das Verfahren Vin/Vout berücksichtigt die Impedanz des Tastkopfes, daher ist die so erzielte Frequenzgangkompensation unabhängig von der Impedanz des Messpunkts. Die Unabhängigkeit von der Quellimpedanz ist somit ein grundsätzlicher Vorteil dieses Verfahrens.

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