Arrow Wie Distributoren die Abläufe innerhalb der Lieferkette verbessern können

Redakteur: Margit Kuther

Optimales Supply Chain Management ist ein wichtiges Instrument in der Wertschöpfungskette. Doch nur wer seine Gesamtkosten und Kostenverursacher unternehmensübergreifend kennt, kann das SCM über die entsprechenden Stellhebel permanent verbessern.

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Mit der wirtschaftlichen Erholung besteht die Chance, die vorhandenen Supply Chains leistungsfähiger, flexibler und performanter auszurichten. Darüber hinaus profitieren die Unternehmen von zusätzlichen Services der Distributoren hinsichtlich Supply Chain Management. Einige Distributoren, etwa Arrow, haben dafür gar einen eigenen Unternehmensbereich geschaffen. Details hierzu verrät Holger Lutz, Director Business Process Excellence bei Arrow, im Gespäch mit der ELEKTRONIKPRAXIS.

ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Lutz, wie hat sich die Wirtschaftskrise auf das SCM ausgewirkt?

Holger Lutz: Die Wirtschaftskrise hat die Lieferketten zwischen Kunden, Distributoren und Lieferanten gründlich durcheinander gebracht. Die Folgen spüren wir noch immer: Üblicherweise teilten Kunden früher ihren Bedarf etwa sechs Monate im Voraus mit. In der Krise reduzierten sich die Forecasts zum Teil auf einen Zeitraum von vier Wochen.

Mit dem wirtschaftlichen Umschwung kamen die Bauelementehersteller mit dem Bedarf kaum nach, längere Lieferzeiten waren bis vor kurzem in einigen Segmenten noch die Regel. Unter anderem auch, weil viele Unternehmen wirtschaftlich unklug aus einem Sicherheitsgedanken kommend über ihren aktuellen Bedarf hinaus große Mengen orderten. Diese Unternehmen bauen dadurch in der gesamten Lieferkette Überbestände auf.

Was kann ein Distributor tun, um Überbestände zu vermeiden?

Ziel eines Distributors muss es sein, im Interesse seiner Kunden und Lieferanten performante Supply Chains zu errichten und zu betreiben. Arrow positioniert sich daher als Total Solution Provider, und zwar auf der Produktebene und auf dem Logistiksektor.

Als weltweiter Anbieter kann Arrow die globale Lieferkette abdecken und überall auf dem Globus verteilte Entwicklungs- und Fertigungsstätten bedienen. Dazu gehört ein weltweiter Business-Transfer-Prozess, über den faktisch jedes Bauteil aller 900 Hersteller der globalen Linecard an weltweit jeden Abnehmer geliefert werden kann.

Wendet sich ein Kunde an einen Distributor, ist der erste Schritt eine Bedarfsanalyse. Was zeichnet eine erfolgreiche Bedarfsanalyse aus?

Eine richtige Bedarfsplanung ist auch heute oberstes Credo. Von Vorteil für den Kunden sind dabei niedrige Lagerbestände, geringe Kosten in der Lieferkette und eine einfache Abwicklung. Das steigert den Gewinn des Kunden und erhöht seine Flexibilität.

Voraussetzung hierfür ist, dass die richtigen Bauteile zur richtigen Zeit in der richtigen Konfektionierung und bei Bedarf mit der richtigen (Vor-)Programmierung am richtigen Ort sind. Ein guter Distributor beherrscht das Supply Chain Management und kann auf kurzfristige Forecast-Änderungen flexibel reagieren.

Da etliche Kunden ihre eigenen Anforderungen selbst nicht so genau kennen, gibt es bei Arrow spezielle Supply Chain Solution Manager (SCSM). Diese finden im gemeinsamen Gespräch mit dem Kunden die für ihn geeignete Lösung. Dabei gilt die Maxime Keep it simple – für den Kunden werden komplexe Vorgänge einfach abgebildet.

Im Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen entsteht ein individuelles Konzept für den speziellen Kunden, denn jeder Abnehmer hat grundsätzlich ganz unterschiedliche Anforderungen und Bedürfnisse hinsichtlich der logistischen Abwicklung. Übergreifendes Ziel ist der Aufbau einer optimalen und performanten Supply Chain. Unser Bestreben ist dabei, gemeinsam mit internen und externen Ansprechpartnern Lösungen zu finden, aus denen der Kunde und wir einen Vorteil schöpfen können.

Begleiten die SCSMs die Kunden durch den ganzen Entwicklungsprozess?

Ja. Ist die Bedarfsanalyse abgeschlossen, wählen die SCSMs in der Konzeptionsphase für das Unternehmen die geeigneten Logistikbausteine aus: Dazu zählen das Forecastmanagement, VMI, Anliefermodelle, Etikettierung & Barcoding, Bestandscontrolling- und management, EDI (Electronic Data Interchange) und Special Handling.

Bei Arrow begleitet der SCSM seinen Kunden von der Definition der Abläufe über den Vertragsabschluss bis zur Umsetzung und Inbetriebnahme. Die qualifizierten SCSMs agieren als neutrale Mittler, die die Schnittstelle zwischen Kunden und Fachabteilungen bei Arrow bilden. Die SCSMs übernehmen das Projektmanagement und die Koordination.

Dabei partizipieren die Kunden von den Erfahrungen ihres SCSMs in vorherigen Projekten und dem Branchenwissen der Experten. Denn obwohl jedes Projekt individuell auf Kundenwunsch zugeschnitten wird, sind häufig branchenspezifische Bedingungen zu berücksichtigen. Diese müssen im Vorfeld in die Betrachtungen einfließen, um das richtige Logistikmodell zu finden.

Einmal kreierte Prozesse sind jedoch nicht in Stein gemeißelt. Regelmäßige Reviews und gegebenenfalls Optimierungen nach dem PDCA-Ansatz (Plan - Do - Check - Act = Planen – Machen – Überprüfen - Umsetzen) in beiderseitiger partnerschaftlicher Zusammenarbeit führen zu verbesserten Prozessen.

Was kann ein Distributor auf der Logistikseite tun, um das SCM zu verbessern?

Um seinen Kunden optimal unterstützen zu können, positioniert sich Arrow als Total Solution Provider, und zwar auf der Produktebene und auf dem Logistiksektor (Archiv: Vogel Business Media)

Distributoren müssen ihren Kunden flexible Lösungen anbieten, mit denen sie jederzeit über produktionssynchrone Bestände verfügen.

Arrow offeriert entsprechend dem Kundenwunsch unterschiedliche Liefermodelle oder Versorgungsstrategien. Stichworte sind hier automatische Belieferung, Lieferung nach Plan, nach Materialbedarfsplanung (Material Requirement Planning - MRP), Kanban, dem Bestellpunktverfahren (MIN/MAX) oder in wirtschaftlichen Losgrößen.

So wird bei der automatischen Auslieferung (Frozen Windows) zu fixen Terminen geliefert. Beim Bestellpunktverfahren wird Arrow über eine automatisch ausgelöste Information benachrichtigt, wenn ein definiertes Minimum eines bestimmten Produkts erreicht ist. Als Ergebnis wird der Materialbestand bis zur vorher definierten Menge aufgefüllt (Min/Max). Beliebt sind auch kurzfristige Abrufe auf durch Arrow bevorratete, für den Kunden eigens disponierte Lagerbestände (Just In Time). Dies bietet dem Kunden eine hohe Flexibilität bei niedrigsten Vor-Ort-Beständen.

Für besonders wichtige, besonders häufig benötigte Bauteile empfehlen sich kundenindividuelle Lagerbestände, entweder im Arrow-eigenen Lager oder auch beim Kunden vor Ort (Pufferlager oder Konsignationslager).

Ein so genanntes InPlant-Terminal mit einem Arrow-Mitarbeiter beim Kunden direkt im Unternehmen kann kundenspezifische Aufgaben wie Bestandsüberwachung, Auftragsverarbeitung und Forecast-Management übernehmen. Die Vorteile: Kurze Reaktionszeiten, eine direkte Schnittstelle und ein reduzierter Handlungsaufwand. Gerade in Zeiten, wo aufgrund der Versorgungsthematik mit Engpässen zu rechnen ist oder auf Bestandsbedarfe zeitnah reagiert werden muss, stellt eine solche Lösungen einen wertvollen Wettbewerbsvorteil dar.

Um eine reibungslose Logistik zu gewährleisten, muss das Logistikketten-Management entlang der gesamten unternehmensübergreifenden Wertschöpfungskette ständig und gründlich überprüft werden. Arrow überwacht die Prozesse durch wirksame Tools, die frühzeitig Probleme aufzeigen (Early Warning, Bestandsüberwachung, Artikelspektrum- und Forecast-Analyse) und geeignete Gegenmaßnahmen ermöglichen. Erhöhte Transparenz und Reaktionsfähigkeit führen zu einer bessere „Forecastgenauigkeit“. Überflüssige Doppelarbeiten in den Beschaffungsprozessen lassen sich mit den Tools ebenfalls sicher aufdecken.

Eine erfolgreiche Logistik setzt einen reibungslosen, elektronischen Datenaustausch zwischen Distributor, Kunde und Hersteller voraus. Was kann der Distributor dazu beitragen?

Optimales Supply Chain Management ist nur durch perfomanten elektronischen Informationsaustausch der Distributoren mit den Systemen von Kunden und Herstellern über Standardschnittstellen möglich. Arrow offeriert daher vielfältige Möglichkeiten der Interaktion und zum Datenaustausch:

Der elektronische Datenaustausch EDI (Electronic Data Interchange) ist ein Tool zum schnellen und kostengünstigem Übertragen von Geschäftsdaten wie Rechnungen, Bestellungen, Lieferscheinen und Artikelstammdaten.

Neben dem EDIFACT-Standard stehen für die Übernahme der Daten in ein SAP-System des Kunden entsprechende Konnektoren zur Verfügung. Individuell konfigurierbare XML-Files (Extensible Markup Language) ermöglichen die Kommunikation mit quasi jedem Kundensystem und die Anbindung über leicht programmierbare Webservices.

Arrow CARES (Customer Auto-REplenishment System) unterstützt als webbasierte Plattform Kanban- und MIN/MAX-Logistikmodelle. Als offenes System konzipiert, lässt sich eine unbegrenzte Anzahl an Lieferanten des Kunden einbinden. Dabei sind Datensicherheit und Vertraulichkeit über einen externen Dienstleister garaniert.

Ein großes Angebot an Value Added Services erleichtert das SCM?

Um seinen Kunden optimal unterstützen zu können, positioniert sich Arrow als Total Solution Provider, und zwar auf der Produktebene und auf dem Logistiksektor (Archiv: Vogel Business Media)

Ja. Gerade die zusätzlichen Dienstleistungen trennen bei den Distributoren die Spreu vom Weizen. Deshalb bietet Arrow über die reinen Lieferprozesse hinaus im SCM umfassende Value Added Services an. Kunden können beispielsweise die gelieferten Produkte direkt weiterverarbeiten. Dazu werden Bauteile etwa bei Bedarf vor Lieferung umfangreichen Funktions- oder Klimatests unterzogen und programmiert. Und Bauteile lassen sich auf Rolle oder Gurt konfektionieren und mit unterschiedlichen Barcodes versehen.

Zu den Value Added Services von Arrow zählt auch die Produktveredelung durch Bauteileprogrammierung oder -gurtung im Arrow-eigenen Programmiercenter im Distribution Logistics Center in Venlo, Niederlande. Weltweit gesehen zählt Arrow zu den größten Anbietern von Programmierdienstleistung.

Damit Arrow diese Zusatzservices bieten kann, verfügt Arrow in Venlo über eines der flächenmäßig größten Bauelemente-Lager weltweit. Hier sind beispielsweise auch sehr spezielle Kundenanforderungen wie Stickstofflager möglich. Mehr als 35.000 Kunden haben über das DLC Venlo Zugriff auf über 110.000 Bestandsartikel. Zwei weitere Läger in Schweden (Lunda) und in Italien (Cornaredo) sorgen zusätzlich für die tagaktuelle Lieferung an jeden Kunden in Europa.

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