Angemerkt Was wir könnten, wenn wir wollten

Von Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther 2 min Lesedauer

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Deutschland kann sich 2050 zu 100 Prozent mit nachhaltig gewonnener Energie versorgen – das hat eine Task Force der Energietechnischen Gesellschaft im VDE in einer Studie nachgewiesen. Und eine Forschergruppe am Institut für Betriebs- und Technologiemanagement des Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier hat gezeigt, dass sich Europa zu 100 Prozent klimaneutral mit Energie versorgen könnte.

Thomas Kuther, Redakteur: „Eine nachhaltige Energieversorgung wäre möglich, wenn alle sie wollten.“(Bild:  ELEKTRONIKPRAXIS)
Thomas Kuther, Redakteur: „Eine nachhaltige Energieversorgung wäre möglich, wenn alle sie wollten.“
(Bild: ELEKTRONIKPRAXIS)

Ja „könnte“ – wenn man wollte! Denn dazu müssten alle europäischen Staaten am selben Strang ziehen – und zwar nicht an zwei verschiedenen Enden. Gemeinsam wäre das zu schaffen. Unabdingbar dafür ist der Ausbau von Sonnen- sowie Windkraft und die Nutzung von anderen nachhaltigen Energiequellen wie Geothermie, Biogasanlagen und Gezeitenkraftwerken, um einige der wichtigsten Beispiele zu nennen.

Der Ausbau ist dabei regional unterschiedlich. So ist klar, dass Windkraftanlagen dort am sinnvollsten sind, wo viel Wind weht, also etwa an der Küste im Norden. Sonnenkraft lässt sich in Südeuropa am besten nutzen, Biogas im ländlichen Raum und Wasserkraft in Skandinavien.

Aber funktionieren kann alles nur, wenn wir zu viel gewonnene Energie speichern und bei Bedarf wieder abrufen können. Bewährt haben sich dazu seit langer Zeit Pumpspeicherkraftwerke. Auch entstehen derzeit zahlreiche Großspeicher und immer mehr Hausbesitzer setzen auf Photovoltaik und Heimspeicher im Keller.

Aber es geht noch mehr! Eine Schlüsselstellung nimmt dabei Grüner Wasserstoff ein, der sich etwa mittels Elektrolyse aus nachhaltig erzeugtem Strom gewinnen lässt.

Ein vielversprechendes Beispiel dafür ist Bayerns größte Elektrolyseanlage in Wunsiedel. Deren Elektrolyseur mit einer Leistung von fast neun Megawatt und soll jährlich 1.350 Tonnen Grünen Wasserstoff aus Ökostromüberschüssen erzeugen. Der in Wunsiedel geplante Direktvertrag mit einem Anbieter von Windstrom kann allerdings wegen der Strompreisbremse nicht abgeschlossen werden, denn der Stromanbieter muss mit einer Erlösabschöpfung rechnen, die anhand der hohen Preise an der Strombörse berechnet wird – selbst wenn er den Strom günstiger direkt an den Betreiber eines Elektrolyseurs verkaufen würde. Ohne günstigen Grünstrom, der über einen Direktvertrag geliefert wird, ist grüner Wasserstoff wie in Wunsiedel geplant aber nicht herstellbar!

Zwar hat Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger Bundesminister Robert Habeck in einem Brief aufgefordert, Ausnahmen bei der im Rahmen des Strompreisbremsegesetzes eingeführten Erlösabschöpfung zuzulassen. Allerdings hat das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie auf unsere Anfrage mitgeteilt, dass der Bund für die restliche Laufzeit der Strompreisbremse keine Ausnahmen plane. Laut Geschäftsführer Marco Krasser, Geschäftsführer des Betreibers Stadtwerke Wunsiedel, will Stefan Wenzel, Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, noch im Mai nach Wunsiedel kommen und voraussichtlich eine Lösung präsentieren. Warten wir's einmal ab … vielleicht könnte es ja doch noch etwas werden …

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