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Abschließender Stresstest grenzt weiter ein
Prozesse für den Krisenfall findet man in fast keinem Unternehmen und sollten sie vorhanden sein, sind diese selten „mit wahrem Leben gefüllt“: Meist gibt es weder eine Krisenorganisation mit Zuständigkeiten noch dediziertes ausgebildetes Krisenpersonal. Kommt es dann zum konkreten Schadensfall, ist fast immer die Rechtsabteilung die erste Adresse. Dies führt dazu, dass fast 95% aller Schadensfälle auch vor Gericht landen. Erstaunlicherweise gibt es sogar Unternehmen, in denen die Schadensabteilung – meist die Rechtsabteilung – als eigenständiges Profit-Center geführt wird. Weiter wird auch gerne versucht, die Haftung auf Prozentanteile des Umsatzes mit dem Lieferanten zu beschränken.
Der abschließende durchgeführte umfangreiche Stresstest schließlich zeigte, dass es gerade zwei von sechs Unternehmen gab, die ein einigermaßen stabiles, wenn auch teilweise labiles Krisenverhalten zeigen. Unter diesen beiden wurden schließlich die Lieferanten für das Projekt ausgewählt. Die restlichen vier Unternehmen konnten in ihrem Krisenverhalten nicht überzeugen und wurden als „stark gefährdet“ eingestuft.
Umfangreiche Analyse der Unternehmensrisiken
Als ein „besonderes Bonbon“ wurden den beiden ausgewählten Lieferanten von Seiten des Auftraggebers eine BCCA (Before Compensation Claim Assessment) verordnet, um diese für das Projekt 100-prozentig fit zu machen. Hierbei wurden in einer umfangreichen Analyse Unternehmensrisiken analysiert sowie Prozesse und Krisenpläne unternehmensbezogen überarbeitet bzw. adaptiert. Umfangreiche Trainings, KaiZen und ein erneuter Stresstest rundeten die BCCA ab.
Maßnahmen kosten wenig und bringen hohen Nutzen
Welchen Nutzen bedeutet dies für das Projekt? Bisher traten in dem Verlauf des Gesamtprojektes seit Anfang 2014 keine relevanten Qualitätsprobleme und Krisen auf. Anfängliche Krisenszenarien wurden von den Lieferanten dank BCCA erkannt und frühzeitig beherrscht. Dadurch wurde die Projektsicherheit und -Stabilität erhöht und weitere Folgekosten eingespart.
Apropos Kosten: Bezogen auf die sich zwischen 2010 und 2012 ereigneten Schadensfälle lagen die gesamten Qualifikationskosten incl. BCCA weit unter 1%. Bezogen auf das gesamte Projekt-Auftragsvolumen von etwa 400 Mio. € sogar weit unter einem Promille.
Unternehmen sind auf den Schadensfall selten vorbereitet
Gemeinsam mit ihren Lieferanten haben Unternehmen leider eines: Auf den Schadensfall selbst sind sie so gut wie nie vorbereitet. Krisen werden in Unternehmen systematisch verdrängt. Kommt es dann doch zum Qualitäts-GAU, beschreiten Unternehmen meist den rechtlichen Weg bis vor Gericht, was neben enormen Kosten und Zeit vor allem aber zum Imageschaden und Stresstest mit dem Kunden führt.
Nicht selten endet mit dem Gerichtsurteil eine jahrelange gute Geschäftsbeziehung. Und erhofft man sich dann letztlich von der Versicherung einen Schadensausgleich, beginnt unter Umständen der zweite Teil der Schadenstragödie. Denn gerade Versicherungen haben durch strikte Compliance-Vorschriften und einem hohen Kostendruck durch gesunkene Rentabilität kaum noch eigene Entscheidungsspielräume. Daher sollte man es erst gar nicht zur Krise kommen lassen.
Auf die Lieferantenauswahl achten
Eine an das Krisenverhalten gekoppelte Lieferantenauswahl mit BCCA senkt die Wahrscheinlichkeit eines Qualitäts-GAUs. Und sollte es dann wider Erwarten doch zum Schadensfall kommen, ist man mittels BCCA für den Fall gerüstet. Hat man doch jetzt die entsprechenden Prozesse und das notwendige Wissen hierfür. Zudem kann eine BCCA rechtlich als Vorbeugemaßnahme zur eindeutigen Schadensminderung angesehen werden. Unternehmen bereiten sich hierdurch konkret auf einen möglichen Schadensfall vor und nehmen diesen somit nicht mehr billigend in Kauf.
Schutz vor bösen Überraschungen und Kostenturbulenzen
Nur eine stabile eigene Krisenfestigkeit schützt letztlich Unternehmen vor bösen Überraschungen und Kostenturbulenzen. Von daher ist Vorbeugen durch die Auswahl eines Lieferanten anhand krisenbezogener Auswahlkriterien dringend zu empfehlen. Letztlich sind nur krisenfeste Lieferanten gute Lieferanten und dauerhafte Geschäftspartner. Denn in der Krise zeigt sich die wahre Qualität eine Beziehung. Daher „Wer heute den Kopf in den Sand steckt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er morgen mit den Zähnen knirscht“.
* H. Peter J. Bleif ist Geschäftsführer der ING QC Ingenieurgesellschaft für Qualität und Consulting H.P. J. Bleif & Partner.
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