Nvidia sieht sich erneut geopolitischen Spannungen ausgesetzt: Die Cyberspace Administration of China hat Sicherheitsbedenken bezüglich der KI-Chips des Unternehmens geäußert. Ein umstrittener US-Gesetzentwurf, der die Installation von Backdoors in exportierte Chips vorschreibt, verschärft das Misstrauen.
Backdoor oder nicht: Warum sich die Spannungen zwischen den USA und China wegen des KI-Chips H20 weiter verschlechtern.
(Bild: Nvidia)
Nvidia bekommt wieder Probleme mit seinem China-Geschäft. Diesmal kommt der Rückenwind aus China selbst. Die oberste chinesische Cyberspace-Aufsichtsbehörde, die Cyberspace Administration of China (CAC) hat den US-Chiphersteller am 31. Juli zu einem schwierigen Gespräch in ihr Büro einbestellt.
Das Unternehmen solle erläutern, so die Kontrolleure, ob sein speziell für China entwickelter KI-Prozessor H20 über versteckte Zugangsmechanismen – sogenannte Backdoors – verfügt. Anschließend hat CAC auch eine offizielle Untersuchung des H20-Chips angeordnet. All dies ist einerseits Teil des US-chinesischen Chip-Krieges, andererseits aber haben diesmal US-Abgeordnete in Washington konkret dazu beigetragen, das Misstrauen in China zu schüren.
Backdoors in exportierte Chips einbauen
Im Mai dieses Jahres hat der Abgeordnete Bill Foster, ein Angehöriger der Demokratischen Partei im US-Repräsentantenhaus einen Gesetzentwurf eingebracht, der amerikanische Hersteller verpflichten soll, Backdoors in alle exportkontrollierten Chips einzubauen. Der Vorstoß aus dem US-Kongress wird auch von Republikanern unterstützt.
Foster ist ein promovierter Physiker und hat Erfahrung mit Chip-Design. „Als Chipdesigner des Kongresses, KI-Programmierer und promovierter Physiker weiß ich, dass wir über die technischen Mittel verfügen, um zu verhindern, dass leistungsstarke KI-Technologie in die falschen Hände gerät“, sagt er. „Da fortschrittliche KI-Chips nach China geschmuggelt werden und ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen, muss der Kongress handeln“, argumentiert Foster.
Ganz sicher schafft der Demokrat es, mit dieser Initiative in die Schlagzeilen zu kommen und seine politische Karriere zu fördern. Die parteiübergreifende China-Hysterie in Washington wird immer schlimmer und erinnert zunehmend an die Verfolgung, denen japanische Wissenschaftler und Geschäftsleute während des zweiten Weltkriegs in den USA ausgesetzt waren. Technisch hingegen ist das Tracking einzelner Chips bei echten Experten hochgradig umstritten. Unter anderem entstünde für jeden Nutzer ein erhebliches Sicherheitsrisiko, wenn er so leicht verfolgbare Chips verbaut. Im derzeitigen, anti-chinesischen Fieber ist es allerdings gut möglich, dass rationale Argumente am Ende keine besonders große Rolle spielen werden.
Nvidias Reaktion und die geopolitischen Spannungen
Die chinesische Behörde nahm nun direkt auf diesen Vorstoß im US-Kongress Bezug, um ihre Untersuchung des Nvidia-Chips zu begründen. „Nvidias KI-Chips sollen ernsthafte Sicherheitsrisiken bergen, und einige US-Gesetzgeber haben gefordert, dass fortschrittliche Chips für den Export mit Funktionen zur ‚Verfolgung und Standortbestimmung‘ ausgestattet werden“, heißt in einer von der CAC veröffentlichten Stellungnahme.
Nvidia reagierte noch am Tag seiner Einberufung ins Pekinger CAC-Büro mit aktivem Krisenmanagement. Es gebe in seinen „Chips keine ‚Hintertüren‘, die irgendjemandem einen Fernzugriff auf dessen Kontrolle oder eine Fernsteuerung ermöglichen würde“, heißt es in einer Pressemitteilung des Chip-Herstellers, die an die Nachrichtenagentur Reuters und viele andere Medien in China verschickt wurde.
Tracking (Ortung) und Remote Shutdown (Fernabschaltung) sind die Funktionen, die US-Chip-Hersteller nach dem Wunsch der Chinafalken im Repräsentantenhaus künftig in alle Halbleiter einbauen sollen, die nach China exportiert werden. Für Nvidia kommt die neue Kontroverse um den H20 zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Erst Ende Juli hatte Washington sein in diesem Frühjahr verhängtes Exportverbot des H20 für die Volksrepublik aufgehoben, nachdem China mit einem Export-Stopp für seltene Erden als Vergeltung für die all die US-Boykotte gedroht hatte.
Die Mühlen des geopolitischen Machtpokers
Nvidia-CEO Jensen Huang hatte die Wiederaufnahme der Exporte bei einer Reise nach Peking gerade erst persönlich bekannt gegeben. Für einen kurzen Moment hatte es so ausgesehen, als sei der Spagat zwischen Compliance in den USA und Erfolg im chinesischen Markt weiterhin in begrenztem Umfang möglich. Nun aber verschärft sich das Dilemma von Nvidia, das immer weiter zwischen die Mühlen dieses geopolitischen Machtpokers auf dem Rücken der Halbleiterindustrie zu geraten scheint.
Das Unternehmen verliert derzeit nicht nur bei der chinesischen Regierung, sondern auch in der chinesischen Halbleiter-Industrie immer weiter an Vertrauen. „Nvidia, wie können wir dir vertrauen?“, überschrieb die chinesische Volkszeitung (Renmin Ribao) ihren Bericht über den CAC-Termin. Das der Kommunistischen Partei Chinas nahestehende Blatt forderte den US-Konzern auf, „den Aufforderungen nachzukommen und überzeugende Sicherheitsnachweise zu liefern“, um das Vertrauen der chinesischen Kunden zurückzugewinnen. „Die Absicherung der Netzwerksicherheit ist so wichtig wie der Schutz des Staatsgebiets“, schrieb die Volkszeitung und warnte, China dürfe niemals „Sick Chips“ verwenden.
Stand: 08.12.2025
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Auch ein mit dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV verbundenes Wechat-Konto namens „Yuyuan Tantian“ schlägt alarmistische Töne an. Nvidias H20-Chip sei gleich mehrfach ungeeignet für China, heißt es da. „Wenn eine Chipserie weder umweltfreundlich noch fortschrittlich noch sicher ist, haben wir als Verbraucher selbstverständlich die Option, sie nicht zu kaufen“, heißt es in dem Kommentar.
Für den Vorwurf, der H20 sei nicht sicher, bleibt der Kommentator konkrete Beweise schuldig. Der Vorwurf, der Nvidia-Chip sei nicht fortschrittlich, ist allerdings schwer zu entwerten. Nvidia hatte den H20 als entschärfte Variante seines Hochleistungs-Chips H100 entwickelt, nachdem die USA Ende 2023 den Export des H100 nach China verboten hatten. Er ist ein Resultat eines Kompromisses, mit dem Nvidia zumindest einen Teil der Milliarden retten will, die es auf dem größten Halbleitermarkt der Erde verdient.
Huawei baut eigene KI-Chips
Zhou Hongyi, der Chef des chinesischen IT-Sicherheitsunternehmens 360, gab auf einer Konferenz in Peking seine Einschätzung zum besten, Nvidia habe bestimmt „keine Absicht, Hintertüren in seine Software einzubauen, aber die US-Regierung könnte es unter Druck dazu zwingen“. Er bezeichnete die Untersuchung der CAC als „völlig normal“ und regte an, Nvidia solle unabhängige Prüfer zur Inspektion seiner Chips einladen.
In gewisser Weise ist Nvidia jetzt tatsächlich nur zu ähnlichen Selbstverteidigungs-Maßnahmen gezwungen, die für viele chinesische Firmen im Ausland schon länger zum Alltag gehören. 2019 hatten die USA Telekom-Router des chinesischen Technologie-Konzerns Huawei unter Berufung auf angebliche Backdoors verboten. Sämtliche Beteuerung Huaweis, dies sei nicht der Fall, hatten damals nichts genutzt.
In China sind viele Unternehmen momentan noch auf KI-Chips von Nvidia angewiesen. Gleichzeitig aber arbeiten chinesische Konkurrenten, wie auch Huawei, mit Hochdruck daran, eigene Hochleistungs-Chips zu entwickeln, mit denen diejenigen von Nvida ersetzt werden können.
Der KI-Chip „Ascend 910C“ von Huawei erfreut sich bei chinesischen Internet-Giganten wie Baidu oder Alibaba zunehmender Beliebtheit. Marktbeobachter sagen voraus, dass der Marktanteil von Nvidia in China ab jetzt immer weiter fallen wird. Lag die „Lokalisierungsrate” heimischer, von chinesischen Unternehmen selbst hergestellter Chips im Jahr 2023 noch bei 17 %, so könnte sie bis bis 2027 auf 55 % steigen, heißt es in einer Prognose der amerikanischen Investment-Beratungsfirma Bernstein voraus.
Forderungen nach dem Einbau von Hintertüren in Washington und die vielen Export-Kontrollen für Nvidia helfen der chinesischen Konkurrenz nach Ansicht der Analysten in New York, nach und nach technologisch und auch am Markt aufzuholen. „Die US-Exportkontrollen haben eine einmalige Chance für inländische Anbieter von KI-Prozessoren geschaffen, da sie nicht mit den fortschrittlichsten globalen Alternativen konkurrieren müssen“, schreibt Bernstein, das auch auf die wachsende Bedeutung chinesischer Unternehmen Cambricon und Hygon verweist. (heh)