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Herr Lanz, vernetzt ist nicht nur das Auto, sondern auch das Gebäude – Stichwort Smart Building. Wie müssen in modernen Gebäuden die Bediensysteme für die unterschiedlichen Anwendungen aussehen?
In der nahen Zukunft werden Gebäude ähnlich wie automatisierte Fahrzeuge dank Vernetzung immer intelligenter und erkennen deshalb mein Nutzerverhalten, wie beispielsweise meinen Tagesrhythmus oder spezielle Temperaturvorlieben. Im Smart Home können heutzutage schon verschiedene Benutzerprofile angelegt werden, doch ist dieser Prozess für den Nutzer meistens immer noch mit großem Aufwand verbunden. Der Zukunft gehören deshalb – künstlicher Intelligenz sei Dank – selbstlernende Systeme mit einer intuitiven Bedienung, die mir einerseits die Freiheit geben, mich von lästigen Routine-Hausarbeiten wie Staubsaugen zu befreien, anderseits mich jedoch nicht in meiner Entscheidungsfreiheit bevormunden. Das Ziel ist nicht zwangsläufig alles zu automatisieren, denn der mündige Mensch wird gerne noch ein paar Aufgaben selbst in die Hand nehmen wollen. Wenn beispielsweise im Smart Home die Heizung per Einstellung automatisch um 22.00 Uhr abschaltet, ich aber länger aufbleiben will, dann muss ich die Möglichkeit haben auch ohne Studium des Betriebshandbuches eingreifen zu können.
Noch dominiert das elektronische Display mit und ohne Touchfunktion als Eingabemethode. Können Sie schon einen Trend abzeichnen, wie wir künftig in einer immer stärker vernetzen Welt mit den Dingen (IoT) kommunizieren?
Wie wir künftig kommunizieren werden, hängt stark davon, ob es uns gelingen wird, die Menschen auf dem Weg in die vernetzte Welt mitzunehmen. Für uns als Designer heißt das vor allem, Vorurteile und Ängste vor neuen Techniken abzubauen. Am besten funktioniert das, wenn der konkrete Mehrwert eines Produkts oder Service durch ein intelligentes, intuitiv bedienbares Interface für den Nutzern unmittelbar erlebbar wird. Das Wesentliche überlagernde Gimmicks braucht niemand. Es geht um einen möglichst einfachen Zugang zur Technik, bei der immer der Nutzen und nicht die Technik im Vordergrund steht. Welches Interface als Eingabemethode dann das richtige ist, hängt immer vom Kontext ab.
Generell werden wir in nicht allzu ferner Zukunft neben Touch-Oberflächen auch mehr sprachbasierte Interfaces haben, denn bald können wir mit intelligenten Maschinen richtig kommunizieren. Trotzdem wird auch die textliche Eingabemethode nicht verschwinden, denn je nach Situation kann diese Kommunikationsvariante die geeignetere sein: Stellen Sie sich vor, jeder würde in der U-Bahn oder am Arbeitsplatz anfangen, sich mit seinen intelligenten Geräten zu unterhalten – unmöglich.
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