Ergebnis der Elektronikpraixs-Blitzumfrage Wann Ingenieure für einen Job umziehen
Deutsche Arbeitnehmer haben den Ruf, nicht flexibel zu sein, wenn es um einen berufsbedingten Umzug geht. Elektronikpraxis wollte es genauer wissen und startete eine Online-Blitzumfrage.
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Marco Fuchs zieht um. Ein Hamburger Fertigungsunternehmen bietet dem Ingenieur aus München eine besser bezahlte Stelle. Doch ums Geld geht es ihm nicht. Die Stadt reizt ihn. Mit dieser Einstellung ist der Bayern nicht alleine: 25% aller Teilnehmer der Elektronikpraxis-Blitzumfrage „Würden Sie für die Karriere umziehen?“ sind der selben Meinung: Wenn sich der neue Arbeitsplatz an einem weniger attraktiven Ort befindet, kann dies nicht mit Geld oder mehr Verantwortung kompensiert werden. Nur 11% würden unabhängig von der neuen Heimat "Ja" zu einem Jobwechsel sagen.
Über der Karriere steht die Familie. 33% der Befragten gaben an, nur mit Einverständnis der Familie umzuziehen. „Konditionen der neuen Stelle und Nachteile für die gesamte Familie müssen abgewogen und von der Familie beschlossen werden“, kommentiert ein Leser. „Bei Umzug muss auch ein entsprechender Job für die Ehepartnerin zur Verfügung stehen, die Zeiten in denen nur der Mann das Geld verdient haben, sind vorbei“, schreibt ein Anderer.
26% der Umfrageteilnehmer lehnen einen Umzug grundsätzlich ab. Sie fühlen sich am aktuellen Wohnort wohl und möchten die Heimat nicht verlassen.
Auch das Eigenheim hält viele vom Umzug ab. „Wozu kauft man sich als Besserverdiener ein Häuschen, für das man bereit ist, 20 Jahre zu zahlen, wenn man es dann wegen eines neuen Jobs vermieten muss? Da muss man schon mal die ganze Rechnung auf machen und nicht nur den neuen Arbeitsvertrag betrachten.“, schreibt ein Ingenieur.
Mit einem Augenzwinkern muss man wohl den folgenden Kommentar verstehen: „Im eigenen freistehenden Bungalow ist die Inneneinrichtung optimal zur Architektur passend ausgewählt worden. Es würde zu viel Geld, Zeit und Nerven kosten, dies in einer neuen Stadt noch einmal durchzuziehen".
Auch andere Meinungen hat unsere Umfrage zu Tage gefördert: „Innerhalb von Deutschland wäre ein Wohnortwechsel für mich dann kein Problem“, schreibt ein Programmierer aus Stuttgart. „Ich habe mit 53 Jahren den Job gewechselt, weil die alte Stelle so langweilig war, dass ich mir nicht vorstelle konnte, noch weitere 15 Jahre bis zur Rente dort weiterhin fast die Hälfte des Tages inklusive Anfahrt zu verbringen. Wer weiß, dass er nur ein Mal lebt wird auch größere Entfernungen für einen attraktiven Wechsel in Kauf nehmen“, fügt ein Anderer hinzu.
Apropos Entfernung: Die Bundesagentur für Arbeit hält bis zu 2,5 Stunden Fahrzeit zum Arbeitsplatz für zumutbar. Gut, dass Ingenieure gefragt sind, denn für nur 5% der Umfrageteilnehmer ist tägliches Pendeln eine Option.
Marco Fuchs bleibt nicht. Er packt seine Koffer und tauscht Isar gegen Alster. 800 Kilometer zwischen München und Hamburg pendeln wollte er aus nachvollziehbaren Gründen nicht.
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