Drahtlose Kommunikation

Vor 121 Jahren: Die erste transatlantische Funkbrücke

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Pionierleistung oder Selbsttäuschung?

Auf Signal Hill in neufundländischen St. Johns empfing Marconi am 12. Januar 1901 um 12.30 die ersten transatlantischen Funksignale - so belegt es jedenfalls sein Tagebuch. Aus moderner Perspektive ist diese Pionierleistung allerdings umstritten.(Bild:  Signal Hill St John's NF 2.jpg / / CC BY-SA 3.0)
Auf Signal Hill in neufundländischen St. Johns empfing Marconi am 12. Januar 1901 um 12.30 die ersten transatlantischen Funksignale - so belegt es jedenfalls sein Tagebuch. Aus moderner Perspektive ist diese Pionierleistung allerdings umstritten.

Am 12. Dezember 1901 war es so weit. Um 16.30 britischer Ortszeit nahm die Anlage ihren Betrieb auf. Als Antenne wurden 500 Fuß (etwa 150 Meter) an Kabel mit Hilfe von Flugdrachen in die Luft geschickt, um das Signal zu senden. Und Marconi, der in der Empfangsstation auf Signal Hill wartete, notierte in seinem Tagebuch: „Signale um 12.30, 1.10 und 2.20". Drei kurze Töne, entsprechend dem S aus dem Morsealphabet. Man hatte sich im Vorfeld auf eine kurze Botschaft geeinigt, da man fürchtete, dass der Transmitter einem längeren Betrieb nicht standhalten würde.

Aus heutiger Sicht ist diese Pionierleistung allerdings umstritten. In St. Johns herrschte schlechtes Wetter, so dass kaum Zeugen zugegen waren, die sich von dem Empfang überzeugen konnten. George Kemp, Marconis Assistent, bestätigte zwar, schwache Klickgeräusche gehört zu haben. Doch heute ist man sich sicher, dass die Leistung der Sendeanlage auf Poldhu zu schwach war, um diese Distanz überhaupt überbrücken zu können. Marconi hatte an diesem windigen Tag an der neufundländischen Küste wohl nur atmosphärische Störungen wahrgenommen, die er als kurzes Knacken und Klicken interpretierte. In seiner Erwartung, etwas zu empfangen, hatte sich der Radiopionier womöglich selbst getäuscht.

Ob Täuschung oder Nicht: Mit dem Prinzip der Funkübertragung lag Marconi grundsätzlich richtig. 1902 konnte er die Sendeleistung der Anlage auf Poldhu erhöhen. Die amerikanische Marine führte im selben Jahr mit dem Kriegsschiff USS Philadelphia systematische Reichweitentests durch, die weitere Erkenntnisse erbrachten; etwa, dass der Empfang von Nachrichten in den Abendstunden besser und störungsfreier erfolgte als am späten Vormittag oder gegen Mittag. Auf diese Weise konnten bessere, zuverlässigere Funkübermittlungen in Angriff genommen werden.

Etwas mehr als ein Jahr später war es schließlich endgültig so weit: Die erste öffentliche, bestätigte Funkübertragung erfolgte am 18. Januar 1903: Die Marconi Wireless Station in Cape Cod, Massachusetts, übermittelte Grußbotschaften zwischen US-Präsident Theodore Roosevelt und dem König von England, Eduard VII. Das Zeitalter der Funktelegraphie hatte begonnen.

Mit seinen Experimenten zur drahtlosen Funkübertragung legte Marconi einen echten Meilenstein der Kommunikationstechnik. Radio, Fernsehen oder Mobiltelefonie: Ohne seine Entwicklungen und beständigen Verbesserungen der Funkreichweite wären all diese alltäglichen Technologien nie möglich geworden.

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