Meilensteine der Elektronik

Von der Floppy Disk zur SSD

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Zum Thema Flash kann ich noch eine Geschichte erzählen die zeigt, welche Ideen bereits mit Flash entstanden sind: Als Siemens sein Halbleiterwerk im Jahre 1999 ausgliederte und daraus Infineon wurde, gab es auch Flashbausteine. Hier kam man auf die Idee, den Rollfilm, der noch in jeder Kamera war, durch eine Flashkarte zu ersetzen.

Geplant waren Karten mit 64 MB, 128 MB und 256 MB und zwar dergestalt, dass der Anwender weniger auf die Speichergröße in Megabyte achten musste, sondern es wurde auf der Karte die mögliche Anzahl der Bilder angegeben. Bei Annahme von ca. 2,5 MB Speicherplatz pro Bild wurde die 64 MB Karte als „25 Bilder Karte“ angepriesen.

Man erhoffte sich sogar, dass der Anwender die Karten nicht löscht, sondern zuhause in eine Box legt und die Karte z.B. beschriftet mit: „Mallorca 2003“. Die Idee floppte, da die Flashkarten gegenüber dem Rollfilm preislich zu hoch waren und keiner den Preisunterschied zahlen wollte.

Anfang des Jahres traf ich auf der Messe embedded world in Nürnberg einige Entwickler eines globalen Unternehmens, die zu mir sagten: „Sie können sich bei uns melden, wenn der Preis für MLC-SSDs unter 0,30 Euro pro GB fällt und die Endurance überhaupt in unsere Spezifikation passt.

Heute setzt diese Firma die aktuellsten MLC-SSDs in verschiedenen Kapazitäten ein und hat schon fast vergessen, dass man vor kurzer Zeit gar keine MLC-SSD einsetzen wollte. So dynamisch ist die Speicherwelt und treibt einige Entwicklungen sogar schneller voran.

MLC-NAND-Flash-Struktur, 4000 mal dünner als ein Haar

Der Trend bei Flash geht in die nächste Runde mit 3D Flash-Technologie. Hier wird nochmals eine Stufe gezündet was Endurance und Performance betrifft und die Preise pro GB werden immer mehr in die Nähe der HDDs kommen.

Es dürfte kein Wunder sein, dass Western Digital im letzten Jahr die Firma SanDisk gekauft hat, um sich Know-How im Flash-Bereich für die Zukunft zu sichern. Es ist die Rede von einem Betrag in Höhe von 19 Mrd. Dollar. Dies ist ein Deal, der sich erstmal rechnen muss. Wow! Da geht doch die Post ab, oder?

Die Elektronikwelt ist schon etwas schizophren. Die Flashzellen wurden immer weiter ge-shrinkt und damit immer anfälliger gegenüber Bitfehlern durch Interferenzen und beidseitiger Beeinflussung, bedingt durch die feinen Strukturen.

Bei den aktuellen MLC-NAND-Flash sprechen wir immerhin von einer 15 nm Struktur. Ein menschliches Haar ist hierzu im Vergleich ca. 4000 mal dicker (ca 60.000 nm).

Die 3D-Flash-Technologie dominiert die nächsten Jahre

Unterm Strich haben die Flash-Hersteller aber ihre Arbeit gemacht und, obwohl die Flash-Speicher anfälliger wurden, einen Ausgleich durch immer bessere aber auch aufwendigere Firmware und Reserveflash vorgenommen, bei gleichzeitigem Preisverfall. Nur mit diesem Preisverfall konnte der Siegeszug schließlich angetreten werden und macht das heutige NAND-Flash so erfolgreich. Fast egal ob wir von Flashkarten oder von SSD reden. Speziell die SSD sind in aller Munde und ein Highlight.

Die 3D-Flash-Technologie wird die nächsten Jahre dominieren und durch Erhöhung der Lagen (wie beim Hochhaus die Stockwerke) den Preis pro GB weiter reduzieren. Damit wird das Ende der HDD immer mehr eingeläutet und ich würde mal sagen: „ wer möchte dann noch eine rotierende und schwere Festplatte, die langsamer und anfälliger ist als eine SSD?“

Somit würde ich rückblickend den Flashbaustein ganz oben ansiedeln, was Speicherentwicklung und Veränderung im elektronischen Markt gebracht hat.

* Robert Herth ist Senior BDM MSC Storage Solutions

(ID:44145735)