Elektroautos statt Smartphones Voll chinesischer Elektronik: Erstes E-Auto von Xiaomi

Von Henrik Bork* 3 min Lesedauer

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Chinas Elektronikindustrie baut sich ein Elektroauto. So lässt sich die Liste der Zulieferer für das erste Auto von Xiaomi interpretieren, die gerade bekannt geworden ist. Der große Hersteller von Verbraucherelektronik will eigenen Angaben zufolge im nächsten Jahr mit dem Verkauf von Elektrofahrzeugen beginnen.

Das erste Auto des Smartphone-Herstellers Xiaomi lehnt sich stilistisch stark an Teslas Model S an. Anders als der US-Hersteller verwendet der SU7 LiDAR-Technik. In der Grundversion kommt eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie von Fudi zum Einsatz, in der Pro- und Max-Variante ein Lithium-Ionen-Akku von CATL. Xiaomi lässt das Fahrzeug beim Staatskonzern Beijing Automotive Industry Holding Co. (BAIC) bauen. (Bild:  MIIT)
Das erste Auto des Smartphone-Herstellers Xiaomi lehnt sich stilistisch stark an Teslas Model S an. Anders als der US-Hersteller verwendet der SU7 LiDAR-Technik. In der Grundversion kommt eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie von Fudi zum Einsatz, in der Pro- und Max-Variante ein Lithium-Ionen-Akku von CATL. Xiaomi lässt das Fahrzeug beim Staatskonzern Beijing Automotive Industry Holding Co. (BAIC) bauen.
(Bild: MIIT)

Das chinesische Ministerium für Infrastruktur und Informationstechnologie (MIIT) hat die technischen Spezifikationen veröffentlicht, mit denen Xiaomi und seine OEM-Partner die Genehmigung zum Bau ihrer ersten Elektroauto-Serie beantragt haben. Die Liste der Komponenten-Lieferanten liest sich dabei wie ein „Who is Who“ der chinesischen Elektronikindustrie.

Ein Teil der elektronischen Komponenten kommen von der „Shanghai YCT Electronics Group Co., Ltd.“, die unter anderem Mikrocontroller (MCU) produziert, die zentralen Steuerungschips in modernen „Smart Cars“. Xiaomi hat gemeinsam mit der Provinzregierung von Hubei selbst in YCTMicro investiert. „Xiaomis erstes Auto, der SU7, demonstriert die Vorliebe des Unternehmens für in China hergestellte Elektronik und Komponenten,“ schreibt DigiTimes Asia. Das Auto sei ein Beweis dafür, wie weit China bei seinen Bemühungen um Autarkie im Bereich der Autochips bereits vorangekommen sei, kommentiert das Fachportal.

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Kostenvorteil für Auto-Abenteuer

Beim SU7 von Xiaomi werden voraussichtlich Software, Elektronik und das autonome Fahren im Mittelpunkt des Marketings stehen. Der Smartphone-Hersteller wird Marktbeobachtern zufolge versuchen, seine Elektronikkompetenz als Alleinstellungsmerkmal (USP) bei seinem ersten Auftritt im hart umkämpften Elektroauto-Markt in China stark zu betonen.

Gleichzeitig versucht der Elektronikproduzent, seine Partnerschaften und Geschäftsbeziehungen aus dem Bereich der Verbraucherelektronik in seinem Auto-Abenteuer als Kostenvorteil zu nutzen. Der führende chinesische Hersteller von Elektroautos und Hybriden, BYD, macht vor, wie die vertikale Integration günstige Produktionskosten ermöglicht, die dann über die Endpreise der Autos an die Verbraucher weitergegeben werden können.

Xiaomi hat in gesamte Lieferkette investiert

Das erste Elektroauto ist noch gar nicht da, aber in den vergangenen Jahren hat Xiaomi bereits in die gesamte Lieferkette für das elektrische und software-definierte Fahren in China investiert, darunter in Unternehmen die MCU, Chips für das autonome Fahren, Kommunikationschips, SiC-Halbleiter, Lidar, ADAS-Fahrassistenz-Lösungen, sowie Produkte für das vernetzte Fahren und das „smarte Cockpit“ produzieren.

Auch in Hersteller von Autobatterien, Lithium-Materialien, moderne Chassis-Systeme, optische Komponenten und Auto-OEM hat Xiaomi investiert, zum Teil über einen firmeneigenen Investmentfonds.

Auch Branchenneulinge liefern Elektronik

In den jetzt bekannt gewordenen Spezifikationen für die ersten Elektroautos von Xiaomi tauchen eine ganze Reihe chinesischer Elektronikhersteller auf, die bislang in der Autoindustrie des Landes nicht sonderlich prominent waren. So liefert Nanjing Sunlord Electronics Widerstände, Dioden und Transistoren, wenn auch über den Umweg eines Tier-1-Zulieferers.

In den Akkus finden sich Hochspannungs-Durchführungen von Jiangyin Electrical Alloy. Die Hochgeschwindigkeits-Antriebswellen liefert Wanxiang Qianchao.

Der Einstieg von Xiaomi in den Automarkt werde die Entwicklung zu immer intelligenteren Elektroautos weiter beschleunigen, was sich positiv auf die gesamte Lieferkette in der heimischen Autoindustrie auswirken kann, heißt es in einer Analyse von Sinolink Securities.

Xiaomi braucht neues Betätigungsfeld

Xiaomi musste mit ansehen, wie seine Umsätze auf dem schwächelnden Smartphone-Markt im zweiten Quartal dieses Jahres erneut um 4 Prozent gesunken sind. Es sieht ähnlich wie andere Elektronik- und Software-Riesen in China den Einstieg in den lukrativen Markt für Elektroautos oder dessen Komponenten als Investition in die eigene Zukunft.

Allerdings werden die Elektroautos von Xiaomi in einem Markt ankommen, der bereits von Überkapazitäten und einem intensiven Preiskampf geprägt ist. Die Firma wird also wohl alle Synergien dringend benötigen, die es aus der Sparte für Verbraucherelektronik in seine neue Autosparte überführen kann. (me)

* Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking.

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