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Die Verschlüsselung ist geknackt und nutzlos
Wegfahrsperren bestehen aus drei Hauptkomponenten: Einem kleinen Transponderchip, der sich in der Plastikummantelung des Autoschlüssels befindet. Einer Antenne, die im Armaturenbrett untergebracht ist, typischerweise in Nähe des Zündschloss/Starkknopf und die Wegfahrsperre selbst, die dafür sorgt, dass sich das Auto nicht starten lässt, wenn der Transponder abwesend ist.
Die Wegfahrsperre ist mit dem Bordcomputer verbunden (Electrical Control Unit) und verhindert das Kurzschließen des Autos. Früher wurde das durch die Blockierung der Benzinleitung, dem Abschalten der Zündkerzen und der Deaktivierung des Zündkreislaufs erreicht.
Mittlerweile geht der Trend dahin, die Wegfahrsperre so tief in der Elektronik zu integrieren, dass ein gestohlenes Fahrzeug praktisch wertlos wird. Das System kommuniziert über die Antenne mit allen Transpondern, die sich in Funkreichweite befinden. Erst wenn der berechtigte Schlüssel seine verschlüsselte Antwort schickt, schaltet sich die Sperre ab.
Wegfahrsperren sind dabei oft Ziel von Angriffen und es gibt einige Methoden, die Sicherung zu umgehen. Zum Beispiel lässt sich dem System durch einen Radioverstärker vortäuschen, dass sich der korrekte Transponder-Chip im Wagenraum befindet, obwohl der Schlüssel tatsächlich in der Hosentasche des Wagenbesitzers steckt, der im Bürogebäude nebenan sitzt.
Das Besondere am Angriff von Roel Verdult, Flavio Garcia und Baris Ege ist, dass sie tatsächlich die Verschlüsselung des Megamos-Transponders knacken konnten. Dazu haben sie einerseits den Chip komplett zerlegt und analysiert. Die mikrometerweise Abtragung des Chips per Poliermaschine war langwierig und schwierig, gab letztendlich aber Aufschluss über die Funktionsweise.
Die Software der Wegfahrsperre war dagegen schon seit Jahren im Web verfügbar. Mit einem Nachbau des Transponders konnten Sie mit der Prüfung auf Schwachstellen starten.Tatsächlich mussten die Ingenieure die Kommunikation zwischen Transponder und Wegfahrsperre nur zweimal auslesen und waren danach in der Lage, die Beschaffenheit des 96-Bit-Schlüssels deutlich einzugrenzen.
Da das System keine Anmeldungs-Limitierung besitzt, wie etwa die dreimalige PIN-Anmeldung beim Smartphone, konnten Sie den Schlüssel schließlich mit nur 196.607 Versuchen knacken (3 x 2^16). Dazu benötigten sie weniger als 30 Minuten. Fahrzeuge anderer Hersteller, die noch schwächere Schlüssel verwenden, waren sogar nach knapp 10 Minuten offen.
Vertuschen statt veröffentlichen
Dass Volkswagen versuchte, die Veröffentlichung der Lücke zu unterbinden, ist nicht weiter verwunderlich. Das Prinzip des Hacks ist zwar nicht trivial, für professionelle Autoschieber aber durchaus nachvollziebar.
Während sich viele digitale Schwachstellen in Fahrzeugen durch Firmware-Updates beheben lassen, sitzt beim Megamos-Crack der Schuldige aber im Autoschlüssel. Da sich die RFID-Einheit nicht ohne weiteres entfernen lässt, müssten neue Schlüssel angefertigt und ausgegeben werden – für Millionen Fahrzeuge weltweit. Ein unmögliches Unterfangen.
Nach zwei Jahren Verhandlung durfte die Arbeit nun mit kleinen Abänderungen doch veröffentlicht werden. Weder Volkswagen noch EM Microelectronics, die zum Schweizer Swatch-Konzern gehören, gaben bislang eine Stellungnahme ab. Das gehackte Megamos-Crypto-System wird in folgenden Fahrzeugen verwendet (allerdings nicht zwingend in allen Baureihen):
- Alfa Romeo: 147, 156, GT
- Audi: A1, A2, A3, A4, A6, A8, Q7, S2, S3, S4, S6, S8, TT
- Cadillac: CTS-V, SRX
- Chevrolet: Aveo, Kalos, Matiz, Nubira, Spark, Evanda, Tacuma
- Citroen: Jumper, Relay
- Daewoo: Kalos, Lanos, Leganza, Matiz, Nubira, Tacuma
- Ferrari: California, 612 Schaglietti
- Fiat: Albea, Doblo, Idea, Mille, Multipla, Palio, Punto, Seicento, Siena, Stilo, Ducato
- Honda: Accord, Civic, CR-V, FR-V, HR-V, Insight, Jazz, Legend, Logo, S2000, Shuttle, Stream
- Isuzu: Rodeo
- Iveco: Eurocargo, Daily
- Kia: Carnival, Clarus, Pride, Shuma, Sportage
- Lancia: Lybra, Musa, Thesis, Y
- Maserati: Quattroporte
- Opel: Frontera
- Pontiac: G3
- Porsche: 911, 968, Boxster
- Seat: Altea, Cordoba, Ibiza, Leon, Toledo
- Skoda: Fabia, Felicia, Ovtavia, Roomster, Super, Yeti
- Ssangyong: Korando, Musso, Rexton
- Volkswagen: Amarok, Beetle, Bora, Caddy, Crafter, Cross Golf, Dasher, Eos, Fox, Golf, Individual, Jetta, Multivan, New Beetle, Parati, Polo, Quantum, Saveiro, Santana, Scirocco, Touran, Tiguan, Voyage, Passat, Transporter
- Volvo: C30, S40, S60, S80, V50, V70, XC70, XC90, XC94
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