IGBT-Module

Vier praktische Methoden zur Messung der IGBT-Sperrschicht-Temperatur in Traktionsumrichtern

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Messung der IGBT-Temperatur über den Gate-Widerstand

Der hier betrachtete IGBT-Chip verfügt über einen internen Gate-Widerstand (RGINT) im Zentrum des Chips. Da dieser Widerstand eine bekannte Temperaturabhängigkeit hat, kann er für die Messung der Chip-Temperatur herangezogen werden. Ein wesentlicher Vorteil dieses Widerstandes ist, dass keine zusätzlichen Wärme-Kapazitäten vorhanden sind und seine unmittelbare Nachbarschaft zur Halbleiter-Sperrschicht des entsprechenden Chips. Die genaue Messung des Widerstands angesichts von Hochspannungs- und Strom-Transienten im IGBT-Modul stellt jedoch eine Herausforderung dar. Dafür wurde eine spezielle Schaltung für die Datenerfassung und den sicheren Datentransfer vom Messpunkt innerhalb des Inverters zur externen Labor-Peripherie entwickelt. Eine Schaltskizze des Messsystems zeigt Bild 3.

Bild 3: Temperatur-Messsystem entsprechend der RGINT-Methode (Archiv: Vogel Business Media)

Die Evaluierung zeigt, dass es möglich ist, gleichzeitig eine hohe Auflösung für Temperatur und Zeit zu erreichen. Das Messprinzip ist in der Tabelle 1 (4A) dargestellt. Es wird ein konstanter Teststrom von I0 = 500 mA durch die Force-Anschlüsse F1 und F2 eingeprägt, der einen temperaturabhängen Spannungsabfall am RGINT erzeugt. Diese Spannung wird als Temperatur-Indikator genutzt und an den Kontakten S1 und S2 gemessen. Die Temperaturabhängigkeit des Widerstand wird mit ΔRGINT/ΔT ~ 1,5 mΩ/K bestimmt. Die Spannungsauflösung von 500 mA × 1,5 mΩ/K = 0,75 mV/K erlaubt die Berücksichtigung von Temperaturabweichungen mit einer Genauigkeit von etwa 1 K.

Bild 4:Die Thermoanalyse visualisiert Schalt- und Leitungsverluste von IGBTs oder Freilauf-Dioden für verschiedene Schaltungskonfigurationen (Archiv: Vogel Business Media)

Da der interne Gate-Widerstand jedes IGBT-Chips mit einer bestimmten Toleranz variiert, benötigt man eine genaue Kalibrierungskurve. Die mittels RGINT gemessene Temperatur ist in Tabelle 1 (4C) dargestellt.

Die maximale Temperatur beträgt 67,4 °C mit einem Ripple von 5,9 K und einem Durchschnittswert von 64,5 °C. Damit kann die Temperatur eines IGBT im Inverter-Betrieb gut bestimmt werden. Der Verlauf über die Zeit zeigt eine gute Übereinstimmung mit der Simulation. Der Ripple ist etwa 2 K höher als simuliert. Die mit der IR-Kamera ermittelte Durchschnittstemperatur des IGBT c) stimmt mit dem Wert der RGINT-Methode sehr gut überein. Der Widerstand ist in der Mitte des Chips am Gate-Pad platziert, wo sich entsprechend den IR-Messungen kein Hot-Spot befindet. Damit liefert die RGINT-Methode eine lokale Temperatur, die etwa der mittleren Chip-Temperatur des IGBT entspricht.

Tabelle 2: Überblick der Messergebnisse im Vergleich zu den simulierten Temperaturen mit Tvjav = 65 °C und ?TvjRipple = 3,7 K (Archiv: Vogel Business Media)

*Waleri Brekel, Thomas Dütemeyer, Gunnar Puk, Oliver Schilling und Thomas Schütze sind Leistungselektronikspezialisten bei Infineon Technologies in Warstein.

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