Markt für Leiterplatten VdL/ZVEI erwartet Anstieg von Verbrauch und Produktion in Deutschland
Im Jahr 2007 wurde in Europa erstmals mehr Leiterplatten verbraucht als in Amerika. Zudem ist das Marktvolumen in Europa gegenüber dem Vorjahr um 14% gewachsen, meldet der Branchenverband VdL/ZVEI in seiner jüngsten Jahresstatistik. Inzwischen werden über 40% aller Leiterplatten aus europäischer Produktion in Deutschland gefertigt.
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Die Stimmung war so gut, wie schon lange nicht mehr bei der Vorstellung der Jahresstatistik des Verband der Leiterplattenindustrie (VdL) und der ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems auf der SMT/Hybrid/Packaging in Nürnberg. Sowohl für Deutschland als auch für Europa erwarten die Experten in diesem Jahr einen Anstieg des Verbrauchs in Europa und Deutschland sowie einen weiteren Anstieg der Produktion.
Bei den deutschen Leiterplattenherstellern sind die Auftragseingänge im ersten Quartal 2008 gegenüber Vorjahr um 12% gestiegen. Ein Grund sind Rückverlagerungen der Leiterplattenfertigung aus Asien. Qualität, Liefertreue, Transportprobleme und Versorgungsengpässe mit Energie haben die Nachfragen nach Leiterpaltten aus hiesiger Produktion ansteigen lassen. Allerdings macht der Kostendruck durch hohe Rohstoffpreise und Folgeprodukte der Branche zu schaffen.

Der Leiterplattenmarkt ist im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr weltweit um 8,7% auf 51,5 Mrd. US-Dollar gewachsen. Und auch für 2008 erwartet der VdL/ZVEI ein globales Wachstum von über 8%. Der weltweite Bedarf an Leiterplatten ist nach wie vor groß.
Den größten regionalen Umsatzanteil hatten im vergangenen Jahr mit etwa 73% Japan und Südostasien einschließlich China. Hiervon entfielen auf Japan 9,5 Mrd. US-Dollar (plus 3,8%) und Südostasien 28,1 Mrd. US-Dollar. Der größte Zuwachs wurde erneut in Südostasien mit 2,7 Mrd. US-Dollar oder plus 10,6% erzielt. Der amerikanische Markt wuchs um 3,3% auf 6,3 Mrd. US-Dollar.
2007 war der europäische Markt erstmals größer als der amerikanische. Das Marktvolumen in Europa ist um 800 Mio. US-Dollar auf 6,4 Mrd. US-Dollar gewachsen (plus 14,3%). Der Anteil am Weltmarkt beträgt 12,4%.
Wie in den Vorjahren war 2007 das Preisniveau für Rohstoffe sehr hoch. Kupfer und Rohöl ragen unter allen die Leiterplattenindustrie betreffenden Rohstoffen besonders hervor. Preistreiber sind Spekulationen angesichts großer Nachfrage aus Ländern wie China und Indien. Infolge der Rohölverteuerung stiegen auch die Kosten für Folgeprodukte wie Lacke, Epoxidharze, Filme und Resiste.
Produktionsrückgang in Europa, dennoch neue Arbeitsplätze

Das Produktionsvolumen betrug 2007 in Europa 2,5 Mrd. Euro und hat sich gegenüber 2006 mit 2,7 Mrd. Euro verringert. 2007 waren in Europa 320 Hersteller tätig, im Vorjahr waren es 342. Zum Jahresende 2007 hat die Branche in Europa unverändert fast 24.000 Mitarbeiter beschäftigt. Dies belegt, dass eine große Nachfrage nach Fachkräften herrscht und bestehende Betriebe Arbeitsplätze geschaffen haben.

Die Abnahme der Produktion in den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich, Schweiz fiel geringer aus. Im Jahr 2007 betrug das Produktionsvolumen 1.466 Mio. Euro, im Jahr 2006 1.501 Mio. Euro. Die Mitarbeiterzahl stieg 2007 um fast 400 auf knapp 13.000 an.
Industrieelektronik bleibt Hauptabnehmer

Hauptabnehmersegmente in Europa waren 2007 mit 31% die Industrieelektronik und mit 22,5% die Kfz-Elektronik, gefolgt von der Telekommunikation mit gut 17%. In die Konsumelektronik und Datentechnik wurden 5,2 bzw. 4,5% abgesetzt. Mit der Militärtechnik wurden fast 5% und der Medizintechnik 4,4% des Umsatzes getätigt. Auf sonstige Segmente entfielen etwa 10%.
Die Segmente Industrieelektronik und Medizintechnik haben Steigerungsraten von 12% und Militärtechnik von knapp 9%. Hier sind es im Besonderen die Kleinserien in anspruchsvoller Ausführung, die verstärkt im Inland vergeben werden. Im Jahr 2007 fanden zudem Rückverlagerungen nach Europa aufgrund von massiven Qualitätsproblemen bei einigen asiatischen Lieferanten statt.
Deutschland bleibt in Europa auf der Spitzenposition

Über 40% aller europäischen Leiterplatten werden in Deutschland produziert. Im Jahr 2007 wurden von 80 Leiterplattenherstellern mit 9.220 Mitarbeitern Leiterplatten im Wert von 1.039 Mio. Euro hergestellt.

Hauptabnehmersegment für die in Deutschland produzierten Leiterplatten war die Kfz-Elektronik mit 36,6%, gefolgt von der Industrieelektronik mit 30% und der Telekommunikation mit 10,7%. In das Segment Datentechnik wurden 7% geliefert, in die Konsumelektronik 4,7%. Auf die Medizintechnik entfallen zwei und auf Militärtechnik knapp 1%; sonstige 11%.
Die Zahl der in Deutschland Beschäftigten in der Leiterplattenbranche wuchs von 8.780 im Jahr 2006 auf 9.220 im Jahr 2007, das entspricht einer Zunahme von gut 5%. Überdurchschnittlich hoch ist mit 112.690 Euro auch der Pro-Kopf-Umsatz, im Vergleich zu Europa mit 106.535 Euro.
Positive Entwicklung in Deutschland hält an

Das Marktvolumen in Deutschland im Jahr 2007 betrug 1.445 Mio. Euro – eine Steigerung um 2,5%. Hauptabnehmersegmente waren die Kfz-Elektronik mit 33,6% und die Industrieelektronik mit 29,4%. Im Bereich Telekommunikation wurden 22% des Umsatzes abgesetzt, gefolgt von den Segmenten Datentechnik (9%) und Konsumelektronik (6,2%). Für das Jahr 2008 wird eine Steigerung um 2,6% auf 1.482 Mio. Euro erwartet.

„Um auf dem heutigen Markt weiterhin erfolgreich zu sein, müssen die Unternehmen flexibel und innovativ auf die Kundenwünsche eingehen“, so Dr. Wolfgang Bochtler, Vorsitzender des VdL. „Die enge Zusammenarbeit entlang der Lieferkette ist ein großes Plus für den Markterfolg. Zudem kann die hiesige Industrie weiche Standortfaktoren wie soziale Kompetenz und Kundennähe aufweisen. Diese sind unerlässlich bei beratungsintensiven Leistungen und Produkten.“
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