Finanzielle Neuaufstellung Batteriehersteller Varta kämpft mit hohen Schulden

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Mit einer finanziellen Restrukturierung will der Batteriehersteller Varta eine mögliche Insolvenz abwenden. Einen entsprechenden Antrag hat das Unternehmen beim zuständigen Amtsgericht gestellt. Von dem Schuldenschnitt könnte möglicherweise nur ein Großgläubiger profitieren.

Der Batteriehersteller Varta kämpft mit hohen Schulden. Mit dem Geschäft der Heimspeicher will das Unternehmen künftig Geld verdienen.(Bild:  Varta)
Der Batteriehersteller Varta kämpft mit hohen Schulden. Mit dem Geschäft der Heimspeicher will das Unternehmen künftig Geld verdienen.
(Bild: Varta)

Im Kampf gegen die hohen Schulden des Batterieherstellers Varta ist heute ein neues Kapitel aufgeschlagen worden: Durch einen radikalen Schuldenschnitt mit einem kurzfristig beim zuständigen Amtsgericht Ellwangen bei Stuttgart eingereichten Restrukturierungsplan nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -umstrukturierungsgesetz (StaRUG) konnte eine mögliche Insolvenz abgewendet werden. „Wir sind zuversichtlich, dass unser Restrukturierungskonzept eine solide Basis für die zukünftige Stabilität und Perspektive von Varta schafft“, erklärt Michael Ostermann, CEO von Varta.

Die Umsetzung des Restrukturierungskonzepts im StaRUG-Verfahren sichert Arbeitsplätze und schützt Gläubigerinteressen besser als mögliche Alternativszenarien. Für Varta steht dabei die Reduzierung der aktuellen Schulden im Fokus. Der Schuldenschnitt ist eine Vereinbarung zwischen dem Schuldner und seinen Gläubigern, die einen Teil der Schulden erlassen, um die finanzielle Stabilität des Unternehmens wiederherzustellen. Zu diesem Schritt wären die Gläubiger der Varta zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nur bereit, wenn ein Kapitalschnitt auf null erfolgt.

Dazu wird das bestehende Grundkapital auf null herabgesetzt. Frisches und für die Restrukturierung benötigtes Kapital muss eingebracht werden. Es kann aus Fremdkapital oder Eigen- und Fremdkapital bestehen. Durch den Kapitalschnitt auf null werden sämtliche der bestehenden Aktien ihren Wert verlieren und die Börsennotierung zeitnah dauerhaft eingestellt (Delisting). „Dieses Vorgehen ist notwendig, um die weitere Sanierung und den Neuanfang des Unternehmens zu finanzieren“, sagt Ostermann.

Hohe Schuldenlast und billige Konkurrenz

Derzeit ist das Unternehmen mit fast 500 Millionen Euro hoch verschuldet. Seit einiger Zeit kämpft das Unternehmen mit sinkenden Absatzzahlen und der Billigkonkurrenz aus China. Auch das Geschäft mit den Wallboxen kam nicht in Schwung. Laut Tagesschau liegt auch der Bau einer Fabrik für große Lithium-Ionen-Batterien auf Eis.

Der jetzt getroffene radikale Schnitt sei notwendig gewesen. „Die aktuelle Schuldensituation verbaut der Varta-Gruppe absehbar die Chancen auf ein positive Geschäftsentwicklung. Ohne die Reduzierung unserer Schulden können wir notwendige Investitionen nicht tätigen“, sagt Michael Giesswein, CRO bei Varta. Die Folge: Marktpotentiale können nicht erschlossen und Umsatzchancen nicht genutzt werden. Die Position des Unternehmens im Markt würde so von Jahr zu Jahr schlechter werden.

„Für Varta geht es bei dem Neuanfang nicht nur um einen jährlichen Umsatz von mehr als 800 Mio. Euro weltweit, sondern auch um den Erhalt der Geschäftsbeziehungen zu mehr als 3.000 Zulieferern sowie über 10.000 Handelspartnern, Fachhandwerksbetrieben und Kunden in über 100 Ländern“, hält Mark Hundsdorf CFO der Varta fest.

Ist ein Neuanfang möglich?

Für den Neuanfang will das Unternehmen wieder investieren: Ein Beispiel dafür ist das Geschäftsfeld Energy Storage, in dem die Varta langfristig positiv am wachsenden Heimspeichermarkt partizipieren kann”. Rainer Hald, CTO bei Varta ergänzt: „Mit der Sicherung der Schlüsseltechnologie 'Batterie' am Standort Deutschland leisten wir einen entscheidenden Beitrag zur wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit und Unabhängigkeit Europas. Unser Ziel ist es, dem Unternehmen mit dem Restrukturierungskonzept eine Zukunft zu schaffen, um genau dies auch weiterhin tun zu können.“

Neue Finanzgläubiger und Investoren sollen den Finanzbedarf im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich decken. Dazu werden Gespräche geführt. Unter anderem mit einer vom bisherigen indirekten Mehrheitseigentümer DDr. Michael Tojner beherrschten Gesellschaft, der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, sowie weiteren Interessenten.

Doch große Gläubiger sehen den Plan von Varta sehr skeptisch. Auf Tagesschau heißt es, dass die großen Gläubiger von der geplanten Kapitalerhöhung ausgeschlossen wären. Die Möglichkeit, nach dem Kapitalschnitt frisches Geld zu geben und damit weiter am Unternehmen beteiligt zu sein, bliebe dem bisherigen Mehrheitsaktionär und Porsche vorbehalten. Dies widerspreche einer fairen Gleichbehandlung.(heh)

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