ZVEI-Mikroelektronik-Trendstudie

USA und Asien dominieren die Branche

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Halbleiterfertigung – eine exklusive Industrie

Die bisherigen Betrachtungen waren auf die vier Regionen bezogen, in die die Halbleiterwelt eingeteilt ist, nämlich Amerika, Europa – oder besser EMEA –, Japan und Asien/Pazifik. Innerhalb der vier Regionen sind aber nur wenige Länder in diesem Industriezweig tätig. Tatsächlich wurden 2011 99 Prozent der Umsätze von Firmen aus fünf Ländern der Welt erzeugt, wobei die Europäische Union hierbei als ein Land betrachtet wird. Aber auch in der EU existiert nur in wenigen Ländern eine nennenswerte Mikroelektronikindustrie. Insgesamt gibt es in 17 Ländern der Welt Halbleiterhersteller.

Während der letzten fünf Jahre hat es keine wesentliche Veränderung gegeben, lediglich eine Verschiebung der Anteile zwischen den ohnehin im Mikroelektronikbereich aktiven Ländern. Der Anteil von Firmen aus allen anderen Ländern an der weltweiten Produktion nahm um 0,5 Prozentpunkte auf nunmehr genau 1,2 Prozent zu.

Nach wie vor beherrschen Firmen aus den USA mit einem Anteil von 50 Prozent am Weltmarkt nicht nur das Geschehen in Amerika – alle anderen Länder der Region zusammen halten einen Anteil von weniger als 0,5 Prozent – sondern auch das der weltweiten Halbleiterindustrie. Auf dem zweiten Rang folgen japanische Firmen mit einem Anteil von 20 Prozent, gefolgt von den Koreanern, die sich im Wesentlichen durch den sehr guten Speichermarkt auf den dritten Platz im weltweiten Ranking verbessern konnten. Der Anteilsrückgang japanischer Firmen wurde wesentlich durch die Folgen des schweren Erdbebens im Frühjahr 2011 verursacht. Es ist davon auszugehen, dass sich die Situation der japanischen Firmen in diesem Jahr wieder normalisieren wird.

Europa nur noch auf dem vierten Platz

Die europäischen Hersteller sind mit nur noch 9 Prozent auf den vierten Platz zurückgefallen, die sich aufteilen auf Firmen aus Deutschland (3,4 Prozent), Frankreich/Italien (3,2 Prozent), Niederlande (1,3 Prozent) sowie Großbritannien, Österreich, Skandinavien, Belgien und Spanien, die zusammen etwa einen Anteil von 1,1 Prozent haben. Frankreich und Italien werden gemeinsam betrachtet, da der mit weitem Abstand größte Halbleiterhersteller in diesen Ländern, die Firma STMicroelectronics, länderübergreifend arbeitet.

Taiwanesische Halbleiterhersteller, die den fünften Rang einnehmen, erwirtschaften etwa die Hälfte des Marktanteils von nahezu 6 Prozent durch Speicherbausteine. In dieser Betrachtung sind die Pure-Play-Foundries nicht berücksichtigt, da es sonst zu einer erheblichen Doppelzählung der Umsätze käme. Es muss aber erwähnt werden, dass die taiwanesische Halbleiterindustrie stärker als jede andere von den meist amerikanischen Fabless-Firmen abhängt. Umgekehrt hängt aber auch ein zunehmender Teil dieser Firmen von zwei Foundries aus Taiwan ab.

Chinesische Halbleiterhersteller spielen mit einem Weltmarktanteil von weniger als einem Prozent nach wie vor noch keine wesentliche Rolle für diese Industrie. Wegen der sehr hohen Investitionen in der Halbleiterindustrie und des inzwischen deutlich abgeflachten Wachstums des Halbleitermarktes wird sich daran auch in absehbarer Zukunft voraussichtlich nicht viel ändern. Möglichkeiten für einen Ausbau ihres Marktanteils haben chinesische Firmen nur durch Zukauf von amerikanischen oder europäischen Halbleiterherstellern. Dies ist insofern bemerkenswert, als China als Abnehmer mikroelektronischer Bauelemente ein rasantes Wachstum hinter sich hat und im Jahr 2009 an die erste Stelle als Markt für Mikroelektronik gerückt ist.

Etwas anders sieht die Situation aus, wenn man die Produktionsstandorte von Waferfabs betrachtet. Auch hier ist eine hohe, aber etwas anders gelagerte Konzentration zu sehen. Mehr als 97 Prozent aller Wafer werden in 7 Ländern der Welt prozessiert, wobei auch hier die Europäische Union als ein Land betrachtet wird. Japan nimmt dabei mit 22 Prozent der weltweiten Fertigungskapazität den ersten Rang ein, gefolgt von Taiwan (18 Prozent), Südkorea (17 Prozent), USA (13 Prozent), China (10 Prozent), Europäische Union (9 Prozent) und Singapur (7 Prozent). Innerhalb der EU ist die Verteilung ähnlich wie oben bereits beschrieben. Die Anteile der Fertigungskapazität in den EU-Ländern an der Weltproduktion sind: Frankreich/Italien (3,4 Prozent), Deutschland (2,9 Prozent), Irland (0,9 Prozent), Österreich (0,8 Prozent), Großbritannien (0,6 Prozent) und die Niederlande (0,3 Prozent) (Bild 16).

Die Verlagerung der Fertigungskapazität folgt einem ähnlichen Muster wie die Umsatzentwicklung der Firmen aus den jeweiligen Ländern. Ihr Anteil ging in Japan um etwas weniger als 2 Prozentpunkte, in Europa um etwas mehr als 2 Prozentpunkte und in den USA sogar um 4 Prozentpunkte zurück. Der Rückgang in den USA, Japan und Europa geht einher mit einem weit überdurchschnittlichen Aufbau in Taiwan und Südkorea, wo der Anteil an der weltweiten Waferproduktion um 3 Prozentpunkte beziehungsweise 0,5 Prozentpunkte gesteigert wurde. Auch in China stieg der Produktionsanteil mit rund 3 Prozentpunkten deutlich. Nach der derzeit bekannten Planung für Fab-Neubauten ist davon auszugehen, dass sowohl Korea als auch Taiwan Japan in den nächsten Jahren vom ersten Platz erdrängen werden.

Ein Verhalten das sich von der Umsatzentwicklung erheblich absetzt, ist in den USA zu beobachten. Wie oben bereits erwähnt, ist der Anteil amerikanischer Firmen am Verkauf von Mikroelektronik mit nahezu der Hälfte des Weltmarktes konstant geblieben. Der Fertigungsanteil dieser Firmen ist aber um nahezu 5 Prozentpunkte zurückgegangen. Der Grund hierfür liegt zu einem Teil in der Fertigungsverlagerung in asiatische Länder und zu einem größeren Teil in der Zunahme der Fabless-Industrie speziell in den USA. Diese lassen ihre Produkte weitgehend in Pure-Play-Foundries aus Taiwan, China und inzwischen auch in Deutschland fertigen. Der Anteil von Fabless-Firmen aus den USA ist mit 76 Prozent am Weltmarkt noch deutlich größer als der der IDMs.

Die Tatsache, dass in China 10 Prozent der Fertigungskapazität vorhanden ist, obwohl chinesische Firmen weniger als ein Prozent des Weltmarktes halten, zeigt, dass viele ausländische Firmen dort investieren. Wie bereits erwähnt, wird China als Markt immer wichtiger, sodass die Halbleiterhersteller anderer Länder die Notwendigkeit sehen, dort präsent zu sein. Bemerkenswerterweise werden aber zumindest von nichtchinesischen Firmen dort keine Leading Edge Prozesse eingesetzt.

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