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Die deutsche Distribution nach der Krise

Zurzeit sieht die Lage auf dem Markt sehr positiv aus. Immer wieder werden astronomische Wachstumsraten im Vergleich zum Vorjahr in der Presse veröffentlicht. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass eine Erhöhung von 1 auf 2 schon eine 100%tige Steigerung bedeutet. Angaben mit realen Zahlen im Vergleich zu 2008 wären realistischer. Trotzdem sollte man die reale Marktsituation nicht aus dem Auge verlieren die sich zur Zeit wie folgt darstellt: Ein sehr hoher Nachholbedarf an elektronischen Bauelementen seitens der guten Auftragseingänge in der Industrie, aber auf der anderen Seite nicht genügend verfügbare Produktionskapazitäten seitens der Bauelemente-Hersteller, mit der Folge, langer Lieferzeiten bis zur Allokation.
Auf Grund der abschwächenden Dynamik in der globalen Industrie und den steigenden und verfügbaren Produktionskapazitäten, wird bei den Halbleitern mit einer Normalisierung der Lieferzeiten schon in den ersten zwei Quartalen 2011 gerechnet.
Dieser schlagartige Nachholbedarf und die geringe Verfügbarkeit an elektronischen Bauelementen, birgt eine sehr große Gefahr im Orderbook, die Doppel- und Dreifachbestellungen der Industrie bei Ihren Lieferanten.
Im Falle einer Normalisierung der Lieferzeiten werden diese Bestellungen sofort storniert und es entsteht ein großer Überhang, den es erst einmal abzubauen gilt.
2011 rechnet Europartners Consulting mit einem durchschnittlichen Wachstum von 5%
Ab 2011 wird für die deutsche Wirtschaft wieder mit normalen Wachstumsraten gerechnet. Die Zuwächse in der Distribution elektronischer Bauelemente werden sich im Schnitt bei 5% plus minus x bewegen. Großartige Wachstumstreiber sind vorläufig nicht in Sicht, trotzdem bietet der Markt ein enormes und nachhaltiges Wachstumspotenzial für die Unternehmen, die sich den neuen Herausforderungen anpassen.
Die deutsche Elektro- und Elektronikindustrie ist eine innovative Industrie. Massen- und Konsumgüterproduktionen wie in Fernost sind in Deutschland kaum vorhanden. Dafür werden innovative Produkte mit Weltgeltung entwickelt und in kleineren bis mittelgroßen Stückzahlen produziert. Um die internationale Konkurrenzfähigkeit zu bewahren, werden von der gesamten Wertschöpfungskette immer mehr innovative Lösungen verlangt.
Das reine Bauelementegeschäft in der Distribution wird in den nächsten Jahren zu einem Nebengeschäft mutieren, gekennzeichnet von einem harten Konkurrenzkampf und niedrigen Margen.
Alle bisher angebotenen Dienstleistungen speziell im Logistikbereich werden oder sind schon jetzt „State of the Art“ und werden keine zusätzlichen großartigen Einkommensquellen sein.
Wollen Distributoren erfolgreich sein, müssen sie Systemlösungen anbieten
Erfolgreich werden in der Zukunft die Unternehmen sein, die die Anforderungen ihrer Kunden hinsichtlich Systemlösungen erfüllen können. Für viele kleinere Distributoren wird dies eine technologische Herausforderung an Wissen, Produkten und technischem Personal bedeuten, wenn sie langfristig überleben wollen.
In den nächsten zehn Jahren werden sich neue Wachstumsfelder entwickeln, die der Distribution neue Marktchancen eröffnen. McKinsey hat in seiner Studie „Willkommen in der volatilen Welt“ für die deutsche Industrie, 50 beispielhafte Wachstumsfelder definiert. Einige davon betreffen auch die Elektro- und Elektronikindustrie. Dazu zählen die Leistungselektronik, mit Elektroautos, Beleuchtungstechnik, Solar- und Windkraftenergie, Solartechnik, effiziente Heizsysteme und Ladetechnik und Steuerung für Akkumulatoren.
Weitere Wachstumsfelder bieten Sensorik und Datentransfer, Sicherheit, Gesundheit und die digitale Welt.
Die Distribution in Deutschland steht somit am Scheideweg: Will sie die neuen Herausforderungen meistern, muss sie jetzt anfangen zu investieren, neue Wege zu suchen und Lösungen ausprobieren, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Investiert werden muss in erster Linie in Personal mit einem hoch technologischen und wirtschaftlichen Background sowie in den Aufbau von funktionierenden Netzwerken, speziell um die Lücken zu füllen, die im eigenen Unternehmen nicht abgedeckt werden können.
* *Ingo Gürtlerist Senior Partner & Business Analyst bei Europartners Consultants Deutschland
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