TSMC hat eine Klage gegen den ehemaligen Senior Vice President Wei-Jen Lo eingereicht. Im Raum stehen Verstöße gegen Vertraulichkeits- und Wettbewerbsauflagen nach dessen Wechsel zu Intel. Intel dementiert diesen Vorwurf.
Wei-Jen Lo, bis Juli diesen Jahres Senior Vice President bei TSMC und nun Vice President für Forschung und Entwicklung bei Intel. TSMC wirft dem führenden Manager vor, seinen ehemaligen Arbeitgeber über die Gründe seines Ausscheidens getäuscht und wichtige Indistriegeheimnisse an seinen Konkurrenten in der Halbleiterfertigung weitergegeben zu haben.
(Bild: TSMC)
TSMC hat gegen seinen früheren Senior Vice President Wei-Jen Lo eine Klage beim taiwanischen Intellectual Property and Commercial Court eingereicht. Das Unternehmen sieht Hinweise darauf, dass Lo seine vertraglichen Pflichten nach dem Ausscheiden nicht vollständig eingehalten hat.
Verstoß gegen Kündigungsauflagen und Weitergabe von Fertigungsdetails
Im Zentrum steht der Vorwurf, Lo habe bei seinem Wechsel zu Intel gegen eine vereinbarte Wettbewerbsbeschränkung verstoßen. Während seines Austrittsgesprächs soll er erklärt haben, eine akademische Laufbahn anzustreben. Tatsächliche Wechselabsichten habe er nicht offengelegt.
TSMC begründet die Klage außerdem mit dem Verdacht einer möglichen Weitergabe von sensiblen Prozessinformationen. Laut mehreren taiwanischen Medien soll Lo in den Monaten vor seiner Pensionierung umfassende Briefings von Entwicklungs-, Produktions- und Finanzbereichen eingefordert haben. Interne Quellen berichten, dass dabei auch Materialien zu 2-nm-, A16- und A14-Technologien zusammengetragen wurden.
Ob TSMC allerdings auch konkrete Beweise für das Abfließen von sub-2-nm-Technologien vorlegen kann, geht aus den aktuellen Medienberichten nicht hervor. Das Unternehmen betont aber, dass Lo bereits im Frühjahr 2024 in eine Strategieeinheit ohne direkten Zugang zu Entscheidungen aus der Forschung und Entwicklung versetzt worden war. Dennoch habe er weiterhin Inhalte aus technischen Bereichen angefragt. Dies werfe nun rückblickend Fragen zu seinen Motiven auf.
Intel bestreitet Vorwürfe
Intel ist über die Klage bereits in Kenntnis gesetzt worden. Der amerikanische Chiphersteller weist die Vorwürfe zurück. CEO Lip-Bu Tan bezeichnete sie als reine Spekulation. Er verwies darauf, dass es bei Intel strikte interne Kontrollen gebe, die die Nutzung fremder Informationen von vornherein ausschließen. Das Unternehmen betont zudem, dass Personalwechsel innerhalb der Branche üblich und unkritisch seien.
Da der Fall komplex sei, nehme sich Intel für eine endgültige und umfassendere Stellungsnahme noch weitere Zeit. In Branchenkreisen wird diskutiert, ob Intel Lo vorerst von einigen Verantwortlichkeiten fernhalten könnte.
Schwächen bei TSMCs internen Kontrollen?
Taiwans Behörden haben unabhängig davon Vorermittlungen aufgenommen. Die Intellectual Property Branch der Staatsanwaltschaft will klären, ob Straftatbestände vorliegen oder ob der Vorgang ausschließlich zivilrechtlich zu behandeln ist. Erschwert werden mögliche Nachweise dadurch, dass einige der angeforderten Unterlagen reguläre interne Berichte waren, die Mitarbeitern üblicherweise zugänglich sind. Sollte Lo behaupten, keine Materialien mitgenommen oder alles vernichtet zu haben, könnte TSMC vor juristischen Hürden stehen.
Branchenexperten von Trendforce weisen darauf hin, dass der Fall gewisse Parallelen zu einem früheren 2-nm-Leak aufweist, bei dem Ingenieure bereits angeklagt wurden: Laut der Wirtschaftszeitung Economic Daily News hat die taiwanesische Staatsanwaltschaft am 27. August drei Ingenieure von TSMC wegen Diebstahls nationaler Kerntechnologiegeheimnisse angeklagt und fordert gemäß den Gesetzen zur nationalen Sicherheit und zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen Haftstrafen von 7 bis 14 Jahren. Der Fall ist besonders heikel – nicht nur, weil er die hochmoderne 2-nm-Technologie von TSMC betrifft, sondern auch, weil einer der ehemaligen Mitarbeiter inzwischen zu Tokyo Electron gewechselt ist, einem wichtigen Ausrüstungslieferanten von TSMC, der Verbindungen zu Rapidus hat, Japans staatlich unterstütztem 2-nm-Herausforderer.
Da es allerdings im Fall Lo bislang keine Belege für den Abfluss geschützter Kerntechnologien gebe, ändert das den Charakter des Verfahrens. Gleichzeitig erscheint der Umstand noch einmal brisanter, da es sich hierbei nicht um Entwickler, sondern einen ehemaligen führenden Manager handelt.
Gleichzeitig zeige der Vorgang Trendforce zufolge Grenzen in TSMCs internem Schutzsystem auf. Vor allem bei Führungskräften mit langjähriger Verantwortung scheint die Kontrolle über Informationszugriffe ausbaufähig. Das Unternehmen will dieses Thema intern weiter prüfen.
Für die Branche bleibt nun entscheidend, ob die Ermittlungen konkrete Resultate bringen und ob sich die Vorwürfe erhärten. Bis dahin betonen sowohl TSMC als auch Intel, dass das Verfahren die laufenden Projekte nicht beeinflusst und man den weiteren Verlauf sorgfältig beobachten werde.(sg)
Stand: 08.12.2025
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