Halbleiterkonzerne in der Zwickmühle Trotz US-Sanktionen: Westliche Tech-Konzerne sponsern Halbleiterkonferenz in China

Von Michael Eckstein 3 min Lesedauer

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Eine chinesische Halbleiterkonferenz offenbart das Dilemma, in dem westliche Hersteller stecken: Obwohl sie von der US-Regierung initiierten Handelsbeschränkungen unterliegen, finanzieren Konzerne wie Applied Materials, Lam Research und KLA-Tencor die Veranstaltung als Hauptsponsoren. Tenor: Man will den riesigen Wachstumsmarkt nicht aufgeben.

Millionen-Metropole Guangzhou: Westliche Halbleiterkonzerne wollen Chinas Riesenmarkt nicht aufgeben.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Millionen-Metropole Guangzhou: Westliche Halbleiterkonzerne wollen Chinas Riesenmarkt nicht aufgeben.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Mit enormen Anstrengungen – und offenbar grenzenlosen staatlichen Subventionen – hat sich Chinas Halbleiterindustrie in den letzten Jahren erstaunlich weit entwickelt. Mittlerweile können große Fabs wie SMIC Halbleiter mit 14-nm-Technologieknoten in Massen fertigen. Derzeit versucht man, 7-nm-Prozesse auf die Schiene zu bringen.

Allerdings müssen die Ingenieure auf die eigentlich dafür notwendige EUV-Lithographietechnik, die mit kurzwelliger, extrem ultravioletter Strahlung arbeitet, verzichten: Der Hersteller und Monopolist für diese komplizierten und extrem teuren Anlagen, der niederländische Konzern ASML, darf sie aufgrund bestehender US-Handelssanktionen nicht nach China liefern. Auch der eng mit Deutschland verknüpfte Konkurrent Applied Materials sowie die Fabrikausrüster Lam Research und KLA-Tencor sind von den Ausfuhreinschränkungen in Richtung China betroffen.

Chinesischer Markt: Too big to let go?

Und nun das: Wie die Wirtschaftszeitung Asia Nikkei unter Bezug auf die Konferenzunterlagen berichtet, zählen unter anderem die genannten Konzerne sowie der deutsche Industriekonzern Siemens zu den Hauptsponsoren einer Halbleitertechnologie-Konferenz in China, die letzte Woche in Guangzhou stattgefunden hat.

Das hochkarätige Sponsoring zeigt klar: Die führenden Akteure der Branche sind bestrebt, trotz immer weiter verschärfter Handelsboykotte gegenüber der Volksrepublik mit eben dieser in Verbindung zu bleiben. Das ist wenig verwunderlich, schließlich befindet sich dort der weltweit größte Markt für integrierte Halbleiterchips und die für ihre Herstellung nötigen Fertigungsanlagen.

Umsätze mit China trotz Embargo nur leicht rückläufig

Nach Angaben des Branchenverbands Semi stand China 2022 zum dritten Mal in Folge an der Spitze des weltweiten Absatzes von Halbleiterfertigungsanlagen. Mehr noch: Die Verkäufe machten den Erhebungen zufolge fast 30 Prozent des weltweiten Gesamtvolumens aus und gingen nur um 5 Prozent zurück – trotz der Unterbrechungen durch die – Ende letzten Jahres beendeten – Null-COVID-Sperren und des Drucks der US-Handelsbeschränkungen.

Die großen westlichen Player der Branche stehen vor einem Dilemma: Wenn ihr Geschäft in China einbricht, mindert dies massiv ihre Gewinne und schlägt voll auf ihre Bilanzen durch. Und, fast noch schlimmer: Man tritt enorme Wachstumschancen an chinesische Konkurrenten ab. Es ist wie die Wahl zwischen Pest oder Colera.

China ist erst einmal ausgebremst – doch für wie lange?

Bislang scheint die chinesische Chipindustrie an der 7- bis 10-nm-Schwelle erst einmal ausgebremst zu sein: Ohne die EUV-Anlagen von ASML – sowie Ersatzteile und Support – und auch Hightech-Ausrüstungen anderer Hersteller scheint eine weitere Skalierung in Richtung 3- und 2-nm-Technologieknoten bis auf Weiteres nicht möglich zu sein. Diese stellen das derzeit Machbare für angehende Volumenproduktionen dar. Neben dem marktführenden Auftragsfertiger TSMC implementieren auch Samsung und Intel mit seinen Intel Foundry Services (IFS) gerade beziehungsweise in den nächsten Jahren Fertigungslinien dafür.

Wei Shaojun, Professor für Mikroelektronik an der Tsinghua-Universität, gab sich laut Nikkei Asia auf der Konferenz kämpferisch: Trotz der Versuche, China in den fortgeschrittenen Bereichen zurückzudrängen, werde Peking seine Bemühungen zur Förderung der Eigenständigkeit bei Halbleitern nach „chinesischem Vorbild“ beschleunigen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass laut Konferenzunterlagen für einige Sponsoren Präsentationen auf der Veranstaltung geplant waren, die aktuelle und zukünftige Entwicklungspläne beleuchten sollten.

Wei ist überzeugt, dass es sich die Unternehmen der globalen Chipindustrie angesichts der Größe des chinesischen Marktes kaum leisten können, eben diesen aufzugeben. (me)

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