Um sich hohen Margen zu sichern, lässt der US-Konzern Apple wie viele andere Tech-Unternehmen einen Großteil seiner Produkte in China fertigen. Trotz zunehmender geopolitischer und wirtschaftlicher Spannungen nimmt dieser Anteil weiter zu – und mit ihm die Abhängigkeit von der Volksrepublik.
Chinesiche Unternehmen fertigen nach höchsten Qualitätsstandards Produkte für westliche Unternehmen – etwa für den US-amerikanischen Tech-Riesen Apple.
(Bild: Apple)
Apple verstärkt seine strategische Kooperation mit seinen wichtigsten Zulieferern in China. Die Firma Luxshare in Shenzhen soll bei der Entwicklung von AR-Geräten für Apple eingebunden werden, berichtet die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei Asia. Gleichzeitig baut der taiwanesische Zulieferer Foxconn seine „iPhone City“ in Zhengzhou weiter aus.
Die beiden Entwicklungen klingen im aktuellen Kontext beinahe paradox, denn eine stetige Flut von Meldungen und Presseberichten aus Washington thematisiert die „Abhängigkeit Apples von China“ und berichtet von dem politischen Druck auf den wertvollsten Tech-Konzern der USA, seine Lieferketten aus China abzuziehen und in Drittländer zu verlegen.
Apple setzt bei AR auf Partner aus China
Doch bei „Augmented Reality“ setzt Apple nun in einem Maß auf einen Partner aus der Volksrepublik China, dass es so noch nicht gegeben hat. Erstmals soll mit Luxshare ein chinesischer Fertigungspartner an der Entwicklung eines Apple-Produktes der ersten Generation beteiligt werden, berichtet die angesehene japanische Wirtschaftszeitung nach Interviews mit Mitarbeitern vor Ort.
Das im südchinesischen Shenzhen beheimatete Luxshare soll das Entwicklungsteam der taiwanesischen Firma Pegatron in Shanghai übernommen haben, das an der Entwicklung der ersten Generation von AR-Brillen beteiligt ist, berichtet Nikkei Asia.
Dieser Wechsel von Pegatron zu Luxshare wäre ein wichtiger Meilenstein für die chinesische Elektronikindustrie, weil Apple damit erstmals einem Unternehmen aus der Volksrepublik die höchste Anerkennung für die Qualität seiner Fertigung und seine Innovationsfähigkeit zollt – nicht mehr nur Unternehmen aus Taiwan.
„In früheren Jahrzehnten hat sich Apple auf Zulieferer wie Foxconn verlassen, um die jeweils erste Generation seiner Produktlinien zu entwickeln“, heißt es in dem Bericht. Nun bekomme erstmals eine Firma in der Volksrepublik diesen Ritterschlag. Die sei insbesondere vor dem Hintergrund der geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China bemerkenswert, schreibt Nikkei.
Luxshare: Von iPhone-Kabeln hin zu AR-und VR-Technologie
Die Zusammenarbeit zwischen dem taiwanesischen Pegatron und Apple hat in jüngster Zeit unter einer Reihe von Problemen gelitten. Luxshare hingegen, das von der chinesischen Milliardärin und ehemaligen Foxconn-Angestellten Grace Wang geführte Unternehmen, ist ein aufsteigender Stern am Lieferketten-Himmel des Tim Cook.
Luxshare begann seine Kooperation mit Apple mit Kabeln für MacBooks und iPhones, fertigt inzwischen auch Airpods, iPads und Apple Watches. Die Firma ist rasant schnell gewachsen.
Wenn Luxshare nun auch noch ein geachteter Partner für die Herstellung von AR- und VR-Technologie für Apple wird, ist dies auch eine Manifestation der technologischen Finesse der Chinesen, nicht bloß eine Folge ihrer Fähigkeit, zu günstigen Preisen zu produzieren und Apple gute Margen zu garantieren.
Foxconn erweitert Produktionskapazität massiv – in China
Auch dass der taiwanesische Konzern Foxconn seine Produktionskapazitäten in seiner riesigen Fabrik in Zhengzhou südlich von Peking gerade massiv erweitert, klingt im aktuellen geopolitischen Kontext überraschend.
Der Apple-Zulieferer hat gerade eine neue Fläche von mehr als einem Quadratkilometer in der „Zhengzhou Comprehensive Bonded Zone“ von den dortigen Behörden geleast, berichtet die South China Morning Post. Dort arbeiten schon jetzt Zehntausende von chinesischen Arbeitern in der „iPhone City“, und offensichtlich sollen es nun noch mehr werden.
Seit der Verschärfung des Handels- und Technologiekrieges zwischen Washington und Peking wird derzeit immer sofort darüber berichtet, wenn Apple oder seine Zulieferer neue Kapazitäten in Vietnam, Thailand oder anderen Drittländern aufbauen.
Apple ist abhängig von seinen chinesischen Zulieferern und Fertigern
Doch Apple hat unter der Führung von Tim Cook in der Volksrepublik China jahrzehntelang ein so komplexes Ökosystem von Zulieferern aufgebaut, dass ein von den China-Gegnern in Washington erhofftes „Decoupling“ der Erfinder des Macs und des iPhones von der Volksrepublik nicht über Nacht gar nicht möglich – und von Apple offensichtlich auch nicht erwünscht ist.
Unter dem enormen politischen Druck aus Washington hat Apple zwar tatsächlich begonnen, einige Teile seiner Produktion aus China nach Indien, Vietnam und in andere Länder zu verlagern. Doch all diese Standorte können Chinas Rolle für Apple auf absehbare Zeit weder quantitativ noch qualitativ ersetzen.
Alte Diskussion – neu entfacht
Schon vor fünf Jahren hatte die Debatte begonnen, ob Apple seine Produktion zunehmend aus China nach Indien oder Südostasien verlagern werde – damals waren noch wachsende Lohnkosten in China der Auslöser der Debatte, nicht die politischen Spannungen der Gegenwart.
Stand: 08.12.2025
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Damals hatte Tim Cook erklärt, warum Apple dies nicht tun werde. „Die Herstellung unserer Produkte erfordert tiefe Ingenieurs-Kenntnisse, ein flexibles Management der Lieferketten und exzeptionelle Qualitäts-Standards.“ All das gebe es nur in China, deutete der Apple-CEO während des Besuchs einer Luxshare-Fabrik in China damals an.
Heute sieht sich Apple gezwungen, seine Lieferketten von China ein kleines Stück weit von China weg zu diversifizieren, denn mit seiner verheerenden Null-Covid-Politik hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die Reputation seines Landes als verlässlicher, vertrauenswürdiger Standort selbst beschädigt. Apples Einnahmen waren gesunken, weil die Produktion in China wegen der Corona-Maßnahmen ins Stocken kam.
Apples Produktion in China wird eher wachsen als schrumpfen
Auch der politische Druck aus Washington wird wohl weiter dafür sorgen, dass einige neue Werke in Indien und Vietnam Apple-Produkte herstellen dürfen. Doch Apples Produktion in China wird gleichzeitig in vielen Bereichen in den kommenden Jahren eher wachsen als schrumpfen.
Eine Analyse von JP Morgan kommt zu dem Ergebnis, dass der Anteil chinesischer Unternehmen an der Fertigung des iPhones von 7 Prozent im vergangenen Jahr bis auf 24 Prozent im Jahr 2025 steigen wird. In anderen Worten: Bei technisch anspruchsvollen Qualitätsprodukten erweist sich China für Apple derzeit als unersetzbar. (me)
* Henrik Bork ist Managing Director und Analyst bei Asia Waypoint, einem auf den asiatischen Markt fokussierten Beratungsunternehmen mit Sitz in Peking.