Insolvenz Traditionsunternehmen ringt um die Zukunft

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 1 min Lesedauer

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Der einstige Weltmarktführer für Antennen- und Satellitentechnik, Kathrein aus Rosenheim, hat Insolvenz angemeldet. Damit beginnt ein dunkles Kapitel in der Geschichte eines Unternehmens, das über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung moderner Kommunikation prägte.

Insolvenz bezeichnet die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung eines Unternehmens, die zu einem geordneten gerichtlichen Verfahren zur Regelung der offenen Forderungen führt.(Bild:  frei lizenziert / Pexels)
Insolvenz bezeichnet die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung eines Unternehmens, die zu einem geordneten gerichtlichen Verfahren zur Regelung der offenen Forderungen führt.
(Bild: frei lizenziert / Pexels)

Durch die Insolvenz steckt erneut ein Traditionsunternehmen in einer kritischen Phase. Kathrein blickt auf eine lange Geschichte zurück: Gegründet 1919, wuchs das Unternehmen mit dem Rundfunk– und Fernsehboom nach dem Krieg zur weltweit führenden Marke auf. Unter der Leitung von Anton Kathrein senior – und später in der dritten Generation – erzielte man zeitweise Umsätze im Milliardenbereich. Bekannt war Kathrein besonders für seine hochwertigen Antennen- und Satellitensysteme.

Nach dem Verkauf wichtiger Geschäftseinheiten wie der Mobilfunk‑ sowie Automotive‑Sparten im Jahr 2019 blieb eine deutlich reduzierte Unternehmensstruktur mit vier operativen Einheiten bestehen:

  • Kathrein Digital Systems in Rosenheim
  • Kathrein Broadcast in Rohrdorf (am Inn)
  • Kathrein Solutions in Stephanskirchen
  • Kathrein Sachsen in Mühlau

Im März 2025 geriet dann die Broadcast-Sparte in finanzielle Turbulenzen und meldete Insolvenz an. Doch schon im Juni 2025 gelang der Wendepunkt: Die Münchner Investmentgesellschaft Lenbach Capital übernahm sämtliche Anteile und sicherte den Fortbestand dieser Sparte. Damit wurde der Geschäftsbetrieb stabilisiert, und Kathrein Broadcast agiert seither unabhängig von der Muttergesellschaft

Anfang August 2025, also nur wenige Monate später folgte der nächste Schritt: Die Muttergesellschaft Kathrein SE stellte selbst einen Insolvenzantrag. Kurz darauf traten auch Kathrein Electronics sowie die Kathrein Digital Systems in Sanierungsverfahren ein, begleitet von vorläufiger Insolvenzverwaltung unter Leitung des Rechtsanwalts Michael Verken.

Für die rund 200 Mitarbeitenden bedeutete dies zunächst Unsicherheit und den Bezug von Insolvenzgeld. Gleichzeitig wurden gezielte Investorenbemühungen gestartet. Es ist also nicht gleich das Ende, sondern eine Chance für einen strukturellen Neustart und eine strategische Neuausrichtung

Kathrein Broadcast zeigt derweil, wie ein erfolgreich separierter Neuanfang aussehen kann. Die übrigen Gesellschaften der Gruppe stehen noch vor ihrer Herausforderung: ein Weg zurück in stabile Fahrwasser. Die Insolvenz ist kein endgültiger Niedergang, sondern möglicherweise der Startpunkt für eine zukunftsgerichtete Transformation. (mr)

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