nano tech 2015 Touch-Schaltung für Displays in einem Schritt erzeugen

Redakteur: Johann Wiesböck

Forscher des INM – Leibniz-Institut für neue Materialien – haben ein Verfahren zur Photometallisierung entwickelt, das die Herstellung der gesamten Verschaltung auf Touchscreens in einem Schritt ermöglicht. Auf der nano tech 2015 in Japan wird es erstmals gezeigt.

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Herstellung der gesamten Verschaltung auf Touchscreens in einem Schritt
Herstellung der gesamten Verschaltung auf Touchscreens in einem Schritt
(Bild: Uwe Bellhäuser)

Wenn Nutzer ihre Smartphones, Tablets und Co. bedienen, machen sie sich über die komplizierte Elektronik dahinter keine Gedanken. Hauptsache Wischen und Tippen klappen einwandfrei. Damit die Touchscreens funktionieren, sind sie auf ihrer Oberfläche mit mikroskopisch kleinen, elektrischen Leiterbahnen versehen, die auf den Druck der Finger Schaltkreise öffnen und schließen. In den Rändern der Geräte laufen diese mikroskopischen Bahnen zu größeren Leiterbahnen zusammen.

Bisher mussten sie in mehreren Produktionsstufen erzeugt werden. Die Forscher des INM – Leibniz-Institut für neue Materialien stellen jetzt ein neues Verfahren vor, das die Herstellung mikroskopischer und makroskopischer Leiterbahnen in einem Schritt ermöglicht. Vom 28. bis 30. Januar präsentieren die Forscher des INM dieses und weitere Ergebnisse im German Pavilion auf der nano tech 2015 in Tokio, Japan.

UV-Licht wandelt farblose Silber-Verbindungen in leitendes Silber

Für das neue Verfahren nutzen die Entwickler die Möglichkeit der Photometallisierung: Farblose Silber-Verbindungen wandeln sich mithilfe einer photoaktiven Schicht beim Einwirken von UV-Licht in elektrisch leitendes Silber um. Über unterschiedliche Methoden lässt sich die Silber-Verbindung in Form von Bahnen oder anderen Strukturen auf Kunststoff-Folien oder Glas aufbringen. Dabei lassen sich verschieden große Bahnen bis zur kleinsten Größe von einem Tausendstel Millimeter darstellen. Durch Belichtung mit UV-Licht entstehen dann die entsprechenden Leiterbahnen.

Zuerst werden die Folien oder Glas mit einer photoaktiven Schicht aus Metalloxid-Nanopartikeln überzogen. „Anschließend bringen wir die farblose, UV-stabile Silberverbindung auf“, erklärt Peter William de Oliveira, Leiter des Programmbereichs Optische Materialien. Durch die Belichtung dieser Schichtfolge zersetzt sich die Silber-Verbindung an der photoaktiven Schicht und die Silber-Ionen werden zu metallischem, elektrisch leitendem Silber reduziert. Dieses Verfahren berge mehrere Vorteile: Es sei schnell, flexibel, größenvariabel, kostengünstig und umweltfreundlich. Weitere Prozess-Schritte für die Nachbehandlung entfielen.

Mit diesem Grundprinzip können die Forscher am INM sehr individuell Leiterbahnen aufbringen. „Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten, die wir je nach Anforderung nutzen können: Das „Schreiben von Leiterbahnen“ mittels UV-Laser eignet sich besonders gut für die erste, maßgeschneiderte Anfertigung und das Austesten eines neuen Leiterbahn-Designs. Für die Massenproduktion ist diese Methode jedoch zu zeitaufwändig“, erläutert der Physiker de Oliveira. Auch Photomasken, die nur an den gewünschten Positionen UV-durchlässig sind, können für die Strukturierung genutzt werden. „Für einen „semikontinuierlichen Prozess“ eignen sie sich besonders für das Aufbringen der Leiterbahnen auf Glas“, sagt der Materialexperte.

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