Universität Kiel Tiefenbild macht 3D-Filme bald Live-tauglich

Redakteur: Peter Koller

Die Produktion von 3D-Filmen ist bislang enorm aufwändig und erfordert entweider zwei präzise abgestimmte Kameras oder aufwändige Computer-Nachbearbeitung. Eine entwicklung Kieler Experten soll den Aufwand künftig massiv reduzieren und 3D sogar Live-tauglich machen.

Anbieter zum Thema

Bei diesem Kamera-Rig wird eine digitale HD-Hauptkamera durch DeCS-Module für die Tiefeninformationen ergänzt (Foto: CAU/Claudia Eulitz)
Bei diesem Kamera-Rig wird eine digitale HD-Hauptkamera durch DeCS-Module für die Tiefeninformationen ergänzt (Foto: CAU/Claudia Eulitz)

Imposante 3D-Produktionen wie der Film „Avatar“ sind zeit- und kostenaufwändig. Zwei Kameras müssen dazu perfekt aufeinander abgestimmt und die Bilder übereinander gelegt werden, um den gewünschten Tiefeneffekt zu erzeugen.

Die Weiterverarbeitung des Filmmaterials für DVD oder Fernseher ist mit hohem Aufwand und langen Wartezeiten verbunden. Auch die zweite Methode, in 2D zu filmen und die Bilder am Computer in 3D zu verwandeln, befriedigt die Qualitätsansprüche eines Kenners nicht.

Die Lösung bietet eine neuartige Aufnahmetechnik, die drei Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe „Multimediale Informationsverarbeitung“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) entwickelt haben. Der Projektleiter Dr. Ingo Schiller und die Entwickler Anatol Frick und Falko Kellner erweitern dabei für ihre Aufnahmetechnik normale Film-Kameras um spezielle Zusatz-Module.

Ein Bild und seine Tiefeninformationen: Aus der Kombination entsteht eine mehr oder weniger starker 3D-Effekt (Foto: DeCS Media)
Ein Bild und seine Tiefeninformationen: Aus der Kombination entsteht eine mehr oder weniger starker 3D-Effekt (Foto: DeCS Media)
„Neben dem 2D-Farbbild nehmen wir ein Tiefenbild auf, das die Entfernungen der Bildinhalte und auch Verdeckungsinformation enthält. Das heißt, man kann auch hinter Objekte sehen“, erklärt Ingo Schiller. Diese Zusatzinformationen ermöglichen mithilfe von echtzeitfähigen Algorithmen die automatische Berechnung verschiedener Bilder der Szene.

Daraus ergibt sich ein sehr realistischer Tiefeneffekt. Schiller: „Die Filmproduzenten erhalten ihr 3D-Werk damit live am Set und können es sich sofort auf jedem 3D-fähigen Display vom Kino bis zum Smartphone anschauen.“

3D-Effekt lässt sich skalieren

Aber auch der 3D-Effekt selbst ließe sich durch die neue Technik frei skalieren. Per Knopfdruck auf der Fernbedienung kann jeder in Zukunft selbst entscheiden, wie stark er den 3D-Effekt zuhause sehen will. Auch für die nächste Generation von 3D-Displays, die keine spezielle Brille mehr erfordern werden, ist das Verfahren bestens gerüstet.

Hinter den Innovationen stehen spezielle „Computer Vision Algorithmen“ und eine Kombination aus aktiver und passiver Tiefensensorik. Versteckt sind sie in den vom Kieler Forschungsteam entwickelten Add-On-Modulen, die sich mit einer professionellen Aufnahmekamera kombinieren lassen.

Software regelt Zusammenarbeit von Kamera und Modul

Die Zusammenarbeit von Modul und Kamera wird durch eine intuitive Kalibriersoftware automatisch geregelt. „Unsere Technik wird Filmemacher begeistern“, sagt Ingo Schiller und fasst zusammen: „Displaygröße und Tiefeneffekt lassen sich durch unsere Methode stufenlos einstellen.

Auch Live-Aufnahmen und Live-Sendungen in 3D sind damit in Zukunft möglich. Und Nachbearbeitungen können durch halb- bis vollautomatische Verfahren schnell und kostengünstig umgesetzt werden.“

Bei dem auf 18 Monate angelegten Projekt „DeCS Media“ (Depth Capture Systems for Media) werden die Forschungsergebnisse des EU-Projekts 3D4YOU weiterentwickelt und für die baldige Marktreife vorbereitet.

(ID:30927750)