Start-ups im Weltraum Texas Instruments, Start-ups und die Raumfahrt

Von Richard Oed, freier Mitarbeiter ELEKTRONIKPRAXIS 6 min Lesedauer

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Der letzte Start-up-Event „TechMatch“ von Texas Instruments stand unter dem Motto „Space“. Aus diesem Anlass sprach die ELEKTRONIKPRAXIS mit Stefan Bruder, Präsident EMEA von Texas Instruments, über die Bedeutung der Raumfahrt für sein Unternehmen und wie wichtig Start-ups dabei sind.

Stefan Bruder, Präsident EMEA von Texas Instruments, diskutierte am Rande des Start-up Events „TechMatch“ zum Thema Weltraumfahrt mit der ELEKTRONIKPRAXIS darüber, welche Bedeutung junge Unternehmen für die Raumfahrt und für TI haben. (Bild:  Texas Instruments)
Stefan Bruder, Präsident EMEA von Texas Instruments, diskutierte am Rande des Start-up Events „TechMatch“ zum Thema Weltraumfahrt mit der ELEKTRONIKPRAXIS darüber, welche Bedeutung junge Unternehmen für die Raumfahrt und für TI haben.
(Bild: Texas Instruments)

Der Kostendruck wird größer, das Zeitfenster zwischen Projektbeginn und Start in den Raum (Time-to-Start) kürzer. Junge, innovative Firmen kommerzialisieren die Weltraumfahrt so umfangreich, dass dafür eigens der Begriff „New Space“ geprägt wurde. Der Halbleiterhersteller Texas Instruments (TI) sieht sich hier gut aufgestellt.

Herr Bruder, beim Thema Weltraum und Raumfahrt denken nicht viele zuerst an Texas Instruments. Wie wichtig ist dieses Segment für Ihr Unternehmen?

Dieses Segment ist aus unterschiedlichen Aspekten sehr wichtig für uns. Zum einen ist die Raumfahrt ein Markt, der wächst, der neue Bereiche ermöglicht, wie New Space oder Low-Earth-Orbit-Konstellationen. Zum anderen haben wir festgestellt, dass wir mit dem äußerst breiten Portfolio, das wir ohnehin haben, eine sehr große Skalierbarkeit erreichen können. Und zwar Skalierbarkeit auf der Produktseite, wo wir sehen, dass wir von kommerziellen Produkten, über Automotive-Bauelemente, bis hin zu Space qualifizierten und gehärteten Produkten alles im Angebot haben.

Was bedeutet das für Ihre Kunden?

Damit können wir unseren Kunden einen signifikanten Mehrwert bieten, gerade auch wenn wir den sogenannten „New Space“ betrachten, der durch die Kommerzialisierung der Raumfahrt neue Anforderungen mit sich bringt. Das reicht von Satelliten im Low-Earth-Orbit, über geostationäre Satelliten wie Eurostar-Neo, bis zum Tiefen Raum. Gemeinsam haben alle die Anforderungen bezüglich der Kosten und die Ansprüche in Richtung „Time-to-Space“. Und hier sehen wir, dass unser Produktsegment sehr gut passt. Deswegen haben wir unsere Investitionen weiter intensiviert und erkannt, dass wir so die Kunden besser unterstützen können und somit auch entsprechend erfolgreich sind.

Haben Sie dazu lokale Aktivitäten an Ihrem Standort in Freising?

Das ist vielleicht nicht so offensichtlich, aber wir sitzen ja gerade bei uns in Freising zusammen und TI Freising ist sehr eng verwurzelt mit unseren Space-Aktivitäten. Wir haben hier eine eigene Forschung und Entwicklung, beispielsweise eine Abteilung, die gemeinsam, und diese Partner kann ich hier nennen, mit Airbus und der ESA vor ein paar Jahren neue Hochgeschwindigkeit-Datenwandler geschaffen hat. Diese sind hier zusammen mit lokalen Firmen entwickelt worden, um die Anforderungen, welche die Kunden hier haben, direkt in ein Produkt zu integrieren und dann herzustellen.

Fertigen Sie diese Bauelemente hier auch?

Wir sehen die Fertigung von hier aus (Stefan Bruder zeigt auf das Fertigungsgebäude). Die FAB in Freising ist QML-V zertifiziert. Das bedeutet, wir produzieren in Freising vor Ort Produkte für die Raumfahrt.

Der letzte Start-up-Event „TechMatch“ stand unter dem Motto „Space“. Benötigt die Raumfahrt denn Start-ups?

Hier gibt es zwei Aspekte: Zum einen ist natürlich die Wichtigkeit von Start-ups für uns als Texas Instruments unverändert. Und daher ist der TechMatch auch ein Format, um zu lernen, wie wir Start-ups identifizieren können, wie wir mit ihnen zusammenarbeiten wollen und dabei gegenseitig voneinander lernen und so gemeinsam wachsen können. Und wir haben uns überlegt: Welche Themen treiben uns gerade besonders um. Und das ganz aktuelle Thema ist selbstverständlich der Klimawandel und wie man mit ihm umgeht. Da liegt es natürlich nahe, hier die Raumfahrttechnik einzusetzen.

Auf der anderen Seite benötigt die Raumfahrt aber auch Ansätze, die aus einem gänzlich anderen Blickwinkel kommen, die einer grundsätzlich anderen Denkweise entspringen. Ich denke, der Ausdruck disruptiv beschreibt das am besten. Was uns als Texas Instruments betrifft, ist etwa die Komponentenauswahl ein solches Feld. In der Vergangenheit war definiert, dass gewisse gehärtete Produkte verwendet werden müssen, die dann natürlich Kosten mit sich bringen.

Hier neue Wege zu gehen, darüber nachzudenken, wie man auf einem anderen Weg zur gleichen Lösung kommt und wie man dadurch beispielsweise das Thema Kosten oder die „Time-to-Space“ eben neu denkt. Start-ups können das leisten. Und gerade hier in Bayern, aber auch anderswo, gibt es sehr viele Start-ups, die entsprechend aktiv sind.

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Wie profitiert TI von der Zusammenarbeit mit diesen Start-ups?

Die Grundlage dafür, wie ebenfalls für den „TechMatch“, fasst unser Slogan „We enable innovation, we connect to learn, and we grow together“ zusammen. Am Ende geht es um das Resultat, das „zusammen wachsen“. Ebenso wie unsere Kunden, wie diese Start-ups, sind wir dann erfolgreich, wenn wir dadurch unsere Umsätze steigern können. Aber wie kommen wir da hin? Dadurch dass wir uns vernetzen, dass wir gemeinsam lernen und letztlich damit Erfolg haben.

Sie glauben also, dass die Start-ups ebenfalls von der Zusammenarbeit profitieren?

Absolut! Beim „TechMatch“ erhalten die Gewinner ja intensive technische Unterstützung von uns und das ist etwas, was Start-ups sehr schätzen. Das Format ist ja schon älter und jetzt, nach Jahren der Zusammenarbeit, sehen wir, ob diese Start-ups dann erfolgreich oder weniger erfolgreich sind. Und eben auch, welchen Impact wir als etabliertes Unternehmen haben können.

Die Unterstützung, eigentlich ein technischer Support, kann aber auch in Richtung Marketing gehen. Oder in Richtung Kommunikation zu anderen Gruppen, selbst wenn das jetzt nicht unser primäres Businessmodell ist. Trotzdem bieten wir das an, eben unter dem Slogan „Learning from each other“. Und da sehen wir, dass schließlich diese Synergie entsteht.

Wo bringen Start-ups der Raumfahrt den größten Nutzen?

Neben dem gemeinsamen Lernen ist die Verwertung von Daten der Raumfahrt wie der Klimadaten ein Top-Thema. Dahinter steckt ein Riesenpotenzial, Stichwort Big Data. Da sind die Eingangsinvestitionen eines Start-ups kleiner als bei etablierten Unternehmen. Das Risiko ist gering und man sieht schnell den eigenen Beitrag.

Sehen Sie einen Einfluss der Raumfahrt-Start-ups über den Kernbereich der Raumfahrt hinaus?

Ich würde hier an das Gesamt-Ökosystem anknüpfen. Wozu braucht man Satelliten? Zum Beispiel, um Informationen zu bündeln, zu kommunizieren, sogar in abgelegenen Bereichen. Generell zu ermöglichen, dass kommuniziert werden kann. Wenn wir jetzt den Kommunikationsaspekt der Raumfahrt anschauen, entstehen genau da ganz neue Möglichkeiten.

Auch auf die Frage zuvor bezogen, was das Schlagwort Big Data, was künstliche Intelligenz und diese Dinge angeht. Wenn ich das Gesamt-Ökosystem betrachte, dann ist das ebenfalls etwas für uns als Halbleiterhersteller. Denn, selbst wenn es dabei primär um Software geht: Diese muss auf irgendetwas laufen. Hier denke ich dann in Richtung Edge-Computing, Cloud-Computing, Enterprise-Anwendungen und andere Anwendungen. Und ja, auch dort sehen wir in diesem erweiterten Ökosystem die veränderten Businessmodelle, die entstehen. Und wie Big Data als Schlagwort sehr relevant wird, sobald es um die Umsetzung geht. Hier spielen dann natürlich Start-ups eine essenzielle Rolle, um neue Businessmodelle zu entwickeln, neue Wege zu gehen.

Glauben Sie, dass alle Raumfahrt-Start-Ups überleben werden?

Ich würde da vielleicht Charles Darwin zitieren: Diejenigen, die sich am besten an die Veränderungen anpassen können, das sind diejenigen, die dann auch erfolgreich sein werden. Sicherlich, ein Start-up in einem wachsenden Markt hat natürlich per se eine höhere Erfolgschance. Aber es geht darum, sich anzupassen, zu verändern, gerade in der dynamischen Welt, in der wir heute sind. Das ist für etablierte Unternehmen wie für Start-ups das Gleiche.

Ich glaube, als Start-up hat man eben die Möglichkeit, das noch sehr viel schneller zu tun, genauer gesagt, man muss es noch schneller tun, um dann letztlich erfolgreich zu sein. Und deshalb wird es da eine Selektion geben. Ja, und wir als Firma sind natürlich daran interessiert, mit den Innovativen zusammenzuarbeiten, mit denen, die sich schnell anpassen, weil dort sicherlich die Erfolgswahrscheinlichkeit auch höher ist.  (mbf)

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