Klasse statt Masse lautet also das Prinzip– und das nicht erst seit kurzem. Bereits im Jahr 2002 gründete der Hersteller DFI seine Sparte für PC-Motherboards für Industrieanwendungen namens ACP (Applied Computing Platform).
Gavin Chan, Director Sales bei DFI, bezeichnet das 1981 gegründete Unternehmen gerne als PC-Pionier: In den achtziger Jahren war der Betrieb auf Grafikkarten spezialisiert, in den Neunzigern konzentrierte man sich auf Motherboards für den Consumer-Bereich. „Wir kamen vom PC und sind dann in den Embedded-Markt gegangen“, erläutert Chan: „Wir haben unsere Vorteile ausgespielt – die Fertigungskapazität und unseren Qualitätsprozess. Wir kamen von dem großen Formfaktor für Motherboards und sind dann zu kleineren Formaten für die industriellen Motherboards übergegangen.“
Aber auch in anderen Bereichen hat DFI einen Lernprozess durchlaufen, wie Chan erzählt: „Heute bieten wir lange Produktzyklen von mindestens fünf Jahren und eine strenge Versionskontrolle. Außerdem bieten wir auch mehr Services in den Bereichen Design und Herstellung für unsere Kunden an."
Um den Anforderungen von Industriekunden zu genügen, setzt der Hersteller seine Produkte einer ganzen Reihe von Prüfungen aus. Dazu zählen Vibrationstests, die Simulation elektrostatischer Entladungen, Hitze- und Kältetests, sowie die Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit. Die notwendigen Labors und Testeinrichtungen befinden sich in der DFI-Zentrale in Xizhi City nördlich der Hauptstadt Taipei, unweit des Hauptquartiers des PC-Giganten Acer.
Der Erfolg gibt dem Unternehmen Recht: DFI liefert unter anderem Komponenten für Geldautomaten von NCR und IBM sowie für namhafte Hersteller von Spielautomaten. Dabei baut das Unternehmen nicht nur Standardprodukte, sondern ist auch in der Lage, als ODM (Original Design Manufacturer) auf Projektbasis zu arbeiten.
Distanz zwischen Hersteller und Anwender verkürzt sich
Wie eng die Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Auftraggeber bei solchen Projekten werden kann, zeigt sich beim IPC-Hersteller Portwell. Die Kooperationspartner von Portwell können auf dem unternehmenseigenen Campus übernachten, wenn sie es möchten. Wie sehr der Hersteller auf Details achtet, zeigt sich bei der Kantine, die nicht nur taiwanische Küche, sondern auch international populäre Gerichte wie Pizza und Pasta offeriert.
Portwell trägt damit einem Trend Rechnung, den auch Steven Liu von AICSYS beobachtet: „Die Wertschöpfungskette wird kürzer – und damit auch die Distanz zwischen Hersteller und Anwender.“
Trotz großer Entfernung können Taiwaner und ihre europäischen Kunden somit quasi auf Armlänge zusammenarbeiten: „Taiwanische Firmen sind bereit und in der Lage, spezielle Anforderungen zeitnah innerhalb weniger Wochen umzusetzen“, so die Erfahrung von Data Modul-Vorstandmitglied Walter King: „Und auch bei etwaigen Qualitätsproblemen nähern sich die Antwortzeiten den europäischen Erwartungen an.“